Neuseeland…
…ein Reisebericht von unserem Mitarbeiter Willi Tauscher den es 2008 wieder nach Neuseeland zog
Februar 2008
Auf dem Pacific Coast Highway ist die Hölle los. Es regnet aus Kübeln, Windgeschwindigkeiten von 90 km und mehr lassen eine Fahrtgeschwindigkeit von maximal 50 km/h zu. Nun tropft es auch noch durch die Dachluke des Wohnmobils auf die Bettpolster. Die kommende Nacht wird also mehr feucht als fröhlich. Nach sieben Reisen habe ich mir eine kaum besuchte Gegend auf der Nordinsel, das sehr ursprüngliche Ostkap ausgesucht. Bei Opotiki hat der Spuk endlich ein Ende, die Sonne taucht die Strände an der Bay of Plenty in weiches Licht. Schon die berühmte neuseeländische Schriftstellerin mit Maori-Blut in den Adern, Keri Hulme, hat in ihrem Roman “Unter dem Tagmond" und in der Erzählung “Der Windesser" diese Stimmung beschrieben.
Die Fahrt zum Te Urewera-Nationalpark
Nach weiteren 300 Kilometer vorbei an kleinen Maori-Siedlungen mit geschnitzten Versammlungshäusern ist Gisborne erreicht. 1769 segelte Kapitän James Cook in die Poverty Bay und landete am 8. Oktober an der Mündung des Turanganui-Flusses. Nun sind es noch ca. drei Stunden Fahrt, davon 60 km auf abenteuerlicher Schotterpiste, in den Te Urewera-Nationalpark, dem größten Naturwald der Nordinsel.
Geschichte
Dieses Gebiet ist die Heimat des Stammes der Ngai Tuhoe, der “Kinder des Nebels". Als europäische Siedler in Aotearoa (Neuseeland) ankamen, fühlten sich die Tuhoe aufgrund ihres Abgeschiedenheit weniger bedroht als andere Volksgruppen. Schließlich wurde die Gegend zu einem Zufluchtsort des berühmten Maori Guerilla-Anführer Te Kooti. Die letzten Schlachten zwischen Maori und Pakeha (Europäer) fanden 1872 in Te Urewera statt. Am 31. Juli 2008 traten die Tuhoe in Verhandlungen mit der neuseeländischen Regierung. Die Forderung: Autonomie über ihr Land. Sie sind die einzigen, die das Abkommen von Waitangi 1840 nie unterzeichnet haben.
Wandertour
Ich packe meinen Rucksack für eine viertägige Wandertour auf dem 46 Kilometer langen Lake Waikaremoana Track, einen der berühmten “Great Walks" Neuseelands. In der Sprache der Maori bedeutet Waikaremoana “See der kleinen Wellen". Einer Legende zufolge entstand das Gewässer, als das Stammesoberhaupt Maahu-Tapoa-Nui nach einem Streit versuchte, seine ungehorsame Tochter zu ertränken.
Vielfältigkeit der Landschaft
Nach einer kurzen Bootsfahrt zum Startpunkt an der Hängebrücke - ich habe an der Brücke über 100 schwarze Schwäne im See gezählt - geht es vorbei an riesigen Buchen und Rimus, wild wachsenden Farnen und Moosfeldern, entlang des Lake Waikaremoana, zur Waiharuru-Hütte. Die Landschaft erinnert an die Südsee wegen des weißen Sandstrandes durchsetzt mit üppigen Baumfarnen. Nach einem kühlen Bad wandere ich am folgenden Tag fast immer am See entlang in ca. sechs Stunden zur malerisch gelegenen Waiopaoa-Hütte. Wenige Kilometer vor der Hütte zweigt ein Weg zu den Korokoro-Wasserfällen ab. Doch nicht nur die Fälle lohnen den Abstecher von ca. zwei Stunden, hier kann man eine Vielzahl an Vögeln hören und auch sehen: Fantail, Ringeltaube, Bellbird und Tui.
Waikaremoana-See
Nach dem Morgenbad beginnt Tags darauf der schweißtreibende Aufstieg auf die Panekiri Range. Irgendwie eine unheimliche Stimmung. Die Silberbuchen schwer behangen mit Moos und Flechten und dieser eigenartige Lichteinfall, man glaubt in einem Zaubwald zu sein. Nach ca. fünf Stunden Aufstieg ist die Panekiri-Hütte erreicht und ich genieße den Blick über den gesamten Waikaremoana-See. Ein atemberaubender Sonnenaufgang läutet den letzten Wandertag ein. Zunächst geht es auf einem langen Bergrücken immer wieder auf und ab, bevor nach zwei Stunden die Klippen von Panekiri erreicht werden. Hier geht es 600 m senkrecht zum See hinunter und man sollte nicht zu nahe an den Klippen stehen, zumal hier immer ein starker Wind herrscht. In der nächsten Stunde wandert man immer wieder an tollen Aussichtspunkten vorbei, bevor man nach einem gut einstündigen Abstieg den Endpunkt am See erreicht.
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