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Reiseberichte  |  Reiseberichte  |  Reisebericht Gokyo Trekking

Nepal Gokyo-Trekking im April 2008

Von Hauser-Mitarbeiterin Ursula Mengel

Schon im Mai 2007 war der Entschluss gefasst:

Im April 2008 fahren wir wieder nach Nepal. Zu dem Zeitpunkt waren wir gerade aus dem Land der Sherpa zurück. Das Kali Kandaki-Hütten-Trekking war fabelhaft – und wir hatten Lust auf mehr: mehr Berge, mehr Daal, mehr Nepal.

Frühmorgens in Kathmandu wurden wir schon von den Mitarbeitern von Lama Excursion erwartet. Auf der Fahrt vom Flughafen nach Thamel zum Hotel wurde selbst der sonst gar nicht so stille Tony sprachlos: Vorbei an Rikschas, hupenden Autos und Fußgängern erreichten wir unser Hotel im Herzen von Thamel. Bald stürzten wir uns ins Gewusel der Gassen, es waren noch Einkäufe zu erledigen und letzte Vorbereitungen zu treffen. Trotz des chaotischen Verkehrs erschien uns die Stadt ruhiger als 2007. Wahrscheinlich wegen der damals immer wieder vorbeiziehenden Demonstranten, es war kurz vor der Wahl.

Am nächsten Morgen spielte das Wetter mit,

nach kurzem Flug mit Yeti Airlines befanden wir uns auf 2.800 m in Lukla, dem Eingangstor zum Khumbu Himal. Pizza zur Stärkung, dann machten wir uns auf den Weg! 17 Tage Trekking lagen vor uns. Entlang des Dudh Kosi, später steiler bergauf, erreichten wir nach zwei Tagen Namche Bazaar auf 3.450 m Höhe. In dem Handelszentrum der Sherpa gibt es eine immense Anzahl an Lodges. Spätestens hier sollte man die letzten Ausrüstungsgegenstände für das Trekking kaufen. Wir blieben zwei Nächte in Namche, um uns zu akklimatisieren. Untergebracht waren wir in der Panorama Lodge, wo uns die Lodge-Besitzer Sherap und Lakpa liebevoll umsorgten. Das Essen war großartig – wir waren uns einig: So macht akklimatisieren Spaß!

Während viele Trekker ovn hier aus den direkten Weg zum Everest Basecamp wählen,

brachen wir Richtung Gokyo-Hochtal auf. Über Khumjung, Dole und Machermo wanderten wir vorbei an drei tiefblauen Seen sanft ansteigend zur Alm Gokyo (4.750 m), welche am Ufer des dritten Sees liegt. Mal ganz davon abgesehen, dass wir jeden Tag mehrere Kilometer und einige Höhenmeter bewältigen, fühlten wir uns wie auf einem Kreuzfahrtschiff: Nachmittags in der Lodge angelangt, trafen wir immer wieder auf alte Bekannte, die auf derselben Route unterwegs waren.

Trekking-Tag sieben war der erste Gipfeltag.

Um vier Uhr morgens standen wir auf und schlüpften in unsere Trekking-Klamotten. Ich war froh, dass ich die Hälfte davon nachts immer in meinem Schlafsack verstaut hatte, so dass ich nicht in halb gefrorene Unterwäsche schlüpfen musste. Mit Stirnlampen ausgerüstet, machten wir uns auf den Weg zum Gokyo Ri (5.483 m). Einige waren noch früher dran als wir, viele kleine Lichter flackerten auf dem Weg zum Gipfel. Langsam wurde es hell, wir blickten immer wieder zurück auf den tiefblauen See und die umliegenden Gipfel, die von den ersten Sonnenstrahlen umstrahlt wurden. Ungefähr die Hälfte des Aufstieges war geschafft. „Expeditionsfotograf" Stefan blieb zurück und machte eine Aufnahme nach der anderen, während Tony und ich langsam weiter zum Gipfel aufstiegen. Oben angekommen wurden wir mit einem einzigartigen Blick auf die vier Achtausender Cho Oyo, Everest, Lhotse und Makalu belohnt. Eine österreichische Truppe zwang uns mit einem Schluck Schnaps zum vollendeten Gipfelglück. Meine Beine fühlten sich inzwischen wie Gummi an, aber es ging nur noch bergab und wir waren motiviert: Frühstück in der Lodge! Dann auf zum nächsten Ziel. Wir wollten den Cho La – La bedeutet Pass – überqueren, um so zum Kala Pattar und Everest Basecamp zu gelangen. Bei der Überquerung der Nguzumba-Gletscherzunge fühlten wir uns wie in einer anderen Welt: Über Geröll und Sand, vorbei an Eisfeldern erreichten wir Dragnag – zusammen mit den anderen „Kreuzfahrtpassagieren".

Am nächsten Morgen stand die Überquerung des Cho La (5.420 m) auf dem Plan.

Ich allerdings fühlte mich wie gerädert. In der Nacht hatte ich zum ersten Mal Kopfschmerzen gehabt und war lange Zeit wach gelegen. War das der Beginn der Höhenkrankheit? Sollte ich besser umkehren? Beim Frühstück wurde heiß diskutiert: Über den Pass oder absteigen? Nachdem wir lange genug rumgetrödelt hatten, kam mein Kreislauf wieder in Schwung und es ging mir plötzlich wieder blendend. Die Entscheidung lag auf der Hand: Cho La – wir kommen!

Über das Hochtal von Nyimagawa wanderten wir leidht ansteigend über wunderschöne Almwiesen.

Anstrengender waren die letzten 300 Höhenmeter bis zum Pass. Der Weg ist sehr steil und in dieser Höhe ist das Kraxeln anstrengend. Da wir an diesem Tag später als die anderen gestartet waren, hörten und sahen wir schon die ersten Gruppen auf dem Pass. Zwei Stunden später waren auch wir oben und hören die Gebetsfahnen flattern. Den schwierigsten Teil unserer Trekkingtour hatten wir geschafft. Über den Gletscher stiegen wir hinunter nach Dzonghla (4.850 m) und fielen am Abend in einen tiefen Schlaf.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, sah die Welt anders aus.

Neuschnee – alles war weiß! Das Weiß blendete so, dass ich auf dem Weg zum Klo nichts mehr sah, die Sonnenbrille wurde an diesem Tag zum wichtigsten Begleiter. Weiter ging es mit dem Ziel Lobuche (4.930 m). Obwohl es nur leicht bergauf ging, fühlten wir uns müde und freuten uns auf das nächste Quartier. Tony hatte sich bei der Passüberquerung leicht erkältet und wir waren einfach froh, als wir nach vier bis fünf Stunden Lobuche erreichten. Unübersehbar – wir waren wieder auf der Hauptroute zum höchsten Berg der Erde. Kurz nach uns erreichte „Team Vietnam" die Lodge und wir mussten für die Gipfelaspiranten den Tisch in der Sonne räumen. So besetzten wir einen der anderen freien Tische und beobachteten als „Team Germany" für den Rest des Abends die jungen Vietnamesen, die sich auf die Besteigung des Mt. Everest vorbereiteten. Es war wie im Kino … und das auf fast 5.000 m Höhe – langweilig wurde es nie!

Wieder Diskussionen beim Frühstück.

Tony war erkältet und wollte den Kala Pattar nicht besteigen, sondern lieber wieder in wärmeren Gegenden wandern. Nach zwölf Tagen Trekking sehnten auch Stefan und ich uns nach etwas mehr Wärme. Aber: Der Kala Pattar war nicht mehr weit. Wir trennten uns für zwei Tage. Während ich Gorak Shep, Everest Base Camp und Kala Pattar anpeilte, stiegen Tony und Stefan nach Dingboche ab. Ich schloss mich einer französischen Gruppe an und stand am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Kala Pattar (5.643 m) mit Blick auf die nur 10 km entfernte Everest-Pyramide und die Zeltstadt des Basislagers. Es hatte sich gelohnt!

in Dingboche war unsere kleine Expedition wieder vereint,

wir brachen auf zurück nach Lukla. Der Abstieg fiel leicht, es wurde immer wärmer. In Tengboche sahen wir uns eines der größten und schönsten Kloster der Sherpa-Region an. Dann war es soweit, nach 16 Tagen Trekking trafen wir in Lukla ein. Inzwischen freuten wir uns auf den Rückflug nach Kathmandu, auf die Annehmlichkeiten eines Hotels und das Stadtleben.

24. April 2008, mein 30. Geburtstag, Lukla Flughafen. Eingecheckt hatten wir um sechs Uhr morgens, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Zwar warteten wir bis halb vier am Nachmittag auf eine Wetterbesserung und vertrieben uns die Zeit mit Kniffel – aber eigentlich wussten wir: Es geht kein Flug mehr nach Kathmandu. Enttäuscht verließen wir am späten Nachmittag den Flughafen, entschlossen noch das Beste aus dem Tag zu machen. Schließlich feiert nicht jeder seinen 30. Geburtstag in einem Bergdorf in Nepal. Mit einem Festmenü und Everest-Bier ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Tags darauf war das Wetter zwar wechselhaft,

aber wir hatten Glück und schafften es nach Kathmandu. Die Zeit bis zu unserem Rückflug nach Deutschland verging zu schnell. Aber aller guten Dinge sind drei – ein weiterer Besuch des kleinen Himalaya-Staates ist in Planung.

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