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Das andere Mallorca

Unsere Mitarbeiterin Inge Specht war im Mai 2009 zum ersten Mal auf Mallorca. 

Der Titel der Tour erschien mir immer wie ein Versprechen!

Das andere Mallorca, nicht das Ballermann-Party-Sangria-Mallorca! Im Herbst vergangenen Jahres entschloss ich mich endlich, mit meinem Mann an dieser Tour teilzunehmen. Und das als absolute Mallorca-Neulinge! Noch nie da gewesen! … Und keine Sekunde bereut!

Wir fliegen einige Tage vor der Gruppe nach Palma, um mehr Zeit zu haben, die schöne Stadt zu erkunden und um ein bisschen im (sehr frischen) Meer zu baden. Am Sonntagmorgen ist es soweit, die Mitreisenden samt Aina, unserer mallorquinischen Reiseleiterin, kommen in das erste der beiden Gruppenhotels. Es liegt im beschaulichen Ort Estellencs in der südlichen Tramuntana, dem zentralen Gebirgszug der Insel. Es ist für die ersten vier Nächte unser komfortables und ruhiges Quartier.

In den nächsten Tagen erkunden wir auf sehr unterschiedlichen Touren diesen Teil des Gebirges:

- auf einem Küstenweg, den der Habsburger Erzherzog Ludwig Salvator, ein großer Freund der Insel, im 19. Jhdt. hat anlegen lassen. Herrliche Ausblicke auf die schroffe Westküste bieten sich. Am Wegrand macht uns Aina auf kleine, unscheinbare Orchideen aufmerksam. Zurück geht es auf einem alten Postweg über die Berge nach Estellencs.
- direkt vom Hotel aus steil und lange hinauf auf den Gipfel des 1.027 m hohen Galatzó, von dem aus wir bei einem Picknick einen herrlichen Rundblick über den Südteil Mallorcas genießen. Der Pfad führt durch brusthohe Ansammlungen weißer Blütenkerzen der Affodilen, wundervoll!
- durch früher landwirtschaftlich genutztes Gelände zu einem verlassenen Trappistenkloster nach Süden. Der Blick öffnet sich auf die unter Naturschutz stehende Insel La Dragonera. Wir wandern hinunter an den kleinen Küstenort San Elm zum Baden. Unterwegs streifen wir große Rosmarinbüsche, die durch die Berührung ätherisches Öl freisetzen, es duftet traumhaft!

Während der Wanderungen

hält Aina immer wieder an schattigen Plätzchen für kurze Trinkpausen an und spricht mit uns über verschiedenste Themen: Olivenanbau, Schmuggel, Weinanbau, Eigentumsverhältnisse und vieles mehr. Wir sind begeistert von ihrem breiten Wissen und ihren hervorragenden Kenntnissen der deutschen Sprache. So gewinnen wir wirklich Einblick in das andere Mallorca.

Am vierten Tag ziehen wir nach dem Frühstück um, in den Norden der Insel.

In der weiten Bucht von Alcudia starten wir zum Kap Pinar. Hier erwartet uns ein “Schmankerl": eine Tropfsteinhöhle, deren Einstieg wir über einen ausgesetzten Steig knapp über dem Meeresspiegel erreichen. Wir stehen mit Stirnlampen auf dem Kopf und offenem Mund staunend in den tropfsteingeschmückten Räumen. Dann wird es anstrengend, denn wir haben Hochsommerwetter und es geht wieder mal steil hinauf auf die 444 m hohe Talaia de Alcúdia mit…

…herrlichem Blick hinüber auf die Halbinsel Formentor und weiter nach Menorca.

Durch leuchtend gelbe Ginsterbüsche und andere Macchia-Gewächse steigen wir hinunter zu einer kleinen Badebucht, bevor uns der Bus zu unserem zweiten Quartier bringt. Wir sind gespannt, wie es sich in einem ehrwürdigen Kloster schläft. Denn wir verbringen die letzten Tage im Kloster Lluc, dem geistlichen Zentrum der Insel; es wurde im 13. Jh gegründet. Der Koch des Restaurants zieht Gäste aus ganz Mallorca an, was wir bereits nach dem ersten Abendessen verstehen.

Am nächsten Tag steht uns die anstrengendste Tour der Reise bevor:

die Besteigung des mit 1.365 m zweithöchsten Berges der Insel, des Massanella (der höchste, der Puig Major, ist leider militärisches Sperrgebiet). Direkt im schönen Klosterhof startet die Gruppe. Die Flaschen sind gefüllt mit kühlem Wasser aus der schön gefassten Quelle am Rand des Klosters. Durch Steineichenwälder geht es hinauf, weiter auf einen Sattel und nach kurzer Kletterei stehen wir auf dem Gipfel. Nach dem Abstieg auf anderer Route mit Blick über die Klosteranlage schmeckt abends vor den dicken Klostermauern ein kühles Bier!

Am letzten Tag zeigt uns Aina die Karstlandschaft der Nordküste.

Wir wandern begleitet vom lauten Gesang einer Nachtigall zuerst im Steineichenwald, dann durch Weinberge und schließlich durch das uns schon bekannte - weil allgegenwärtige - Schneidgras langsam hinaus. Ziel ist eine Klippe über den so genannten Hexenhöhlen. Dank des guten Wetters genießen wir hier unser tägliches “Pamb Oli" - ein mallorquinisches Picknick. Für speziell gelegene Rastplätze hat Aina ein Händchen: Köhlerplatz im Wald, Dreschplatz neben einem verlassenen Kloster, Gipfelplateau oder - wie jetzt - eine Klippe über dem Meer.

Gestärkt geht es nun einige Stunden durch das derzeit trockene Bachbett die Schlucht von Mortitx hinauf.

Der Weg verläuft vorbei an wenigen algengrünen Gumpen und über große Felsbrocken, bis wir unter dem Gemecker von Ziegen an einem riesigen Olivenbaum den Endpunkt unserer letzten Wanderung erreichen.

Der Wirt im Kloster verwöhnt uns zum Abschied mit geschmortem Zicklein. Er ahnt wohl unsere Begeisterung dafür, denn es gibt reichlich. Und so tauschen wir Adressen aus, wollen uns CDs mit Fotos zukommen lassen und sind einhellig der Meinung, dass Mallorca auf alle Fälle wieder mal eine Reise wert ist, das andere natürlich. Und dass wir uns alle - und das ist bei 15 Teilnehmern sicherlich erwähnenswert - wirklich gut verstanden haben.

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