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Reiseberichte  |  Reiseberichte  |  Reisebericht Husky ABC

Husky ABC

Ein Reisebericht von unserem Kunden Herrn Rolf Krebs. Er berichtet von seinem Erlebnis mit den Huskys in Schweden.

Ankunft im Februar 2008

Als wir landeten, lag Schnee oder Eis auf der Landebahn, aber das schien dem Piloten nichts auszumachen, da mir die Landung vorkam wie eine, wo diese Verhältnisse nicht herrschten. Auf einem Flugzeughangar stand „Arctic Circle"; die letzten Zweifel waren weg, ich bin im hohen Norden angekommen.

Jetzt war es noch eine ca. einstündige Fahrt mit dem Auto in Richtung Gällivare, bevor es dann offroad zur Lodge ging, denn die restlichen 3 Kilometer legten wir sitzend im Anhänger des Motor-Schlittens zurück.
Nach dem ersten Abendessen informierte uns ein Gast, dass am klaren Himmel Polarlichter zu sehen seien. Ich war aufgeregt, da ich noch nie Polarlichter gesehen hatte und schöne Bilder von ihnen machen wollte. Ich war bestimmt 45 Minuten am Schauen und Fotografieren. Nach diesem tollen Naturschauspiel ging es zurück ins Warme und dann auch gleich ins Bett.

Einführung in das Mushen

Nach einer ruhigen Nacht und einem leckeren Frühstück versammelten wir „ABC"-Musher uns im Gemeinschaftsraum, um von Lotti in die Geheimnisse des Mushens eingewiesen zu werden. Zuerst nannte sie uns die 10 Gebote des Mushens: beim Mushing lässt man den Schlitten NIEMALS los!!! Sie erklärte uns auch noch Details zum „Ackja": Festhalten kann man sich am „Handle Bar". Direkt darunter ist die „Brake", ein Metallbügel zwischen den Kufen, den man mit dem Fuß in den Schnee drückt und der so das Gespann bremst. Zum Schluss noch die Befehle zum Starten und Anhalten des Gespanns. Dann wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, da bei unserer ersten Runde jeder von uns einen Schlitten alleine führen würde, ohne Beifahrer im Ackja. Die Streckenlänge wäre ungefähr 10 Kilometer.

Husky-Gebell

Unruhe machte sich in den Zwingern unter den Hunden breit. Sie merkten, dass es bald losgehen würde. Sie bellten, kläfften und jaulten – als ob sie auf sich aufmerksam machen wollten, indem sie „nimm' mich" oder so was ähnliches uns zuriefen. Und natürlich nach dem Motto „je lauter, je besser!". Alle vier Huskys meines Ackjas waren an der Gangline. Da es noch nicht losging, „beschwerten" sich die Huskys an der Leine lautstark, während die anderen im Zwinger nach wie vor den Lautstärkepegel hochhielten. Nur dieses Mal schienen sie zu meinen: „warum habt ihr mich nicht auch noch genommen – ich will auch mal!"

Erste Eindrücke im hohen Norden

Und los – die Startline wurde gelöst, ich rief „Go" – und die Huskys rannten los. Es war traumhaft, hinten auf den Kufen zu stehen und durch die Winterlandschaft zu fahren. Inzwischen war es nun ruhig, da auch die Huskys froh waren, laufen zu können und mit dem Bellen aufgehört hatten.

Wir fuhren am Fuße des Avvakko entlang und passierten neben schönen Passagen auf dem schmalen Trail durch den Wald auch wieder offene Flächen. In der Lodge zurück, wurden die Schlitten und die Gangline gleich wieder mit Schneeankern gesichert. Die Hunde hechelten vor Freude und ich bedankte mich erst einmal bei meinen vier tollen Huskys für die Tour und streichelte sie ausgiebig. Ich schaute mich zu den anderen Mushern um – jeder hatte, genau wie ich, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Was für ein toller Tag.

Snoopy hat keine Kondition mehr…

Am nächsten Morgen war ich früh auf, als es gerade hell wurde. Als ich zurückkehrte, begann der Staff gerade die Hunde zu füttern. Ich fragte, ob ich helfen dürfe. „Kein Problem", war die Antwort. Ich half die gefüllten Näpfe auszuteilen und verteilte ebenfalls noch einige Streicheleinheiten bei der Gelegenheit. Danach war es auch an der Zeit zu frühstücken.

Nun ging es für uns wieder auf den Trail. Dieses Mal waren wir jedoch als Zweier-Teams je Ackja unterwegs und hatten sechs Huskys an der Gangline. Unterwegs würden wir dann die Plätze wechseln. Die zwei Hunde mehr an der Gangline merkte man sehr. Gestern mit vier Hunden wurde der Schlitten schon gut gezogen, heute hatte er noch mehr Power. Nachdem wir einige Zeit am Fuße eines Hügels entlanggefahren waren, kamen wir auch an einen zugefrorenen See, auf dem wir parallel zum Ufer entlang fuhren. Zur Orientierung bzw. Wegmarkierung auf dem Eis waren in regelmäßigen Abständen Stangen gesteckt, die wir passierten. Danach bogen wir ab und es ging durch den Wald und wir mussten manchmal bei Steigungen mitrennen. Mushen macht Spaß, aber man ist auch immer froh, wenn man eine Anhöhe geschafft hat. Kurze Zeit später sahen wir, wie ein am Anfang noch wild herumspringender Husky keine Kräfte mehr hatte. Plötzlich fiel er, ich trat auf die Bremse und brachte das Gespann zum stehen. Lotti kam vorbei, nahm den Husky von der Gangline und nahm ihn zu sich auf das Schneemobil. Zu uns meinte sie nur: „das hätte ich mir ja denken können. Typisch Snoopy. Der wird es auch nicht mehr lernen, seine Kräfte einzuteilen. Der gibt am Anfang immer gleich alles." Wir kamen kurze Zeit später dann wieder in der Lodge an. Eine weitere, schöne Tour war leider zu Ende.

Polarlichter

Nach dem Essen war kein Programm mehr – man konnte also tun, was man mochte. Ich entschied mich für einen gemütlichen Nachmittag auf der Couch, wo ich mein Reisetagebuch komplettieren konnte, andere machten eine Schneeschuh-Tour auf den Avvakko.
Nach dem Abendessen war es dann glücklicherweise wieder soweit: Nordlichter am Himmel. Ich war, wieder mit meiner Foto-Ausrüstung bewaffnet, vor die Lodge gegangen und wartete – und hatte Glück: das grüne Band wurde plötzlich noch breiter, heller und waberte stark. Das Grün ging ins Gelbe über und man konnte auch etwas Rot sehen. Selbst über mir waren Nordlichter zu sehen. Wahnsinn. Nach bestimmt über einer Stunde bin ich dann wieder zur Lodge zurück. Toller Ausklang eines schönen Tages.

30 Kilometer - ein langer Weg

Nach dem Frühstück wurden wir über das Tagesprogramm informiert. Eine längere Tour und jeder Schlitten hätte 7 oder 8 Hunde als Gespann. Startline los, „get up, go!". Den Trail bis zum Fuß des Avvakko kannten wir bereits, doch dann wechselten wir die Richtung und fuhren in unbekanntes Terrain vor. Der Trail führte zuerst durch verschneiten Wald und der Trail ging mal leicht bergauf und dann bergab. Hier bekam man als Musher dann etwas mehr zu tun, da man Gewicht verlagern, mal kurz mitrennen und auch mit der Bremse arbeiten musste. Wir fuhren danach bestimmt drei bis vier Kilometer auf einem See entlang. Am Ufer die typischen skandinavischen Wochenendhäuschen aus rotbemaltem Holz. Am frühen Nachmittag waren wir alle wieder zurück in der Lodge, die Copiloten der letzten Etappe waren, vielleicht wie ich, etwas durchgefroren, aber alle glücklich nach diesem 30 Kilometer Trail. Und es gab – gerade richtig – eine leckere, deftige, warme Suppe.

Tagesausflug in das Eishotel Jukkäsjärvi

Am nächsten Tag stand ein Tagesausflug nach Kiruna und zum Eishotel in Jukkasjärvi an. Bei schönstem Wetter fuhren wir auf der Überlandstraße in Richtung Kiruna, während wir die Tundra-Landschaft genossen: Nadelwälder gespickt mit einigen Seen an den Straßenseiten. In Kiruna schauten spazierten wir durch die Stadt und machten Window-Shopping. In Skandinavien sind alkoholische Getränke nur in besonderen Geschäften erhältlich und je nach Alkoholgehalt auch sehr teuer. Ein Bier mit ca. 5% heißt schon „Starköl" - kein Witz.
Danach fuhren wir weiter nach Jukkasjärvi. Es liegt ca. 10 Kilometer von Kiruna entfernt am Ufer des Flusses „Torne".

Die Ausstattung des Hotels

Das Eishotel wird seit 18 Jahren immer zu Beginn des Winters aufgebaut und besteht nur aus Eis und Schnee. Und mit dem einsetzenden Frühling schmilzt es wieder weg.
Dieses Eishotel hatte 80 Schlafräume, die eine Hälfte waren „normale" Schlafräume nur mit Bett, die andere Hälfte setzte sich aus den Art- und Designer-Suiten zusammen. Hier arbeiten jedes Jahr aufs neue Künstler und Designer an der Innenausstattung dieser Räume.
Man schläft jedoch nicht wirklich direkt auf Schnee und Eis. Es gibt zuerst einen Lattenrost, darauf eine Matratze, dann das Alibi-Rentierfell und darauf dann der warme Schlafsack. Bad und WC gibt es nicht in den Räumen. Hierfür muss man zu einer Seitentür hinausgehen in ein entsprechendes Gebäude. Wenn man also nachts mal muss, es könnte frisch werden.
Natürlich ging es dann noch in die Eisbar. Die Theke aus Eis, die Sitzgelegenheiten aus Schnee und Eis, darüber Rentierfelle. Sogar die Trinkgefäße sind aus geforenem Wasser.

Eisangeln

Heute stand der Tag im Zeichen eines samischen Kulturerlebnisses. Nach dem Frühstück würden wir Eisangeln gehen. Wir wurden zum See gebracht, luden den Anhänger aus und brachten Rentierfelle, Kisten und Eisbohrer auf das Eis. Eisangeln ist ganz einfach: man schaufelt den Schnee vom Eis, dann wird der Eisbohrer angesetzt und mit Muskelkraft durch die Eisdecke getrieben. Das Eis war bestimmt einen halben Meter dick. Anschließend bekamen wir Angeln, an deren Haken wir einen Wurm oder Made befestigten und ließen ihn durch das Eisloch hinunter ins Wasser. Ich legte mich auf das Rentierfell neben meinem Eisloch und fischte. Als die meisten von uns die Angel schon wieder eingepackt hatten, geschah das „Unmögliche" – ein Barsch biss an. Nachdem das Mittagessen mit dem Schneemobil kam, versammelten wir uns alle um das Feuer, welches in der ausgegrabenen Kuhle brannte. Es gab eine warme Suppe, als Nachtisch etwas Kuchen und samischen Kaffee aus geschmolzenen Schnee. Später in der Lodge konnten wir einige Welpen knuddeln.

Der letzte Tag

Der letzte Tag im Snowtrail Dogcamp war angebrochen. Es stand dieses Mal die Tour um den Avvakko an. „Get Up, GO!!!" und los ging's. Um die berüchtigte Eisplatte zu umgehen, fuhren wir am Anfang eine etwas andere Strecke, die gleich etwas auf und ab führte. Aber irgendwie hatten die Hunde heute keinen Pep. Vielleicht dachten sie auch, dass sie heute nicht auf Hochtouren laufen müssen oder so. Mir kamen Lottis Worte am Anfang der Woche wieder in den Sinn, als sie erklärte, dass auch ein Hund mal keine Lust haben kann. Aber gleich alle sechs? So schien es jedenfalls. An den Steigungen hielten sie gerne an, obwohl wir gut mitschoben. Erst ein mehrfaches „GO!" brachte sie dazu, ebenfalls wieder mitzuziehen. Es war dennoch eine schöne Runde. Auch deshalb, weil wir den Großteil der Einführungsrunde in umgekehrter Richtung gefahren sind.

Ausklang eines Tages

Bei unserem letzten Abendessen im Camp gab es etwas ganz Tolles: Spare Ribs vom Rentier. Diese waren im Gegensatz zu den Schweine Ribs doppelt bis dreimal so lang und nicht mit irgendwelchen Soßen bestrichen. Daher war der Geschmack „naturbelassen" und echt lecker. Anschließend hatte die Eisbar am See für uns geöffnet und man konnte gemütlich einen Drink an der Bar oder auf Fellen sitzend am Lagerfeuer unter dem klaren Sternenhimmel genießen.

Fazit

Die Woche ging wirklich zu schnell vorbei. Am Mittag ging mein Flieger zurück. Ich packte meine Sachen, verabschiedete mich von allen auf der Lodge und schon saßen ich und andere Gäste auf dem Hänger des Schneemobils und wurden in Richtung Parkplatz gezogen… Winterwonderland, auf Wiedersehen – es war eine traumhafte Woche.

  • Vielen Dank an Lotti und alle Leute des Snowtrail Dogcamps – es war eine sehr schöne Zeit mit euch, ich habe mich sau-wohl gefühlt.

Rolf Krebs

  • www.schlammreporter.de

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