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Hauser-Geschäftsführer und Hauser-Reiseleiter überleben Erdbeben in China

 

Erkundungstour seit Monaten geplant
Seit Dezember war die Erdkundungstour in Osttibet von Hauser-Geschäftsführer Manfred Häupl (49) und Bogdan Brakus (62), seit 29 Jahren Reiseleiter bei Hauser, geplant. Ziel war es, die kaum bekannte Gebirgsregion Siguniang und einen von Deutschen bisher unbestiegenen 6000er in der chinesischen Region Sichuan zu erkunden. Beide Männer wurden vom Erdbeben am 12. Mai überrascht. Manfred Häupl hat eine Kopfverletzung und Rippenbrüche erlitten. Seit Samstag befindet er sich wieder in Deutschland und auf dem Weg der Besserung. Bogdan Brakus wird morgen, Dienstag 20. Mai, zurück in Deutschland erwartet, er ist ebenso wie die insgesamt sechsköpfige Begleitmannschaft unverletzt.

Bericht von Manfred Häupl
“Wir hatten unsere erste Erkundungsetappe im Singuniang-Gebirge abgeschlossen, als wir uns trennten, da Bogdan Brakus nach Chengdu musste, um sein Visum zu verlängern. Währenddessen bin ich mit drei lokalen Begleitern ins Chongping-Tal hineingewandert. Wir wollten einen 4700 m hohen Pass überqueren. Bogdan sollte nach Erledigung der Formalitäten in Chengdu um das Tal herumfahren und auf der anderen Seite des Passes mit dem anderen Teil der Mannschaft wieder zu uns stoßen.
Seit Samstag 10. Mai waren wir - also mein chinesischer Begleiter Neddy, der lokale Bergführer Ma, der Pferdetreiber Ya und ich - im Tal unterwegs und hatten einen Lagerplatz für die nächsten zwei Nächte eingerichtet. Das Tal war unbeschreiblich schön: glasklares Wasser in den Bächen, Gletscher, Eisgipfel, Wälder - Wildnis pur. Am Montag hatten wir das Lager abgebrochen und befanden uns gegen 13.30 Uhr beim Passanstieg. Wir waren auf einer Höhe von 3950 m und hatten gerade die Ausrüstung von den Pferden abgeladen, sie konnten nicht mehr mitgehen, es war zu hoch und zu steil für sie. Ungefähr um 14.00 Uhr sind wir abmarschiert, haben aber nach circa 150 Höhenmetern eine Pause gemacht. Als wir weiter gingen, war nach nur zehn bis zwanzig Schritten plötzlich eine düstere Stille. Mehrere Sekunden lang. Dann war ein Grollen aus der Erde zu hören, so stelle ich mir Drachenbrüllen vor. Erst war der Ton zu vernehmen, dann kam Bewegung in die Erde. Wir gingen in Kehren mit dem Gepäck am steilen Hang. Der lokale Bergführer Ma hat geschrien: “Kommt rauf!" Es war fürchterlicher Lärm, ich dachte, eine Schwadron Düsenjäger kommt. Ich bin losgerannt und direkt in eine Steinlawine, die plötzlich wie ein Wasserfall über einen großen Felsen stürzte. Ein Stein traf mich am Kopf, dann war ich bewusstlos. Den Rest weiß ich von Ma. Er hat gesagt, der Stein hätte mich zur Seite geworfen, das war mein Glück. Als ich wieder zu mir kam, blieben wir zum Schutz noch zwanzig Minuten unter einem großen Felsen. Gegenüber erhob sich ein ungefähr 5500 m hoher Berg mit einer rund 1500 m hohen Wand. Aus ihr ist ein Felsblock in der Größe eines zwanzigstöckigen Hochhauses herausgebrochen und ins Tal gekracht. Als sich die Erde beruhigt hatte, sind wir abgestiegen. Überall waren Risse im Boden. Unten in der Talsenke haben mir meine Begleiter den Kopf verbunden und Schmerztabletten gegeben. Sie haben die Pferde, die wir zurückgelassen hatten, gesucht. Gegen 16.00 Uhr halfen sie mir auf eines der Pferde, dann sind wir zurück Richtung Ausgangspunkt geritten. Ich wurde von beiden Seiten gestützt. Wir sind durch die Nacht geritten. Nach circa zwanzig Kilometer waren die Pferde erschöpft, ich bin noch ungefähr vier Kilometer gelaufen. Meine Begleiter haben dann einen Traktor aufgetrieben, auf dem wir die letzten Kilometer bis Relong - unserem Ausgangspunkt - zurückgelegt haben. Gegen Mitternacht waren wir dort und haben - wie die Bewohner - in tibetischen Zelten übernachtet. Keiner hat sich in die Häuser getraut. Das Tal, durch das wir gewandert sind, wurde vom Erdbeben völlig zerstört. Der Aussichtsberg, den ich mit meinen Begleitern gemeinsam bestiegen hatte - das Gebiet zählt übrigens zum Unesco-Weltnaturerbe - war nicht wiederzuerkennen. Die Bäume … abgeknickt wie Streichhölzer. Am nächsten Tag hat mich Neddy in das Krankenhaus nach Xiaoujing gebracht, eine 50.000 Einwohnerstadt sechzig Kilometer von Relong entfernt. Dort wurde mir die Kopfwunde genäht und festgestellt, dass zwei Rippen gebrochen waren. Zwei Nächte, bis Donnerstagfrüh, war ich im Krankenhaus. Freitag durfte ich heraus und nach Rücksprache mit der chinesischen Ärztin auf eigenes Risiko nach Deutschland fliegen."

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