Höheninfo
Als weltweiter Spezialreiseveranstalter von Trekking-Reisen führen viele unserer Routen auch in große und sehr große Höhen. Informieren Sie sich hier zum Thema “Höhe":
Wie bereite ich mich auf die Höhe vor?
Natürlich halten sich unsere Programmabläufe, unsere versierten Reiseleiter und höhenerfahrenen Bergführer so genau wie möglich an die "Goldenen Regeln der Höhentaktik". Dass Ihre Höhentour genussvoll und möglichst beschwerdefrei verläuft, hängt aber auch sehr von Ihrem eigenen Verhalten ab. Deshalb gibt Ihnen hier unser höhenmedizinischer Berater, Dr. med. Franz Berghold, Bergführer und Expeditionsarzt aus Kaprun, nützliche Informationen und einige praktische Tipps:
Höhe bedeutet in erster Linie Sauerstoffmangel. Auf 5.500 Metern ist nur die Hälfte des Sauerstoffes zum Atmen vorhanden wie auf Meereshöhe. Nicht jeder verträgt dies gleich gut. Alter und Geschlecht spielen dabei keine Rolle, wohl aber ein guter Gesundheitszustand.
Aus diesem Grund sollte vor jeder geplanten Trekking-Reise eine Untersuchung und Beratung durch einen höhenerfahrenen Arzt erfolgen.
Ein guter Ausdauertrainingszustand hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Höhenakklimatisation, ermöglicht aber genussvolle und problemlose Tagesetappen.
Höhentaktik
Jede schwere Höhenkrankheit ist vermeidbar! Der menschliche Organismus muss sich bereits ab der sogenannten Schwellenhöhe von 2.500m über dem Meeresspiegel einige Tage lang an den Sauerstoffmangel anpassen. In dieser Anpassungsphase kann aber nur derjenige höhenkrank werden, der sich nicht konsequent an die folgenden einfachen Regeln der Höhentaktik hält:
- Nicht zu schnell zu hoch steigen!
- Keine Anstrengungen in der Anpassungsphase!
Die Vorbereitung beginnt schon zu Hause: Vermeiden Sie in den Tagen vor Ihrer Abreise Stress und Hektik. Stimmen Sie sich bereits innerlich auf die Reise ein. Auf der Reise selbst gilt: Gehen Sie von Anfang an betont langsam und gleichmäßig, auch wenn Sie sich noch so konditionsstark und topfit fühlen. Achten Sie beim Steigen auf eine rhythmische, gleichmäßige und tiefe Atmung, und tragen Sie möglichst keinen schweren Rucksack. Diese Leitsprüche sagen eigentlich schon alles:
Wer schneller geht als ein Ochse, der ist ein Ochse!
Entscheidend für die Höhenakklimatisation ist stets die Schlafhöhe: Man sollte immer so tief wie möglich übernachten. Nach überschreiten der Schwellenhöhe (2.500m) sollte man einige Nächte auf dieser Höhe verbringen. Wenn das unmöglich ist, sollten die folgenden Schlafhöhenunterschiede höchstens 600 Meter betragen. Zwischen zwei solchen Nachtlagern kann man allerdings bis zu 1.500 Höhenmeter nach oben steigen, wenn man danach sofort wieder absteigt. Hat die Lagerkette 1.000 Höhenmeter überwunden, sollte man zwei Nächte auf dieser Höhe verbringen. Und so weiter.
Wenn man sich am Ende einer Tagesetappe wohl fühlt und Zeit hat, ist es für die Akklimatisation durchaus vorteilhaft, nach einer Rast am Lagerplatz etwa 100 bis 200 Höhenmeter ohne Rucksack in gemütlichem Tempo weiterzusteigen und anschließend wieder ins Lager zurückzukehren. Man sollte immer bewusst tief ein- und ausatmen. Gleichzeitig ist es wichtig, möglichst viel und oft -insgesamt mehrere Liter täglich- zu trinken, allerdings keinen Alkohol. Insgesamt immer langsam gehen und Anstrengungen vermeiden. Besonders wichtig: Unwohlsein und bereits geringe Störungen des Befindens sollten nicht verschwiegen, sondern sofort dem Reiseleiter mitgeteilt werden. Auf keinen Fall sollte gewartet werden, bis man sich schließlich so miserabel fühlt, dass man seinen Zustand nicht mehr verbergen kann - dann ist es vielleicht schon zu spät!
Medikamente
Wenn die Höhentaktik aus unvermeidlichen Gründen (Wettersturz, Rettungseinsatz, besondere Anfälligkeit) nicht ausreichend eingehalten werden kann, ist eine Einnahme in Ausnahmefällen möglich. Solche Medikamente müssen aber im Anlaßfall ärztlich besprochen und verordnet werden. Eine natürliche Akklimatisation ist allerdings auf jeden Fall vorzuziehen.
Akklimatisation
Während der kritischen Höhenanpassung ist der individuelle morgendliche Ruhepuls immer deutlich erhöht. Das kann jeder sehr einfach an sich selbst feststellen (direkt nach dem Aufwachen, ohne vorherige Aktivität zu bestimmen).Das Ende der Anpassungsphase erkennt man am Rückgang zum persönlichen Ausgangswert. Letzterer ist einfach zu Hause vor Beginn der Reise festzustellen. Man ist wieder voll leistungsfähig, und die Gefahr, höhenkrank zu werden, ist gebannt.
Man akklimatisiert sich übrigens immer nur an eine bestimmte Schlafhöhe, also sozusagen stufenweise. Weiter oben beginnt der Akklimatisationsprozess wieder von neuem.
Wichtig: Atemnot bei Anstrengungen, gelegentliche Kopfschmerzen, Beklemmungsgefühle, Schlaflosigkeit oder unregelmäßiges Atmen im Schlaf sind in der Höhe ganz normal und daher keine Anzeichen von Höhenkrankheit.
Höhenkrankheit
Kennzeichen und erste Hilfe bei Höhenkrankheit
Höhenkrankheit ist immer ein Resultat mangelhafter Höhenanpassung. Sie kann stufenlos und manchmal auch sehr rasch von relativ leichten Beschwerden zu lebensbedrohlichen Zuständen führen (Höhenlungenödem, Höhenhirnödem). Die drei sogenannten Leitsymptome sollte jeder kennen:
Höhenkopfschmerz
Drei von vier Höhenbergsteigern leiden gelegentlich darunter. Aber nur wenn zusätzlich noch andere Befindungsstörungen auftreten - vor allem Atemnot in Ruhe, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit, Apathie, Unterhautschwellungen, Schwindelzustände, trockener Husten - besteht Höhenkrankheit.
Gleichgewichtsstörungen
Sobald zu den eben genannten Symptomen auffällige Gleichgewichtsstörungen hinzukommen, besteht akute Lebensgefahr. Sie sind ein untrüglicher Hinweis auf ein sogenanntes Höhenhirnödem. Dieses ist zwar sehr selten, führt aber ohne rasche Gegenmaßnahmen häufig zum Tod.
Plötzlicher Leistungsabfall
Wenn jemand plötzlich sehr langsam wird, ungewohnt oft rasten muss und sich bei diesen Pausen nicht mehr recht erholen kann, ist das ein dringender Hinweis auf ein bevorstehendes oder bereits beginnendes lebensbedrohendes Höhenlungenödem.
Vorsicht: Höhenbedingte Beschwerden werden sehr häufig ignoriert oder verheimlicht!
Man muss sich deshalb vom ersten Höhentag an ständig gegenseitig beobachten. Dabei soll man Folgendes beachten:
- Ändert sich die Stimmungslage eines Tourengefährten?
- Rastet jemand plötzlich auffallend oft?
- Fällt auf, dass jemand beim Rasten oder im Lager ungewohnt still und teilnahmslos wirkt?
- Beobachtet man einen plötzlichen Leistungsabfall oder eine Trittunsicherheit?
Sofortmaßnahme bei Höhenkrankheit
Noch einmal: Auch aus leichten Formen der Höhenkrankheit können sich innerhalb von wenigen Stunden lebensgefährliche Situationen entwickeln. Daher müssen immer sofort und kompromisslos die richtigen Konsequenzen gezogen werden:
Bei leichter Höhenkrankheit
Den Aufstieg nicht fortsetzen, sondern einen Ruhetag einlegen. Ist man am nächsten Morgen noch immer nicht beschwerdefrei, muss in Begleitung abgestiegen werden.
Bei schwerer Höhenkrankheit
Sofort absteigen! Nicht auf Rettung warten - die kommt (wenn überhaupt) fast immer zu spät!
Der rasche Wechsel in tiefere Höhenlagen ist immer die wichtigste Sofortmaßnahme!
Flaschensauerstoff, Medikamente (Aspirin, Ibuprofen, Nifedipin, Dexamethason, Diamox u.a.m.) oder ein Überdrucksack sind unter Umständen wertvolle zusätzliche Hilfen. Dies gilt allerdings nur, wenn man damit umgehen kann. Kompromisslos abzusteigen kann dadurch allerdings niemals ersetzt werden. Man sollte immer mindestens bis zu einer Höhe absteigen, in der ein Betroffener zuletzt beschwerdefrei übernachtet hat. Wann darf wieder aufgestiegen werden? Wenn der Betroffene wieder völlig beschwerdefrei ist, was manchmal schon nach kurzer Zeit der Fall sein kann. Beschwerdefreiheit bedeutet letztlich immer Akklimatisation.
Was wir tun
Was tut Hauser für ein gutes Gelingen?
All die vorangehenden Punkte liegen in Ihrer eigenen Verantwortung. Selbstverständlich versuchen wir, Ihnen unsere Trekking-Reisen auch bezüglich der Akklimatisation so angenehm wie möglich zu machen. Der erste Schritt beginnt bei uns in München mit einer sorgfältigen Routenwahl. So ist es stets unser Ziel, die ersten Tage in der Höhe so geruhsam als möglich zu gestalten, damit Ihr Körper Zeit hat, sich zu akklimatisieren. Auch die Zuhilfenahme einer Begleitmannschaft und der organisierte Gepäcktransport spielen bei der Akklimatisation eine wichtige Rolle. Dank dieses Konzeptes können Sie ohne Stress und mit wenig Gepäck auf die Berge der Welt steigen, wobei Sie Ihr Gehtempo meist selbst bestimmen können. Wir halten unsere Reiseleiter und die örtlichen Begleiter dazu an, dies zu fördern und zu unterstützen. Natürlich gibt es witterungs- und/oder geländebedingte Situationen, die es hin wieder erfordern, dass die Gruppe zusammenbleibt. In diesen Fällen wird natürlich auf die langsameren Teilnehmer Rücksicht genommen. Darüber hinaus ist uns die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Dr. Franz Berghold, der uns und unsere Reiseleiter regelmäßig über den aktuellen Stand der Höhenmedizin unterrichtet, sehr wichtig.
Unsere Reiseleiter führen eine umfangreiche, stets aktuell ausgestattete Trekkingapotheke mit sich. Diese hält für die akute Höhenkrankheit, das Höhenlungenödem und das Höhenhirnödem entsprechende Medikamente bereit. Der Umgang mit diesen Medikamenten wird bei unseren Reiseleiterfortbildungen ständig geschult und aktualisiert, so dass Sie in sicheren Händen sind. Bei Touren, die in große Höhen führen und kein schneller Abtransport in tiefere Lagen möglich ist, wird außerdem ein Überdrucksack (Certec-Bag) mitgeführt.
Noch eine letzte Bitte:
Sollten Sie vor der Entscheidung für oder gegen eine Trekking-Reise in große Höhe stehen, fragen Sie uns. Wir kennen die Situation vor Ort, geben nützliche Tipps und helfen gerne, mit Ihnen gemeinsam die richtige Wahl zu treffen, damit Ihr Urlaub zu einem ungetrübten Erlebnis wird. Dies ist für uns das Allerwichtigste. Aber wenn Sie die beschriebenen Höheninfos beherzigen, haben Sie schon viel für Ihre Sicherheit getan. Denn trotz der ernstzunehmenden Probleme, die aus der Missachtung der Höhentaktik entstehen können, gilt Trekking in den Hochgebirgen dieser Erde bei richtiger Planung und umsichtiger Höhentaktik als eine relativ risikoarme Freizeitsportart. Wer sich intensiver mit dieser Thematik auseinandersetzen möchte, dem empfehlen wir die Lektüre des Buches:
Höhenakklimatisation und Höhenmedizin
Franz Berghold/Wolfgang Schaffert
Demeter-Verlag, Balingen 1997
ISBN 3-92 18 83-69-5
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