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Reiseberichte  |  Reiseberichte  |  Reisebericht Algerien

Eine Hauser Tour entsteht. …Planet Wüste und Dach des Hoggar

Andrea Bahmann, Spezialistin für Wüsten- und Orientreisen erkundete neue Routen im Februar und August 2008

Algerien

Eigentlich ist dies ein Reisebericht von zwei Reisen nach Algerien. Das Ziel meiner ersten Reise im Februar 2008 war, gemeinsam mit meinem Kollegen Tomi und unserem Partner Seddik ein neues Kameltrekking im südöstlichen Tadrart zu erkunden. Eine weitere sollte schneller als erwartet folgen…

Was ist aus meinem ersten Besuch in der algerischen Sahara geworden?

Eine Faszination für eine Sahara-Region der besonderen Art. Eine Leidenschaft für landschaftliche Schönheiten von größter Vielfalt, für die Tuareg-Kultur und ihren außergewöhnlichen Lebensraum. Das Tadrart ist eine besonders reizvolle Dünen-Fels-Landschaft mit einer großen Dichte an prehistorischen Felsbildern. Die Faszination – nicht nur für das Tadrart, sondern auch das Hoggar Gebirge war so groß, dass die Ideen in meinem Kopf nur so sprudelten. Die neuen Routen entstanden wie von alleine – als eine logische Folgerung des Wunsches, die herrlichen Landschaften noch mehr zu Fuß oder mit dem Kamel zu bereisen. Diese urgewaltigen Naturräume forderten mich geradezu heraus, durchwandert zu werden – was lag näher, als das Herzstück des zweitgrößten Gebirges der Sahara bei einer weiteren Reise zu erkunden? Also reiste ich gleich im August noch einmal nach Algerien um mit einer Hauser Gruppe ein weiteres Trekking umzusetzen: die Durchquerung das Hoggar Massives. Das Ergebnis aus beiden Reisen spiegelt sich im neuen Hauser Katalog: mehr Aktivität, außergewöhnliche Landschaften, Wüste hautnah erleben und je nach Geschmack eher Wüste ´lieblich´ oder eher für den Bergfreund. Felsbilder und Dünen sind natürlich immer dabei!
Aber zurück zu meinen Reiseerlebnissen auf dem Weg ins Tadrart… – sie sind so bunt, wie ein Farbkasten an Impressionen nur sein kann. Nun nehme ich Sie mit auf eine kleine Reise und werde meine Erzählung mit ein paar passenden

  • Zitaten des großen Wüstenwanderers Daniel Popp

anreichern.

Unsere Truppe… (Algerien I)

Tomi, mein Kollege aus der Schweiz und ich waren die ersten Tage unserem Fahrer Al Bashir anvertraut. Er strahlt eine besondere Ruhe, Respekt und Fürsorge aus und kennt jeden abgelegenen Winkel wie die Falten seines kunstvoll gebundenen Tagelmoust (die aus vielen Metern Tuch gebundene Kopfbedeckung der Tuareg). Jeder der Tuareg-Begleiter, die ich kennen gelernt habe, hat eine ganz eigene Persönlichkeit. Humor und Team-Geist sind sehr bald prägend für die gemeinsame Reise.

Im Tassili Hoggar I

Al Bashir führte uns zielsicher nach El Ghessour, wo wir unsere erste Wüstennacht verbrachten. Es war noch nicht mal Halbmond und doch war die Luft so klar und der Lichtschein so stark, dass ich aus meinem Schlafsack heraus immer wieder das Spektakel um mich herum betrachtete. Steil aufragende Felstürme umgaben unseren kleinen Lagerplatz wie die Zinnen einer Zitadelle und warfen sogar nachts Schatten auf den Sandboden.

  • „Jeden Abend bietet ein Hotel, durch das der Wind bläst, mit zwanzigtausend unbelegten Betten seine Gastfreundschaft an. Was ist es für ein Glücksgefühl, sich nach einem langen Tag des Wanderns auszustrecken, nichts mehr zu tun zu haben, sich ganz fallen zu lassen und dabei die Müdigkeit des Tages am Boden abzulegen wie an einer Garderobe. Einige schliefen den Schlaf der Gerechten, andere lauschten mit weit aufgerissenen Augen der Stille des Vollmonds und der Sterne."

Im Tassili Hoggar II

Wir durchquerten das Tassili Hoggar, wo wir weite Sanddünen sahen, aus deren Ebenen vom Wind zernagte, einzeln in der Landschaft stehende Felsgebilde wuchsen. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt… unsere Begleiter nannten sie „Pilze, Kathedralen, Zimmer, Schlösser, Kopf eines Afrikaners, Elefanten, Schildkröten" und jede der Bezeichnungen traf genau das Bild. Bei Tin Akachaker verdichteten sich die Felstürme und krönten hohe Dünen, die uns im Abendlicht die Stimme verschlugen.

  • „Die Unermesslichkeit – wie soll man von weitem die gewaltigen Dimensionen, die Vollkommenheit dieser „Schlösser" aus Sandstein erahnen, die mit Worten nicht zu beschreiben ist? Die Zitadellen reihen sich aneinander, hoch, mächtig, aufgesetzt auf Wandformationen, die das Erdinnere fortzusetzen scheinen."

Dünenmeer Erg Admer

Wie Wogen aus Sand wirkten die Dünen des Erg Admer auf dem Weg nach Djanet. Wir sind umgeben von hohen Sanddünen, die im Abendlicht die Farben gold und orange annehmen. Der Wind lässt den Sand auf den Dünenkanten aufwirbeln und als kleine Fahnen im gleisenden Gegenlicht strahlen – ein ganz unwirkliches Bild, wie von einem Bühnenbildner und Lichttechniker extra für Fotografen inszeniert. Aber nein, es ist nur eines jener außergewöhnlichen Schauspiele der Natur, die man nur in der Wüste erleben kann. Noch konnten wir nicht ahnen, dass die Dünenpracht noch gesteigert wird.

Faszination Tadrart

Im Tadrart, südöstlich von Djanet türmen sich ganze Massive aus Dünenbergen auf und in einem tiefrot, wie ich es selten erlebt habe. Dort treffen wir den Besitzer der Kamele und erkunden mit ihm eine Region voller Kontraste. Zwischen Sandmassen ragen Felsbögen und wildeste Felsformationen aus Sandstein auf. Teils sind die Dünen am Fuße einer steil aufragenden Felswand unten gelb und am Rande zur Felswand von oben her rötlich, eben der Farbe des Fels.

  • „Der Sand ist das Lachen des Steins, der sich unablässig dafür bedankt, sich in so schöner Gesellschaft auflösen zu dürfen."

Ein Freilichtmuseum voller Felsbilder

Kostbarkeiten aus Künstlerhand entdecken wir an Felsüberhängen, auf Bodenplatten und in Höhlen – Menschen in prehistorischer Zeit haben Ihre Welt abgebildet und so sehen wir noch heute viele Jahrtausende Jahre alte Felsmalereien und Gravuren von Rinderherden, Menschen, Löwen, Giraffen. Mich begeistert die Kunstfertigkeit und Ausdruckskraft der einfachen Darstellungen.

Dünen bis zum Horizont

Zum Sonnenuntergang erreichen wir abends hohe Walfischdünen. Sie zu erklimmen kostet ein Wenig Mühe und ganz oben stehen wir wirklich atemlos, aber auch sprachlos vor dem weiten Meer aus endlosen Dünen-Ketten. Seddik erklärt uns, wo Libyen liegt, bis dahin würden wir mit unseren Kamelen vermutlich viele Tage brauchen und doch fast nur Dünen queren.

  • „Die Nacht, das Lager…. Zwischen dem Verschwinden der Sonne und vollständiger Dunkelheit liegen etwa fünfundvierzig Minuten tägliches Farbenwunder…"

Oase Djanet

In Djanet erleben wir eine echte Oasenstadt, geprägt von einem riesigen Palmen-Gürtel und einer gemächlichen Betriebsamkeit. Die Altstadt aus weißen Häuserwürfeln zieht sich den Berghang entlang und unten beim Markt treffen sich Tuareg zum Handel. Ehrwürdig wirken sie auf uns mit ihren langen Gewändern und dem stolz getragenen Tagelmoust, der aus vielen Metern gewickelten Kopfbedeckung, die oft nur noch die Augen frei gibt. Die Frauen hingegen sind nicht verschleiert und tragen bunte Gewänder.

Tuareg-Fest in Tazrouk (Algerien II)

Bunte Gewänder in kräftigsten Farben sehen wir zahlreich beim Tuareg-Fest, das wir im Sommer bei meiner zweiten Reise mit der Hauser-Gruppe in Tazrouk besuchen. Das Fest zu Ehren des dort begrabenen Heiligen ist ein Erlebnis mystischer Hingabe. Monotoner Gesang versetzt die am Boden sitzende Menge beinahe in Trance. Überhaupt hatte es nichts mit bunter Folklore zu tun und schon gar nicht konnte man von einem durchorganisierten Festival sprechen. Aber genau das hatte den Reiz – wir konnten die Fremdartigkeit des Geschehens als Beobachter aufnehmen. Tänzelnd ritten die edelsten Kamele vor singenden Frauen auf und ab, ihre Reiter entsprachen für uns dem Bild der stolzen Ritter der Wüste. Wobei wir am Vortag schon etwas erstaunt waren, als beim Kamelrennen plötzlich zahlreiche Jeeps auf der Rennstrecke miteiferten. Auch hier ist der Kontrast zwischen Tradition und Moderne spürbar.

Mit Kamelen durch das Herz des Hoggar

Dann konnten wir den Aufbruch in das Innere des Hoggar Massives nicht mehr erwarten. Die meisten Algerien-Reisenden, die zum Gipfel des Assekrem fahren, erreichen diese über die am östlichen Hoggar-Rand entlang führende Piste. Das Herzstück jedoch ist nur zu Fuß bzw. mit Kamelen zu durchqueren. Und mittendrin erleben wir eine landschaftliche Vielfalt, die uns überrascht. Karge Hochebenen geben uns das Gefühl, also ob wir traumwandelnd durch eine wilde Mondlandschaft wandern würden, direkt auf der Erdkruste. Dann folgen riesige Felskugeln aus rosa Granit, teils wie aus einem Skulpturen-Garten stammend. Diese Gegend wird von den Tuareg „Taessa N´Adjena" genannt, was so viel heißt wie „Bauch des Himmels".

  • „Vom Auto aus gesehen bleibt die Wüste draußen, wie ein Bild, das man betrachtet. Ohne die Fahrzeuge ist es, als hätten wir durch Zauberei den Rahmen übersprungen und befänden uns nun im Inneren des Werkes selbst. Wandern in der Wüste ist kein Selbstzweck. Nur die natürlichste und einfachste Art, die Wüste unter unseren Schritten Gestalt annehmen zu lassen, um dort Fuß zu fassen."

Tee-Zeremonie

Riesige Tafelberge, erloschene Vulkanschlote und ganze Gebirgsmassive aus unzähligen Basalt-Orgelpfeifen erheben sich aus der Ebene. Zwischen den Tälern und Schluchten entdecken wir Gueltas und Wasserläufe, von rosa Oleander umgeben. Da wir uns mitten im Gebirge befinden, sind solche Wasserstellen gar nicht so selten und immer eine Abwechslung, auch für unsere Kamele. Wasser in der Wüste, das scheint ganz unwirklich und die Fotografen unter uns sind ganz begeistert am Experimentieren mit neuen Motiven. Abends kommen wir immer müde und zufrieden am Lager an. Es beginnt das Ritual von Feuer zubereiten und Tee kochen. Es ist kein bloßes Zubereiten sondern eher eine Zeremonie, die gepflegt wird und an der uns die Tuareg-Mannschaft immer wieder einlädt, teilzunehmen. Dass gerade dieser Tee uns am Lagerfeuer munter hält, verstehen wir erst später. Die gemeinsamen Abende werden gefüllt von Erzählungen und viel Lachen. Über uns das weite Sternenzelt. …Sternschnuppen ziehen ihren Schweif durch den klaren Sahara-Himmel.

  • „Wunderbares Feuer, unerlässlicher Anker der täglichen Rituale des Saharareisenden: essen, aufwärmen, erzählen, erholen. Die Wüste entleert den Menschen seiner selbst, um ihn neu zu füllen mit dem Licht, das den Stein rot leuchten lässt, dem Duft des brennenden Akazienholzes."

Gipfeltag - auf dem Dach des Hoggar!

Sehr früh stehen wir auf und wandern zum Berg Tahat (offiziellen Angaben nach 3.003 m hoch). Der Aufstieg selbst ist anstrengend und steil - ein Teil der Gruppe verbringt statt dessen einen gemütlichen Vormittag mit der Mannschaft und den Kamelen. Alle treffen wir wieder am schönen Camp unterhalb des Tahat.

Aussicht - Fernsicht - Weitsicht!! - Tahat

Wir „Bergler" erreichen den Gipfel bei klarstem Wetter und sehen vor uns noch einmal das ganze Gebirgs-Massiv, das wir in den letzten Tagen durchquert haben. Achmed erklärt uns das Meer aus Gipfeln, allen voran den beeindruckenden Basalt-Dom Ilamane, den heiligen Berg der Touareg. Ihn kann haben wir vor dem Aufstieg quasi umwandert und er ist nur von hier so schön zu sehen. Später vom Assekrem ist er nicht mehr erkennbar. Nach dem Abstieg vom Gipfel haben wir einen gemütlichen Nachmittag am Lagerplatz, direkt unter dem Tahat in spektakulärer Kulisse. Hamid, der Kamelbesitzer widmet sich der Pflege seiner Tiere. Stolz reitet er auf seinem Lieblingstier, dem schönen weißen Mehari.

Trekking bis zum Assekrem

Vielfältig ist auch die folgende Etappe im nördlichen Hoggar-Gebirge, wir kraxeln zu einer Stelle mit Felsmalereien, sehen Wildesel in ganzen Gruppen, staunen über die Schlafplätze der Tiere. Ach ja Tiere! Wir haben im Inneren des Hoggar sogar Mufflons und Gazellen gesehen – so viele habe ich sonst in der Sahara nicht erlebt. Schießlich erreichen wir unser Ziel, den Assekrem und erleben zum Sonnenuntergang wieder einen ganz anderen Blickwinkel auf das Gipfelmeer des Hoggar. Nach dem wie immer sehr schmackhaften Essen feiern wir mit der Mannschaft das Ende unserer Tour und fahren am nächsten Tag zurück nach Tamanrasset.

Was bleibt zu sagen als ein herzliches ´Tenemert´ - vielen Dank an die Kameltreiber, Köche, Fahrer und Führer – einfach an jeden, der auf seine Art zu dieser wunderschönen Reise beigetragen hat! Und an die stolzen, liebenswerten Kamele…

Dank

Danke an Renate Griebl, Teilnehmerin der Hauser Gruppe für Ihre schönen Fotos, auch an Annedore Buhler für das stimmungsvolle Kamelbild am Ende. Teilweise Fotos von Andrea Bahmann.

Aktuelles

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"VomDach des Hoggar zum Dünenmerr Admer".