Die Queen von England ehrte Lebenswerk und Pionierleistung des Neuseeländers Sir Edmund Hillary
London/Bad Wiessee
April 2008
Rund 600 Ehrengäste aus der ganzen Welt fanden sich letzte Woche in der St. George's Chapel von Schloss Windsor zur Gedenkfeier für Sir Edmund Hillary ein, wozu Königin Elizabeth II. eingeladen hatte. Neben den Präsidenten der Hillary-Stiftung USA, Kanada und England vertrat die Wiesseerin Ingrid Versen die von ihr 1990 ins Leben gerufene Hillary-Stiftung Deutschland. Wegen der plötzlichen Erkrankung von Prinz Philipp, der wenige Stunden vor dem großen Festakt ins Krankenhaus gebracht werden musste, begleitete Prinzessin Anne die Queen. Auch zahlreiche Mitglieder der Königsfamilie waren erschienen. Die rund zweistündige Feier wurde sowohl von BBC London als auch vom neuseeländischen Fernsehen live übertragen. Fotografieren innerhalb des gotischen Gotteshauses war jedoch streng verboten.
Nach der “Sonata IV" von Felix Mendelssohn erklang der Choral “Nun danket alle Gott" von Johann-Sebastian Bach. Die Witwe Hillary's, June Mulgrew, wurde begleitet von der neuseeländischen Premierministerin Helen Clark. In ihrer bewegenden Ansprache machte Clark deutlich, dass Sir Edmund Hillary nicht nur der berühmteste neuseeländische Bürger, sondern auch der beliebtestes ihres Heimatlandes gewesen sei. “Noch nie zuvor hat Neuseeland so ein großes und würdiges Staatsbegräbnis erlebt, wie es am 22. Januar für Sir Ed der Fall war", so die Premierministerin. Hunderttausende Neuseeländer seien dazu nach Auckland gekommen oder hätten via Großleinwände, die auf beiden Inseln aufgebaut wurden, an dem Staatsbegräbnis teilgenommen. “Wir alle waren immer fasziniert von dem Mann, der trotz seiner persönlichen Weltberühmtheit seine Bodenhaftigkeit nie verloren hat und sich voller Hingabe für die Sherpas in Nepal einsetzte", so Clark. Peter Hillary, einziger Sohn des Mt. Everest-Erstbesteigers, bedankte sich in seiner Rede vor allem bei Königin Elizabeth II. für deren langjährige Freundschaft zu seinem Vater. Sein Vater habe ihm in seiner frühesten Jugend oft gesagt: “Du darfst nicht darauf warten, dass etwas passiert. Du musst selbst etwas von Dir heraus tun". Das sei auch Motivation für seine eigene Sportler-Karriere gewesen, an allen drei Enden dieser Welt gewesen zu sein.

Aus Indien extra zum Festakt nach London gekommen war der älteste Sohn von Tensing Norgay, mit dem Edmund Hillary 1953 die Weltsensation gelang, mit einer britischen Expedition den höchsten Berg der Welt bezwungen zu haben.
“Edmund Hillary war einfach ein netter Mensch, der von allen Briten geliebt und verehrt wurde", fasste Reverend David Conner den Respekt der Bevölkerung zusammen, und hob vor allem das soziale Lebenswerk des großen Abenteurers hervor, wofür ihm die Queen 1995 den höchsten Orden Großbritanniens verliehen hatte.
Höhepunkt des Festaktes war deshalb auch, als Leibgardisten der Queen das Banner von Hillary aus dem für Hosenbandordensträger reservierten Teil des Gotteshauses hinter dem Altar herausbrachten und durch die gesamte Kirche trugen. Das mit Bergen und goldbestickten nepalesischen Gebetsmühlen bestickte Banner wurde danach auf dem Altar abgelegt, an dem dann später alle geladenen Gäste vorbeidefilierten, um Edmund Hillary einen letzten Gruß zu erweisen.

Nach der Nationalhymne “God save our gracious Queen…" geleitete der geistliche Würdenträger der St. George Chapel die Königin und die engsten Mitglieder der Hillary-Familie hinaus, wo rund 20 Gurkhas (Soldaten) aus Nepal Spalier standen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand dann die Privataudienz bei der Queen statt.
Am gleichen Tag versammelten sich die Präsidenten der weltweiten Hillary-Stiftungen, um sich über die weitere Zusammenarbeit für die Sherpas im Khumbu-Gebiet abzusprechen. Alle waren sich einig, dem Vermächtnis des Stiftungsgründers gerecht werden zu wollen, und den ehemaligen Tibet-Flüchtlingen, die Hillary stets am Herzen lagen, mit Hilfsprojekten weiterhin beizustehen. Im Beisein von Mitgliedern der Königsfamilie wurde am Abend in der Royal Geographical Society der preisgekrönte Film von Michael Dillon gezeigt: “Beyond Everest - das große Leben des Edmund Hillary", der über die Entstehung der Hillary-Stiftung eindrucksvoll berichtete und zum Weitermachen motivierte. “Diese drei Tage in London waren ein bewegendes, unvergessliches Erlebnis, was den Zusammenhalt der weltweiten Stiftungen weiterhin verstärkte", fasste Ingrid Versen aus Bad Wiessee zusammen. Der Geist Hillary's habe stets über allem geschwebt und sei für alle spürbar gewesen.
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