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Hütten-Trekking durch die Transsilvanischen Alpen

von unserer Reiseteilnehmerin Eva-Maria Farin 

Ankunft in Siebenbürgen

Der Zug war pünktlich! Unliterarisch aber ordnungsgemäß entlässt er unsere Gruppe in den frühen Morgenstunden in der Nähe von Hermannstadt mitten in Siebenbürgen. Hier steht ein Bus bereit, der uns unter das Dach der rumänischen Agentur und zu einem üppig gedeckten Frühstückstisch bringt. Bei strahlendem Sonnenschein und ebensolchen Gesichtern weckt es unsere Lebensgeister nach der 26-stündigen Anreise rasch und auch die Neugierde auf Land und Leute.

Erste Erkundungen in Hermannstadt

Von unserem Hotel am Stadtrand aus ist das Zentrum gut zu Fuß zu erreichen. In bestem Deutsch und sehr kundig und engagiert führt uns Radu durch die Straßen der alten siebenbürgischen Stadt mit bewegter Geschichte. Heute zählt sie zum Weltkulturerbe. Nach dem Abendessen in einem urigen Kellerlokal komme ich mir vor wie eine Stopfgans. Denn das Vier-Gänge-Menü ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch gehaltvoll - und für mich sogar vegetarisch! Die Überfülle muss ich mir dann auf dem Weg ins Hotel abrennen, wo ich bald schon nach den sprichwörtlichen tausend Schritten auch die Ruhe pflege.

Abmarsch von der Deutschen Wiese

Nach einem reichlichen Frühstück packen wir die Tourenrucksäcke. Aber nur mit dem Notwendigsten. So gerüstet fahren wir fast eine Stunde per Minibus Richtung Fogarascher Gebirge. An der Deutschen Wiese machen wir uns abmarschbereit, immer unterstützt von Bergführer Mircea und seiner “rechten Hand" Coco. Beide sind mir auf Anhieb sympathisch und ergänzten sich in Temperament, Können, Kenntnissen und Hilfsbereitschaft einfach großartig. Bereits nach wenigen Höhenmetern scheiden sich die Geher von den Erzählern und nach einem Abzweig gibt uns Mircea Freilauf bis zur Hütte. In zweieinhalb Stunden, statt der veranschlagten drei bis vier, schaffen wir die 850 Höhenmeter und erreichen die nette Barcaciu-Hütte, wo wir nur wenige Menschen, dafür aber einige Esel, auch ein niedliches Fohlen, freilaufende Hühner, Küken und einige Hunde treffen.

Hüttenerlebnisse

Wir essen im Freien bei bester Sicht aufs Tiefland köstliche fangfrische Forellen, die einem Fünf-Sterne-Koch alle Ehre gemacht hätten, und schlafen später dicht an dicht mit 16 Leuten in einem Raum. Die Geräuschkulisse ist gigantisch. Das änderte sich aber am nächsten Abend nach einer wunderschönen, ausgiebigen Wanderung und dem Lagerfeuer, dessen Hitze wir mit reichlich Bier bekämpfen. Auf einer weiteren Hütte erwartet uns statt der angekündigten heißen Duschen gleich gar kein Wasser, so dass auch die Toiletten nicht benutzbar sind. Stattdessen gibt es nur zwei “Plumpsklos". Wir stehen das zwar nicht klaglos aber doch durch und starten eine weitere Tagestour bei leider nebligem Wetter. Dafür erobern wir zwei Gipfel und erreichen nach achteinhalb Stunden wieder die Hütte, die immer noch ohne Wasser ist. Also wandern wir weiter zu einer Quelle, um dort den Schweiß des Auf- und Abstiegs von 1.100 m abzuwaschen. Um die nächste Hütte mit garantiert heißer Dusche zu erreichen, laufen wir circa neun Stunden in stetem Auf und Ab mit unserem gesamten Gepäck und werden nicht enttäuscht. Obwohl die Hütte per Auto zu erreichen ist und uns der Trubel erst mal entsetzt, genießen wir das gepflegte Ambiente und das köstliche Essen.

Missgeschick beim Wandern

Am anderen Morgen vernebeln Wolken den steilen Aufstieg, der uns trotz der Kühle nicht frösteln lässt. Das tun wir dann an einer Kraxelstelle, die “Drei-Schritte-vom-Tod" heißt, aber gut verkabelt ist. Immer wieder sichten wir große Schafherden, müssen auf dem Weg zur Podragu-Hütte auch mitten durch eine hindurch. Zum Glück hält der Schäfer seine Hunde zurück, die es auch mit Wölfen und Bären aufnehmen! Beim Spaziergang durch die zauberhafte Seenlandschaft um die Hütte stoße ich so heftig gegen einen Stein, dass mein Zehennagel nur noch in den “Seilen" hängt, d.h.
kaum noch im Nagelbett! Nach dem ersten Schock fixiere ich das gute Stück an seinem angestammten Platz und bin froh, dass ich am anderen Morgen fast schmerzfrei mitwandern kann, denn nun kommt der Gipfel!

Gipfelfreuden

Auf der längsten Trekking-Etappe im Fogarascher Gebirge erwandern wir auf einer Kammlinie eine Serie von sechs bis sieben Gipfeln, darunter auch den höchsten Berg der rumänischen Karpaten, den 2.544 m hohen Moldoveanu, den wir nach einem steilen Anstieg erreichen. Das Ereignis begießen wir gebührend - Dank Coco, der für hochprozentige, flüssige Nahrung gesorgt bzw. sie bis hier oben mitgeschleppt hat!

Abstieg zur Hütte

Der steile, steinige Abstieg lässt selbst mich achtsam laufen, dafür kann ich später vom Kamm des Sambata-Fensters aus die über 1.000 m bis zur Hütte hinunter rennen! Ich hole sogar Karl, unseren Vorläufer, noch ein und fühle mich prima. Alles passt: der Weg, das Wetter, meine Kondition und selbst mein Zeh meldet sich nicht! Dafür der Durst. In der Hütte muss ich erst einmal tanken! Dabei werden wir von einem niedlichen Eselbaby beobachtet, das wiederum von seiner wachsamen Mutter beäugt wird. Auch eine hübsche Katze schleicht herum, eine andere liegt strategisch günstig gleich an der Treppe. Dabei ist die leider ziemlich schäbige Hütte nur knapp einer Katastrophe entgangen: Ein riesiger Erdrutsch kam kurz vor der hinteren Mauer zum Stehen! Der Anblick lässt uns schaudern. Aber zum Glück ist es augenblicklich trocken und somit besteht keine weitere Gefahr. Essen gibt es sehr, sehr spät und erst durch Mithilfe unserer Begleiter! Es ist ganz einfach nur köstlich! Die Nacht ist ruhig und erholsam, weil die Zimmer nach Mädels und Jungs getrennt verteilt sind.

Heiße Duschen im Strandbad

Nach dem Abstieg durch den Wald erreichen wir das Kloster Sambata, besichtigen die hübsche Anlage und fahren nach dem reichlichen und guten Essen in ein Bad mit Waschgelegenheit. Das Strandbad unterscheidet sich in Nichts von unseren. Auch die Musikberieselung ist ähnlich. Aber die Duschen sind heiß!! Später werden wir mit dem Minibus in unser “Heuhotel" am Fuß des Königstein gebracht. Doch vor dem Schlafen werden wir erst mal bestens gefüttert. Leider ist die Nacht sehr kalt und das Heu wärmt nur von unten.

Am Königstein

Ein ausgiebiges Frühstück, die heiße Sonne und ein heftiger Aufstieg heizen uns ein! In engen Serpentinen müssen wir 900 m steil nach oben. Am Sattel zeigt uns Mircea Bärenspuren an den Bäumen und andere “Hinterlassenschaften" dieses scheuen Pelztieres auf dem Weg. Nach einer ausgiebigen Pause klettern wir noch auf den Kleinen Königstein und werden von dem hellen Kalkgestein regelrecht geblendet. Auch am nächsten Tag kraxeln wir durch und über das hübsche Kammgebirge, bevor wir die Tour mit einem steilen Abstieg durch rutschiges Geröll an einer zauberhaften Pension im Tal beenden.

Besuch im Schloss von Graf Dracula

Der Abreisetag steht ganz im Zeichen von Dracula. Wir besichtigen “sein" Schloss Törzburg, wo der Blutsauger aber tatsächlich nie residierte. Danach sehen wir uns in Kronstadt die Schwarze Kirche an, so genannt, weil sie nach einem Brand völlig verrußt war. Hier steht auch eine der größten Orgeln Südeuropas. Auf mehr Kultur müssen wir leider verzichten, denn unser Zug wartet nicht. Er bringt uns nach zwei ereignis- und laufreichen Wochen in der milden Abendluft durch eine traumhaft schöne, fast verwunschene, oft menschenleere Landschaft wieder Richtung Heimat.

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