Reisebericht Oman 08.-21.11.2008
Ein faszinierendes Land zwischen Tradition und Moderne
Muscat
Wir stehen vor der Sultan Quaboos Moschee in Muscat, der einzigen Moschee im Oman, die man auch als Nichtgläubiger betreten darf. Doch bevor ein strenger Wächter uns einlässt, müssen wir uns - nur die Frauen - komplett verhüllen und das bei fast 30 Grad. Es dürfen weder Haare noch Arm- oder Fußknöchel zu sehen sein. Also werden Tücher, Jacken und Socken ausgepackt. So “verkleidet", lässt man uns passieren. Wir wandeln über glänzenden Marmor und unter schattigen Arkaden bis zur gigantischen Gebetshalle. Diese ist mit einem ca. 4.000 m² großen handgewebten Teppich ausgelegt und wird von einem gewaltigen Kristalllüster aus Swarowksi-Steinen beleuchtet.
Auf der Fahrt durch Muscat staunen wir über die prächtigen palmen- und blumengesäumten Straßen. Die Stadt ist umgeben von Wüste, doch Sultan Qaboos hat Sinn für Ästhetik, denn er lässt alle Grünanlagen künstlich bewässern. Auch gibt es keine Wolkenkratzer wie in Dubai, dafür moderne arabische Architektur, wohin man schaut.
Weihrauch
Im farbenfrohen Souk von Mutrah erfahren wir von unserem Reiseleiter Jochen viel Wissenswertes über den omanischen Weihrauch. Danach schlendern wir durch den Markt: Gewürze, Silberschmuck, feine Stoffe und bunte Pashmina-Schals - ich bin fasziniert.
Hajar-Gebirge
So interessant Muscat ist, freuen wir uns auf die ersten Wanderungen. Mit drei vollgepackten Allradfahrzeugen geht die Fahrt Richtung Hajar-Gebirge. Aber kaum haben wir die Stadt verlassen, verliert der Jeep vor uns ein Zelt und einen Klappstuhl, da die Verschnürung auf dem Dach nicht optimal war. Wir sammeln alles wieder ein, es muss neu gepackt werden.
Abends kochen wir und sitzen am Lagerfeuer unter einem unglaublichen Sternenhimmel. Als der Vollmond aufgeht, ist es so hell, dass wir nicht einmal eine Stirnlampe brauchen, um zu unseren Zelten zu finden.
Trekking
Der Trekking-Tourismus steckt im Oman noch in den Kinderschuhen, so dass die Erfahrung der Omanis mit Wander- und Zelttouren entsprechend gering ist. Unsere Fahrer Mohamed, Nadji und Sultan gleichen ihre Unerfahrenheit aber mit großer Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft mehr als aus.
Es gibt immerhin einige Wanderwege, die bereits markiert sind. Jedoch sind diese Markierungen nicht immer gut sichtbar. So verlaufen wir uns auf unserem ersten langen Trekking auch gleich und benötigen mehr Zeit für die Tour als geplant.
Wanderung
Wir beginnen die Wanderung auf dem E35 morgens auf ca. 2.000 Meter Höhe und haben eine grandiose Gebirgslandschaft vor uns. Tiefe Canyoneinschnitte müssen umgangen werden und wir laufen in dem kahlen felsigen Gelände stundenlang, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Nach der Mittagspause sehen wir ganz in der Ferne die Oase Wadi Bani Khalid und merken, dass wir noch einige Stunden Weg vor uns haben. Am Spätnachmittag, als die Sonne schon tief steht und wir wieder mal unsere Wegmarkierung suchen, begegnen wir einigen Eselstreibern, die vom Berg runter zu ihrem Dorf laufen. Jochen kann sie überreden, uns den Weg hinunter zu führen.
Obwohl wir keine Pausen mehr einlegen, kommen wir erst lange nach Einbruch der Dunkelheit im Wadi an und bedanken uns ganz herzlich bei den Eselshirten.
Wahiba Sands
Unsere Fahrer warten schon lange auf uns. Vor der Fahrt in die Wüste müssen sie Luft aus den Reifen lassen. Nach ca. 40 km durch die Wahiba Sands erreichen wir spät nachts das 1.000 Nights Camp und beziehen Beduinenzelte. Jedes Zelt ist mit zwei großen Betten, Sitzecke und einer Nasszelle ausgestattet, so viel Luxus hätte ich nicht erwartet!
Nach einem reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen sind wir gerüstet für unseren Ritt auf den “Wüstenschiffen". Mein Kamel heißt Farha und ist sehr gefräßig. Bei jedem noch so kleinen Graßbüschel will es Halt machen um zu fressen, doch unser Kamelführer Said ist sehr streng mit ihm. Ich finde es total entspannend auf dem Kamelrücken durch die Wüste zu schaukeln und die Gedanken einfach schweifen zu lassen. So weit das Auge blickt, ziehen sich die sanften Hügel der Sanddünen, deren Farbenspiel von beige-gelb bis tiefocker reicht.
Mittagessen
Mittags machen wir Rast unter dem einzigen Baum weit und breit und sind froh um ein bisschen Schatten. Vom Camp kommt ein Jeep und wir werden mit einem arabischen Büffet verwöhnt. Es werden Teppiche ausgelegt, darauf kommen kleine Tischchen und Kissen - wir lassen uns den Reis mit Kardamom und Rosinen, den Fischeintopf und die gebratenen Hähnchenteile schmecken. Zum Nachtisch gibt es Obst. Omani Tea, ein Thymiantee mit viel Zucker, rundet das Mahl ab. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen besteigen wir dann wieder unsere Kamele und machen uns auf den Rückweg.
Letzte Abend in der Wüste
Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang kommen wir oberhalb unseres Camps zu einer hohen Sanddüne. Das Farbenspiel von Orangerot bis lila ist einfach kitschig-schön. Als die Sonne weg ist , laufen wir barfuss im warmen Sand die Düne runter.
Abends werden wir mit einem üppigen Barbequeue überrascht. Wir sitzen auf großen Kissen in dem kleinen Restaurant unter freiem Himmel und genießen unseren letzten Abend in der Wüste. Köstliche omanische Datteln versüßen uns den Abschied.
Nizwa
In Nizwa, der ehemaligen Silberhauptstadt des Omans, besichtigen wir das sehr schön renovierte Fort und haben vom Wehrturm aus einen fantastischen Blick über die Stadt und die angrenzenden Dattelhaine bis zum nahen Gebirge - eine Farborgie aus Blau-, Gold- sowie allen erdenklichen Grün-, Ocker- und Brauntönen. Über dem Grün der Dattelpalmwipfel dieser Oase erheben sich der mächtige Turm der befestigten Burg und die blau-goldenleuchtende Kuppel der Qaboos-Moschee.
Beim Besuch der Al Hoota Höhle mache ich eine sehr einprägsame Erfahrung im Hinblick auf das Fotografieren. Ich wusste schon, dass sich die Frauen im Oman meistens nicht fotografieren lassen und sehr scheu reagieren. Wir warten gerade auf unsere Führung und haben noch ein wenig Zeit, das Museum zu besuchen. Da kommt eine ganze Horde Mädchen mit Schuluniform (weiße Kopftücher und langer schwarzer Mantel) so im Alter von ca. 15 Jahren herein, grüßen mich und kichern, weil ich auf arabisch antworte. Alle Mädels haben Handy oder Digicam dabei und eines fragt mich dann, ob sie wohl ein Foto mit mir machen darf. Ich habe nichts dagegen und plötzlich wollen alle anderen sich auch mit mir fotografieren lassen. Ich finde es witzig, auf einmal selbst zum “touristischen" Fotoobjekt zu werden.
Jebel Shams
In Serpentinen geht die Fahrt hinauf auf ein Plateau, wo sich unser Camp zum Jebel Shams befindet, dem mit 2.997 m höchsten Berg der arabischen Halbinsel. Eigentlich hatten wir uns auf eine frostige Zeltübernachtung in 2.000 Meter Höhe eingestellt, doch zu unserer Überraschung dürfen wir die ganz neuen Bungalows beziehen, welche mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet sind.
Um 6.00 Uhr am nächsten Morgen gibt es Frühstück und wir packen unsere Brotzeit für den langen Aufstieg auf den Jebel Shams ein. Die Sonne ist erst aufgegangen und es ist kühl, als wir aufbrechen. Nach einigem Auf und Ab führt der Weg über Geröll und Felsen stetig nach oben. Es wird langsam warm, wir genießen eine wunderbare Fernsicht.
Grand Canyon
Der Blick hinunter in den Grand Canyon Omans, die ca. 1.000 Meter tiefe Wadi Nakhar-Schlucht, ist atemberaubend. Es wird Mittagszeit und wir sind immer noch ca. 30 Höhenmeter vom eigentlichen Gipfel entfernt, doch für diese Wegstrecke würden wir noch etwa 1 ½ Stunden benötigen. So beschließen wir schweren Herzens, jetzt Mittagsrast zu machen und dann umzukehren, da wir ansonsten bei Dunkelheit unten ankommen würden.
Jebel Akhdar
Den letzten Wandertag verbringen wir auf dem Jebel Akhdar. Der Anblick der sattgrünen Terrassenfelder ist ungewohnt in der sonst sehr kargen Landschaft. Hier oben wachsen u.a. Trauben, Pfirsiche, Granatäpfel oder auch Rosen und ich fühle mich wie in einem kleinen Paradiesgarten. Wir wandern zum Teil entlang der Bewässerungsgräben und durch kleine malerische Bergdörfer.
Abschied
Ein wenig wehmütig nehmen wir Abschied vom Hajargebirge und fahren auf der Autobahn zurück nach Muscat. Dort erwartet und am Abend ein köstliches Abschiedsessen mit arabischen Spezialitäten in einem libanesischen Restaurant. Wir lassen den Abend am langen Sandstrand von Muscat ausklingen. Viel zu schnell sind diese Tage doch vergangen!
Ein Reisebericht von unserer Hauser Mitarbeiterin Hanne Körger
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