Der Kilimanjaro - Traumberg und Wirklichkeit
Artur Riedmann war zusammen mit Freunden vom 27. September bis 3. Oktober 2009 am Kilimanjaro unterwegs.
Anreise oder der Weg ist das Ziel …
Wir (Marion, Artur, Gabi, Alex, Ben) fahren schon einige Stunden auf einer Sandpiste von Nairobi nach Loitokitok. Irgendwie gewöhnt man sich sehr schnell an die Bilder.
Vertrocknete Pflanzen, Bäume, Büsche, roter und grauer Sand. Ab und zu auch Giraffen.
Es herrscht große Trockenheit. In einigen Landesteilen schon seit Jahren.
Wir sehen Menschen, die am Straßenrand schwer aufgepackt mit Wasserkanistern unterwegs sind. Wasser, überall fehlt es an Wasser. Dann kommen einem die Gedanken an zu Hause. Wer macht sich da schon Gedanken über das Wasser.
An der Straße wird gebaut. Viele Baumaschinen sind japanischer Bauart und - wie man erfährt - sind überall Inder oder Chinesen beteiligt. Nächstes Jahr soll die Straße fertig sein. Der Jeep fährt in große Schlaglöcher und Vertiefungen. Piste ist fast zuviel gesagt. Es ist eher so etwas wie ein Flussbett mit Untiefen. Und Staub ohne Ende. Wenn es heftig regnet, sind die Orte nicht mehr erreichbar.
Die Armut der Menschen, ist offensichtlich. Überall begegnen einem Menschen, die in armseligen Behausungen leben. Und durch die Trockenheit wächst immer weniger.
Ab und zu gibt es kleine grüne Oasen. Dann ist ein kleiner Bach, auf jeden Fall Wasser im Spiel. Das tut richtig gut. Es ist so anders als Berichte im Fernsehen zu sehen.
Seit einiger Zeit sehen wir unser Ziel. Den Kilimanjaro mit seinem riesigen Massiv. Verschwommen zwar, aber so deutlich, dass man eine Ahnung bekommt von den Ausmaßen. Aus den Wolken blitzt der Gipfel.
Da wollen wir hoch? Wie wird es wohl sein? War die Vorbereitung ausreichend?
Loitokitok ist eine Ansammlung von Häusern und Verschlägen, wie wir sie schon oft am Straßenrand gesehen haben und noch oft sehen werden. Keine befestigten Straßen.
Es wundert einen und ringt Bewunderung ab, wie trotz der Lebensumstände die Menschen hier ihre Würde bewahren. Welche Sorgen haben wir eigentlich in Deutschland?
Wir erreichen verstaubt und etwas müde, aber sehr beeindruckt von der Fahrt, unsere Herberge, ein Guesthouse. Der Empfang ist sehr herzlich. Auch hier ist alles sehr trocken.
Wir genießen frisches kühles Bier, Süßigkeiten und etwas Obst.
Und dann schnell in die Dusche. Weg mit dem Staub. Und dann der Gedanke daran, dass wir uns die nächsten Tage nicht duschen können. Aber als Bergsteiger ist das ja nicht das erste Mal der Fall. Wasser wird es am Berg schon geben.
Es wird bald ernst. Daher packen wir unsere Utensilien in die für die Träger vorgesehenen grünen Baumwollbehälter. Wir sortieren, was hierbleiben muss und was wir in unseren eigenen Rucksäcken mitnehmen. Die Träger tragen maximal 10 kg. Allerdings müssen sie noch ihre eigenen Sachen und unter Umständen auch noch das Eine oder Andere tragen. Was für eine Leistung, die wir später mehr als bewundern werden. Und wir sind 6 Tage unterwegs. Da sollte man sich überlegen, wie viel und was man auf diesen Berg mitnimmt.
Am Abend genießen wir eine ausgiebige Mahlzeit mit Vor- und Nachspeise. Das letzte Bier, soviel ist sicher. So gut wird es uns die nächsten Tage wohl nicht gehen sind unsere Gedanken.
1. Tag
Am nächsten Morgen bringt uns Ben, unser freundlicher Fahrer der Agentur “Kibo Slopes Safaris" aus Nairobi, an die Grenze nach Tanzania. Da er am Vortag bereits alle Ausreiseformalitäten für Kenia hat erledigen können, dauert es hier nur ein paar Minuten. Es ist toll, einen solchen Begleiter zu haben.
In Tanzania fällt uns sofort auf, dass im Unterschied zu Kenia keine Abfälle auf den Straßen liegen. Wir fahren Richtung Nalemoru Gate an der Nordseite des Massivs. Dort beginnt die Rongai-Route, über die wir hochgehen werden. Und man wundert sich wieder. Die letzten Kilometer geht es umgeben von grünen Wäldern auf einer modernen Gebirgsstraße ans Ziel. Wir fahren an einem Chaga-Dorf vorbei und erreichen die Snow Cap Cottages (in 1990 m Höhe). Es ist eine Ansammlung von kleinen und größeren Gästehäusern. Alles ist grün, ein ungewohntes Bild für uns. Man möchte noch einen Tag hier bleiben.
Nun lernen wir “unsere Truppe" kennen. Eine bunt gemischte Gruppe aus Tanzanis und Kenianern, große und kleine. Wir stehen uns gegenüber. Ein eigenartiges Gefühl des gegenseitigen Musterns.
Ken, Inhaber der Cottages, stellt uns die Trägergruppe vor. Und damit ist der “Bann" gebrochen. Ich habe gleich einen guten Eindruck von Edrissa, unserem “Guide". Wir sagen Edi zu ihm. Und unser “Assistent-Guide" nennt sich Hans. Ein junger und aufgeweckter Kerl. Das Gepäck wird gewogen und gleichmäßig auf die Träger verteilt. Wir gehen nach einer Besichtigung und etwas Tee im Haus mit den beiden Führern vor zum Gate. Nach den Formalitäten gibt uns unser Koch noch ein Lunchpaket mit auf den Weg.
Nun beginnen wir den Aufstieg zum Simba Camp auf 2625 m Höhe. Die Führer gehen sehr langsam. “Pole" “Pole", wie man in jedem Buch lesen kann. Wer schnell geht - und ist er noch so fit, hat ziemlich sicher schlechte Karten. Da gibt es viele Beispiele. Wir gehen durch Wald, indem Einheimische Holz holen. Freundliches Lächeln, ein Gruß, wir grüßen. Manchmal wohl auch etwas spöttische und mitleidige Kommentare, die wir aber Gott sei Dank nicht verstehen.
Wer geht schon freiwillig auf so einen Berg? Und warum überhaupt?
Aber wir sind ja auch aus Europa und haben sonst keine Sorgen …
Der Weg geht ein Stück durch dichteren Regenwald. Es ist der grüne Gürtel rund um den Kilimanjaro. Es ist saftig grün. Wir sehen einige Affen, die gelangweilt an Bäumen hängen. Und es gibt Wasser, einen Bach. Wir hören ihn. Nach einigen Stunden erreichen wir das Simba Camp inmitten von Bäumen und Büschen. Unsere Träger haben uns während des Aufstiegs überholt, mit ihren schweren Lasten auf dem Rücken oder dem Kopf. Daher werden wir schon erwartet. Die Zelte sind aufgebaut, unser Gepäck liegt vor dem Zelt und für jeden sind kleine Schüsseln mit Wasser zum Waschen hergerichtet. Und dann lädt der Guide uns ein, baldmöglichst in das Essenszelt zu kommen.
Wir sind mehr als überrascht. Was soll man da sagen?
Alles so perfekt. Und alle Träger sind sehr freundlich und zuvorkommend. Wir bekommen Tee, Kaffee, frisch geröstete Nüsse, Popcorn und unterhalten uns mit unserem Guide über den Tag, Gott und die Welt und was sonst noch. An den Kilimanjaro denken wir im Moment nicht. Der liegt irgendwo vor uns.
Geht es uns gut! Wir richten uns im Zelt ein. Dann geht es los. Wir wollen jeden Tag einige Höhenmeter zusätzlich gehen, der Akklimatisierung wegen. Es ist für uns alle kein Problem. Wir machen ca. 1 Stunde später eine kurze Pause. Der Kilimanjaro ist als großer blauer Umriss zu sehen. Bald wird es dunkel.
Und dann werden wir wieder ins Essenszelt gebeten. Als Vorspeise gibt es eine Gemüsesuppe. Und dann eine große Schüssel mit Kartoffeln, Geflügel in leckerer Soße und Blatt-Spinat. Und als Nachspeise Obst. Und alles schmeckt hervorragend. Und das auf dem Weg zum Kilimanjaro…
Man kann unseren Koch mit seiner weißen Haube nur über alles loben. Wie er das mit einer so einfachen Ausstattung und unter solchen Umständen hinbekommt?
Wenn ich mir überlege, dass ich eigentlich abnehmen wollte …
Und für was habe ich eigentlich soviel Müsli-Spezial-Hightech-Riegel mitgenommen?
Die erste Nacht beginnt und es ist sehr ruhig …
2. Tag
Ich mache noch vor dem Frühstück die ersten Aufnahmen. Es ist frisch, aber nicht wirklich kalt. Der Kilimanjaro und der Mawenzi sind schön und ganz klar zu sehen. Man denkt, das kann nicht schwer sein. Sieht so einfach und nah aus. Ein Trugschluss.
Wir gehen nach einem ausgiebigen und sehr guten Frühstück weiter zur sogenannten Second Cave, dem 2. Lager. Mit uns sind einige andere Gruppen unterwegs und schlagen ihre Zelte auf. Aber es herrscht kein Gedränge, sondern alles verteilt sich.
Dieses Mal steigern sich unsere Jungs. Ich komme am Zelt an und werde gebeten, mich doch auf einem der aufgeklappten Stühle auszuruhen. Komme mir etwas vor wie ein Gutsherr. Oder habe ich so erschöpft ausgesehen? Der Höflichkeit halber setze ich mich.
Uns ging es auch am zweiten Tag gut. Lediglich ich hatte seit einigen Stunden Probleme mit dem Magen. Ich vermute, dass es die Umstellung von Deutschland auf Afrika und zu kaltes Wasser war, das ich getrunken habe. Den anderen geht es gut. Das sollte mir von nun an zu Schaffen machen. Ich aß nicht mehr viel, trank nur noch Tee und Wasser und nahm vorsichtshalber ein starkes Medikament. Trotzdem fühlte ich mich gut und stark.
Auch heute gehen wir wieder ein Stück höher. Kein Kopfschmerz und sonstige Probleme beim Gehen. Es tut gut, sich in dieser einmaligen Natur mit Blick auf den Kili zu bewegen. Und als ich nachts einmal aus dem Zelt stieg, sah ich nicht nur den Berg wie einen Schatten, sondern auch einen unbeschreiblichen Sternenhimmel. Allein dafür lohnt es sich hier unterwegs zu sein.
3. Tag
Der Aufstieg zum Lager 3, zur Third Cave (3935 m), gestaltet sich unproblematisch. Das sind relativ wenige Höhenmeter und ein einfacher Pfad, unterbrochen von einigen felsigen Passagen. Noch gibt es Buschwerk, aber keine größeren Bäume mehr. Höhenkrankheit? Keine Anzeichen! Wir haben keine Kopfschmerzen und schlafen auch nachts relativ gut. Ich glaube, die Vorbereitung in den Alpen mit hohen Bergen und langen Wegen hat doch einiges gebracht.
Wir gehen sehr langsam und daher ist auch unser Puls nicht zu hoch. Die Stimmung ist gut. Beim Höhergehen nach dem Ankommen in Lager 3 erreichen wir den Sattel zwischen Kilimanjaro und Mawenzi. Lavasand, Steine, Staub und einige Büsche und Pflanzen säumen unseren Weg. Aber wir haben einen schönen Blick auf den Kilimanjaro.
Was wird er uns noch abverlangen?
Mir bedeutet die Besteigung schon etwas. Aber nicht alles. Das habe ich mir geschworen, nachdem ich einige Horrorgeschichten gelesen habe. Mein Ziel war, ordentlich rauf und wieder runter zu kommen. Aber nicht in schlechtem Zustand.
4. Tag
Der Aufstieg begann wie gewohnt. Ich hatte kaum noch Magenschmerzen. Aber Essen konnte ich auch noch nicht richtig. Als wir auf dem Sattel Richtung School Hut auf 4720 Metern waren schlug das Wetter um. Oder besser, wir kamen in die Wolken. Überhaupt die Wolken. Es ist die zweite Wolkenschicht. Es sind unbeschreibliche Gefühle, den Horizont anzusehen. Man ist so weit weg von allem. Von der Ebene, der Heimat, in einer anderen Welt.
Es wird kälter. Jetzt ziehen wir uns wärmer an. Die Schritte werden schwerer. Das Atmen fällt auch schwerer. Wir sind bald auf “Mont Blanc-Höhe". Unsere Träger überholen uns wie immer. Was für eine Leistung.
Auf der School Hut, einer Hütte und einem Nebengebäude, ist es kalt. Wir sind das erste Mal in einer festen Unterkunft. Jetzt sind wir am Fuß des Kilimanjaro und es ist plötzlich anders als vorher. Müdigkeit und die Kälte machen uns zu schaffen, auch wenn wir uns gut fühlen. Es ist wohl auch eine gewisse Anspannung vorhanden, was die nächsten Stunden und der nächste Tag bringen werden.
In der Hütte trinken wir viel Tee und Essen so gut es geht. Wir haben aber im Vergleich zu den Tagen vorher wenig Hunger. Selbst Alex, unser Weltmeister im Essen, hat keinen großen Appetit. Die Kälte lässt keine Gemütlichkeit aufkommen. Die Hütte ist nicht beheizt. Wie auch. Selbst das Wasser muss hierher hoch getragen werden. Es gibt kein Wasser in dieser Höhe und Gegend.
Wir werden um ca. 22.30 Uhr geweckt. Das heißt, wir haben 3 bis 4 Stunden zum Ausruhen. Auf den Lagern kann keiner von uns Schlafen. Wir ziehen alles an was geht, um uns zu Wärmen. Und füllen noch warmes Wasser in unsere Flaschen und nützen diese als eine Art Wärmflasche. Wir wollen endlich losgehen und es wissen.
Ich denke daran, warum ich hier bin. Warum gehe ich überhaupt in die Berge? Aber nicht einen Tag, den ich hier erlebt habe, möchte ich missen.
Kurz vor 22.30 Uhr kommt Edi. Aber wir sind schon wach und stehen zum Abmarsch bereit. Alles ist griffbereit: Mütze, Handschuhe, Stirnlampe. Alles ist gepackt. Wir trinken nur noch warmen Tee.
Es werden wenige Worte gewechselt. Die Stimmung ist gut, aber doch gespannt.
23.00 Uhr: Aufbruch!
Endlich geht es los. Wir sind von unserer Seite aus die Einzigen die losgehen. Es ist dunkle Nacht. Nachdem wir uns aber daran gewöhnt haben, sehen wir in der sternenklaren Nacht den Weg deutlich und können teilweise auch ohne Licht gehen. Hans geht voraus, Edi hinter uns. Ganz langsam gehen wir höher. Wir haben keine Probleme, keinen Kopfschmerz. Keine Anzeichen einer Höhenkrankheit.
5. Tag
Nach ungefähr 1 Stunde treffen wir auf den Weg (4950 m), der von der Kibo Hut heraufführt. Alex muss aufgeben. Er hat Probleme mit seinem Knie. Es geht einfach nicht mehr. Obwohl es die Tage vorher keine Anzeichen gab. Er geht mit Edi zurück auf die School Hut. Hans geht mit uns weiter.
Wir sehen die Stirnlampen der Gruppen, die von der Kibo Hut kommen. Es sind Unzählige. Das sind die Massen, die in den Berichten immer beschrieben werden. Ist nicht mein Ding. Aber das ist hier so. Wir wollen auf den Gipfel. Und nicht nur wir.
Nun ist unsere kleine Gruppe eine der vielen Gruppen, die eine Lichterkette zum Gipfel bilden. Wir gehen langsam, aber ständig. Nur kurze Pausen zum Trinken und etwas Verschnaufen. Es geht oft direkt und steil über den Aschesand auf einem kaum ausgetretenen Pfad hoch. Wir gehen Stunde um Stunde. Ab und zu überholen wir dunkle Gestalten, die erschöpft am Wegrand liegen.
Die Lichter bewegen sich kaum.
Ich sehe auf die Uhr. Wie lange dauert das noch? Es sind doch nur ca. 900 Höhenmeter zum Gillman's Point (5681 m). Um ca. 5 Uhr morgens frage ich Hans, wieweit es noch ist.
Die Antwort: Ca. 1 ½ Stunden. Wir sind auf ca. 5400 m. Ich kann es nicht fassen. In einer Stunde 100 Höhenmeter geschafft! Ob das an dieser Stelle genau einzuschätzen war, weiß ich nicht. Man sieht nur einige kleine Felsen und die Asche auf dem Weg. Und die Lichter oberhalb.
Ich habe keine Kopfschmerzen. Ich kann auch gut atmen. Die Beine, mein kaputtes Knie, alles kein Problem. Aber seit einer Stunde werde ich immer müder. Ich fühle mich unendlich müde und schwach. Und dann sage ich zu Hans: “Es geht nicht mehr. Ich möchte umdrehen." Hans versucht, mich umzustimmen. Aber dieser Entschluss kam ohne vorheriges Abwägen und Nachdenken. Irgendetwas in mir hat bestimmt, dass ich umdrehe. So was habe ich vorher nie erlebt. Und es war keine Traurigkeit dabei, nicht den Gipfel zu erreichen. Marion als letztes verbliebenes Mitglied unserer Gruppe hatte damit kein Problem.
Hans war enttäuscht, was man ihm anmerkte. Er sagte während des Abstiegs kaum ein Wort. Er hätte uns so gern zum Gipfel geführt. Wir “fuhren" meistens direkt über das Aschefeld ab. Das war in der Dunkelheit ziemlich anstrengend und man musste aufpassen auf die Steine, die in der Asche lagen. Aber ich hatte ja noch genügend Kraft.
Hatten mir meine Magenschmerzen den Gipfel gekostet? Ich habe 3 Tage fast nichts gegessen. Wie auch immer. Ich wusste vorher auch, dass für den Abstieg vom Gipfel 2000 Höhemeter geplant waren. Wir wollten direkt zur Horombo Hut. Und das nach dem Gipfelanstieg und den wenigen Stunden Ruhe am Tag vorher. Und ich hatte mir geschworen, heil und ohne Probleme wieder herunter zu kommen.
Umkehren ist immer schwieriger als weitergehen. Bei all dem Aufwand und der Anstrengung. Und trotzdem bereue ich diese Entscheidung bis heute nicht. Auf dem Weg herunter sahen wir “halbtote" Bergsteiger. Man kann es nicht anders ausdrücken. Und manche wurden an einer Leine von ihren Guides geführt. Alle paar Meter hatte sich jemand übergeben.
Da ist die andere Seite des Kilimanjaro-Tourismus. Den Gipfel besteigen unter allen Umständen. Wer war von all denen, die hoch möchten, jemals auf einem Drei- oder Viertausender?
Als die Sonne aufging, hatten wir einen gigantischen Blick auf den gegenüberliegenden Mawenzi.
Wir warteten einige Zeit auf der Kibo Hut
und stiegen dann den langen und staubigen Weg über den Kibo Sattel zur Horombo Hut (3720 m) ab. Dort wollten wir Edi, Alex und die Mannschaft treffen. Nach zwei Stunden waren wir alle wieder vereint. Nach einer Pause mit Tee und etwas Essen stiegen wir weiter ab zur Mandara Hut. Edi und Hans wollten näher am Gate sein, um am nächsten Tag nicht so weit gehen zu müssen. Wir waren damit “einverstanden", nachdem die Träger schon voraus gegangen waren. Es bedeutete, dass wir an einem Tag insgesamt fast 2800 m bergab gestiegen und über 25 km gelaufen sind.
Aber wir hatten trotz des verpassten Gipfels eine gute Stimmung und es ging uns gut. Der Abstieg führte uns in eine grüne Zone mit vielen Blumen und Pflanzen. Lobelien, Senecien, Feuerlilien, Baumheide und Strohblumen begleiteten uns. Und es gab plötzlich wieder Wasser, kleine Bäche. Uns begegneten sehr viele Gipfelaspiranten, die über die Marangu-Route hochkamen. Und unzählige Träger mit schwerem Gepäck.
An einer Stelle, nicht weit von der Horombo Hut, blieb Edi, unser Guide, stehen und warf ein paar grüne Pflanzen auf einen Stein. Er erzählte uns, dass das die Stelle war, wo vor drei Jahren zwei Träger an Erschöpfung starben. Etwas bedrückt gingen wir weiter. Wir dachten an unsere Träger.
6. Tag
Der Abstieg zum Marangu Gate auf 1860 m war in wenigen Stunden zu bewältigen. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns offiziell von unseren Trägern, auch wenn wir diese später am Gate noch einmal sahen und uns ein zweites Mal verabschiedeten. Sie erhielten Lohn und Trinkgelder und wir drückten jedem fest die Hand. Es war sehr berührend, als sie für uns lautstark im Chor ein Abschiedslied sangen. Wir hatten jeden von Ihnen schätzen gelernt. Ihnen gebührt unsere Achtung und unser Respekt.
Der Weg führte uns in den Regenwald, der ein faszinierender Abschluss unserer Tour war. Große, verwachsene Bäume und grün, wo man hinsah. Viele Blumen und Wasser in kleinen Bächen.
Das Marangu Gate bedeutete das Ende unserer Tour auf den Kilimanjaro. Wir wurden pünktlich abgeholt und fuhren mit dem Jeep um den Kilimanjaro herum wieder zurück nach Loitokitok. Aber zuvor verabschiedeten wir uns von Edrissa, unserem Führer, und von Hans, unserem Assistent Guide. Edrissa hat uns sehr beeindruckt durch seine ruhige und vertrauensvolle Art und seine Persönlichkeit. Wir werden ihn nie vergessen. Und Hans bleibt uns immer als dynamischer und aufgeweckter junger Mann in Erinnerung, der seinen Weg machen wird.
Und eines steht für uns auch fest:
Afrika sieht uns wieder. Und wenn es irgendwie geht auch mit Hauser auf den Kilimanjaro. Uns hat der Virus “Afrika" angesteckt …
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