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Expedition zum höchsten Wasserfall Brasiliens im November 2009

Von unserem Partner Wolfgang Brög 

Gleich zu Beginn das erste Problem.

Das Schiff, für welches ich die Kabinen reserviert hatte, war am oberen Rio Negro hängen geblieben und somit nicht zur Stelle. Auf dem anderen Schiff, das auch am Freitag fuhr, war nur eine Kabine frei. So blieb uns nichts anderes übrig, als in Hängematten zu schlafen. Als Entschädigung gab es Freibier.

Das Passagierschiff kam in Barcelos am Sonntag schon mit Verspätung an.

Der niedrige Wasserstand des Rio Negro erlaubte nur langsam zu fahren. Nach einigen Einkäufen und dem Betanken der Kanister mit 600 Liter Benzin ging es los. Rio Negro - Rio Demini - Rio Aracá. Bald spürten wir, dass auch hier das niedrige Wasser zum Problem wurde. Vor allem das große Boot mit dem 40 PS Motor kam einfach nicht in Fahrt und verbrauchte dazu noch übermäßig viel Sprit. Dieses Boot hatte ich gewählt, weil es ein festes Dach hat. Das war auch gut so, die Sonne hätte sonst die Teilnehmer gleich zu Anfang komplett verbrutzelt.
So benötigten wir statt der geplanten zwei Tage Anfahrt ganze vier Tage. Obwohl ich erklärte, dass wir genügend Zeitreserven eingeplant hatten, wurden einige doch etwas unruhig.

Endlich kamen wir am so genannten grünen Kanal an.

Hier musste ich das große Boot zum letzten Dorf zurückschicken, zusammen mit dem dafür vorgesehenen Aufpasser und aus Gewichtsgründen auch dem zusätzlichen Träger. Alles wurde auf das Notwendigste reduziert. Und das war gut so. Denn der grüne Kanal war die Schlüsselstelle. Durch den niedrigen Wasserstand lag endlos viel Holz im Weg. Gott sei dank hatte ich aus Intuition am letzten Tag vor der Abreise in Manaus eine Motorsäge gekauft, die unsere Rettung war. Ohne sie wäre es nicht zu machen gewesen. Zwei Tage lang kämpften wir uns vereint durch die - eigentlich - unglaublich schöne Flusslandschaft.

Dann zog ich die Notbremse: Wir mussten zu Fuß weiter.

Nun schlug die große Stunde meines Begleiters Soldado. Er hackte sich einen Tag durch den Wald, wir ihm dicht auf den Fersen. Ich hatte selten so unwegsames Gelände und so dichten Urwald gesehen. Als wir abends das Camp aufbauten, hatten wir zweieinhalb Tage Verspätung.
Am nächsten Tag wieder Fußmarsch. Der Weg war jetzt etwas besser. Steil ging es bergauf bis wir am Ende des Tages klatschnass von Schweiß und Luftfeuchtigkeit die Hochfläche erreichten. Über 900 Höhenmeter waren wir aufgestiegen - und das in diesem saunaähnlichen Klima. Ein großes Kompliment an alle Teilnehmer. Hätte auch nur einer geschwächelt, wären wir gescheitert. Nach einer Nacht im windig, kühlen Camp wanderten wir über die Hochfläche des Tepui zum höchsten Wasserfall Brasiliens. Das Vorwärtskommen im dichten, harten Gebüsch war nicht einfach.

Wie groß war die Freude, als alle am Wasserfall standen!

Noch am selben Tag sind wir ungefähr 500 Höhenmeter abgestiegen; einen Tag später befanden wir uns wieder im grünen Kanal. Das Wasser war mittlerweile noch weiter gefallen, so dass uns erneut harte Arbeit bevorstand. Zurück in besser fahrbarem Gewässer ging es im kleinen Kanu einen Tag bis zum großen Boot und mit diesem dann zügig weiter. Der Aracá war um einen weiteren Meter gefallen, doch wir waren jetzt leichter und die teilweise starke Strömung beschleunigte das Boot flussabwärts.

Zwei halbe Nächte fuhren wir bei Vollmond und schafften es dadurch, Barcelos am geplanten Tag, dem Samstag, gegen 11.00 Uhr zu erreichen.

Offiziell sollte das Schiff gegen 18.00 Uhr losfahren. Wir hatten riesiges Glück. Wegen des Niedrigwassers startete das Schiff bereits um 12.00 Uhr, hatte aber drei Kabinen frei. Ein schnelles Mittagessen, alles einladen, da legte das Schiff auch schon ab. Die erste Hälfte der Fahrt schrammten wir eine Sandbank nach der anderen, dann wurde es besser. Am Sonntagabend legte das Boot in Manaus an.

Tags darauf stand in der Zeitung, dass der Rio Negro seinen kritischen Punkt unterschritten hätte.

An diesem Tag fuhr bereits kein Schiff mehr nach Barcelos!

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