Neue Trekkingrouten in Namibia - mit Mulis durch den Fish River Canyon
Thomas Schenker von b&b travel / Hauser exkursionen Schweiz war im Juni 2008 in Namibia
Im Fish River Canyon, einem der bekanntesten Naturwunder Namibias,
neue Facetten erleben - geht das? Klar! Östlich des Nationalparks liegt der Gondwana Canyon Park, ein privates Naturschutzgebiet mit einer Fläche von über 1.120 km2. Privatleute haben vor 13 Jahren ein visionäres Naturschutzprojekt ins Leben gerufen. Sie kauften Farmern Land ab und ließen mehrere tausend Kilometer Wildzäune entfernen, um das Land zu renaturieren. In diesem Gebiet liegt der nordöstliche Teil des Fish River Canyons.
Mit Mulis machen wir uns auf den Weg in den Canyon hinunter. Über ein lang gezogenes Plateau folgen wir Wildwechsel, entdecken Köcherbäume und interessante Gesteinsformationen. Am Canyon-Rand bietet sich ein herrlicher Blick in den Canyon und auf den Fluss. Fast wie eine Fata Morgana mutet das Wasser in der Wüstengegend an. Hier am Aussichtspunkt macht er eine riesige Schleife - Gosseneck genannt, auf Deutsch “Gänsehals".
Die Mulis nehmen in der Zwischenzeit einen kürzeren Weg.
Sie sind vor uns im Camp, das direkt am Fluss auf einer Sandbank liegt. Die Zelte sind bereits aufgebaut, als wir ankommen. So können wir genüsslich baden, während die Begleitmannschaft das Abendessen kocht. Viele von uns ziehen das Nachtlager unter dem Sternenhimmel den Zelten vor. Die Luft ist klar. Langsam wandert das Kreuz des Südens über den Nachthimmel.
Stunden später Morgenlicht über dem Fluss und wir steigen auf zum Canyon-Rand, die Maultiere trotten hinter uns her. Trotz ihrer natürlichen Sturheit haben wie sie schon richtig lieb gewonnen. Sie stammen aus den verschiedensten Regionen Namibias und Südafrikas und wurden in den letzten Jahren mit viel Geduld und Ausdauer zu einem “Team" geformt. Dies war nicht einfach, da die Tiere aus verschiedensten Verhältnissen stammen und manche früher sehr schlecht behandelt wurden. Inzwischen werden auch eigene Tiere gezüchtet, die Parkverwaltung hat einen Eselhengst und Stuten zugekauft.
Der Pfad - wenn es einen gibt,
den meistens bewegen wir uns im weglosen Gelände - führt hinauf zum Canyon-Rand. Die Aussicht hinunter zum Fish River ist überwältigend. Später im Verlauf des Tages machen wir einen Abstecher in einen Seitenarm zu einer Quelle. Dort liegt unter einer ca. 100 m hohen, roten Felswand malerisch ein kleiner See. Unsere Zelte stehen direkt am Canyon-Rand, etwa 400 m über dem Fluss mit Blick in den Canyon. Unten am Wasser sind Bergzebras zu beobachten, die zur Tränke gehen. Wir sind weit und breit alleine, auf dem Grill brutzeln Antilopenfleisch und Gemüse. Als wären wir in einer andern Welt - wenn man bedenkt, dass Namibia gerade zwei Millionen Einwohner hat und dies bei einer doppelten Fläche wie Deutschland! Die meisten Namibier leben außerdem im Norden. Hier im Süden gibt es nur ein paar Nasen pro Quadratkilometer.
Gut 400 km weiter nördlich liegt das Namib Rand-Naturreservat.
Es ist ebenfalls ein privates Naturschutzgebiet, entstanden durch den Aufkauf vieler Farmen. Das Gebiet grenzt an die Namib-Wüste, bekannt durch ihre roten Sanddünen. Wir machen Stopp beim Gästehaus im Osten des Parks. Es bietet ein paar einfache Zimmer mit Energie aus einer Solaranlage. Mit Landcruisern fahren wir nach Westen in die Wüste. Es sieht öde aus, doch das helle Weiß, das von weitem wie Sand wirkt, ist trockenes Gras, das die riesigen Ebenen bedeckt. Wenn es sich in der Abendsonne im Wind wiegt, verbreitet sich eine fast mystische Stimmung. Als wir dann noch ganz in der Nähe zwei Oryx-Antilopen sehen, ist das Bild vollkommen. Die letzten paar hundert Meter zum Camp steigen wir im roten Abendlicht auf. Ständig halten wir und schießen Fotos. Das Camp liegt in einem kleinen Tal unterhalb des Gorasis Peak, unserem nächsten Ziel. Diesmal schlafen wir zwar auch unter den Sternen, aber … auf Feldbetten mit Bettdecken! Noch bequemer geht es kaum. Bis spät in die Nacht sitzen wir beim Abendessen zusammen. Im Morgengrauen weckt man uns mit einer Tasse Kaffee oder Tee - je nach Belieben. Ein gutes Frühstück und wir machen wir uns auf zum Gorasis. Querfeldein führt uns René, unser Guide, zielsicher zum Gipfel auf 1.750 m. Schon der Weg ist die Mühe wert, sehen wir doch unterwegs Gesteinsformationen, welche die Fantasie anregen, und Akazien, Butter- und Köcherbäume und viele uns unbekannte Pflanzen.
René kennt sie alle.
Unglaublich die Aussicht vom Gipfel: ein Rund-um-Blick weit in die Namib. Der Abstieg führt steil hinab in die Ebene, wo wir den mit weißem Gras bedeckten Talboden durchqueren, bevor wir zu den mit Buschwerk durchsetzten, roten Sanddünen gelangen. Eine Oryx, auf einer Düne stehend, glotzt uns erst verwundert an, dann besiegt der Fluchtinstinkt die Neugierde: Sie zieht es vor abzuhauen.
Im Camp zwischen den Dünen stehen jeweils zwei Feldbetten nebeneinander,
daneben ein Wassersack und kleine Tischchen. Das kühle Bier schmeckt, der Tag war anstrengend, aber keiner möchte auch nur eine Etappe missen. Ganz so aufgekratzt wie an den vergangenen Abenden ist die Stimmung heute nicht, denn es ist vorerst die letzte Nacht unter dem Kreuz des Südens.
Bilder
von Thomas Schenker
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