50 Jahre Himalayan Trust
Hauser-Geschäftsführer Manfred Häupl, Vize-Vorsitzender der Sir Edmund Hillary Stiftung Deutschland, berichtet von den Feierlichkeiten in Nepal und von Plänen für die Zukunft
Entdeckungsreise in die Welt der großen, internationalen Hillary-Gemeinde
Vom 23. bis 29. Mai 2011 durfte ich in meiner Rolle als Vize-Vorsitzender der Sir Edmund Hillary Stiftung Deutschland an den Feierlichkeiten des Himalayan Trust teilnehmen. Gefeiert wurden 50 Jahre Engagement für das Volk der Sherpa. Die Reise fing mit einem Schock an, denn die Vorsitzende der Sir Edmund Hillary Stiftung Deutschland, Ingrid Versen, musste wenig Tage vor dem Abflug nach Kathmandu ins Krankenhaus. So musste und durfte ich die deutsche Stiftung alleine vertreten. Mir fehlten die jahrelangen Beziehungen und Freundschaften, die Ingrid Versen zu den Mitgliedern der anderen Sektionen des Himalayan Trust geknüpft hatte. So war die Reise für mich eine “Entdeckungsreise" in die Welt der großen, internationalen Hillary-Gemeinde.
Empfang von Lady June Hillary
Gleich am Ankunftstag, am 23. Mai, fand abends im Hyatt Hotel in Kathmandu ein großer Empfang statt. Geladen hatte Lady June Hillary. Zu den Anwesenden zählten die neuseeländische Botschafterin, der amerikanische Botschafter, alle Mitglieder der ausländischen Vertretungen, das Sherpa Advisory Comittee, das über alle Projekte vor Ort entscheidet, und viele Mitarbeiter der verschiedenen Projekte im Solu- und Khumbu-Gebiet. Nach einer kurzen Begrüßung durch Ang Rita Sherpa, dem CEO des Trust Nepal, und einem Grußwort der neuseeländischen Botschafterin wurde ein Film über 50 Jahre Himalayan Trust vorgeführt. Im Zeitraffer vermittelte er die rasante Entwicklung und die unglaublichen Leistungen, zu denen Edmund Hillary zu inspirieren gewusst hatte. Besonders beeindrucken fand ich die Statements vieler ehemaliger Schüler oder Mitarbeiter verschiedener Projekte. Es wurde deutlich, welche Dynamik die Arbeit in ihr Leben gebracht hatte. Man merkte aber noch etwas an diesem Abend: Der Gründer war nicht mehr dabei. Es war das erste große Jubiläum ohne Sir Edmund Hillary. Ein Hauch von Abschied und Trauer hing über dem Abend, aber das war gut so.
Vorstellung des neuen Hillary Folders
Am nächsten Abend folgte ich dann einer privaten Einladung von Pasang Sherpa und seiner deutschen Ehefrau Renate zu sich nach Hause. Pasang Sherpa ist Mitglied des Sherpa Advisory Comittees und seit vielen Jahren für den Himalayan Trust engagiert. June Hillary mit ihrer Tochter Susanne waren da, und viele andere der weltumspannenden Hillary-Gemeinde. Diesen Abend in sehr freundschaftlicher und familiärer Runde nutzte ich, um den neuen Folder der deutschen Stiftung den anderen Partnern vorzustellen. Sie waren beeindruckt, was die kleine deutsche Sektion schon alles auf die Beine gestellt hat.
Im Helikopter zu den Hauptfeierlichkeiten nach Khumjung
Am 29. Mai, dem 48. Besteigungstag des Mt. Everest, fand dann die Hauptfeier in Khumjung auf dem Schulgelände statt. Eine große Bühne war aufgebaut worden. Davor saßen mehrere hundert Schüler, Eltern und ehemalige Schüler der Khumjung-Schule sowie Bewohner der umliegenden Dörfer, die hier schon Tage vorher verschiedene Sherpa-Feste veranstaltet hatten. Im Helikopter flogen wir durch ein dichtes Wolkenband hinauf nach Lukla zum Tenzing Hillary Airport und von dort weiter nach Khumjung auf 3.800 Meter. Wer aus tiefen Lagen kommend dort aussteigt, schnappt erst einmal nach Luft. Der Pilot meines Helis landete direkt vor dem legendären Khunde Hospital. Die Begüßung durch anwesende Sherpa-Frauen war mehr als herzlich. Peter Hillary, der einige Tage zuvor mit anderen heraufgewandert war, war auch schon da. Wie sich alle umarmten und küssten … kein Scherz!! Dr. Khami Temba, der Chefarzt von Khunde, empfing uns. Und nach einer Tasse Tee wanderten wir hinunter zum Festplatz nach Khumjung. Das Programm war bereits in vollem Gange: Tanzvorführungen vom klassischen Sherpa-Tanz bis hin zur Shakiras Waka Waka von der WM in Südafrika boten die Schüler dar. Dazwischen (leider) relativ viele Reden. Auch der Staatssektretär des Kultusministeriums hielt eine lange Rede, war er doch selber vier Jahre lang Lehrer in Khumjung gewesen. Besonders bewegend war die Überreichung von Plaketten an besonders verdiente Mitglieder der Sherpa Community. Am meisten traf mich die Rede eines ehemaligen Schülers aus Khumjung. Er hatte an der Schule sein Abitur gemacht, in den USA studiert und dann in Nepal seine Karriere in einer Consulting Firma begonnen. Er betonte, dass er ohne die Schule nie einen Blick nach Außen geworfen hätte. Es war Sir Ed, der im das Fenster zur Welt geöffnet hatte. Ein Beispiel von vielen. Die Hillary-Schulen gelten in Nepal als besonders fortschrittlich, ihre Absolventen können stets die besten Abschlüsse vorweisen.
Ein Tag - ein Baum
In Khumjung traf ich auch meinen Freund Ranjit Gurung. Er betreut unser neues Aufforstungs-Projekt “Ein Tag - ein Baum": Für jeden Tag, den ein Reisegast mit Hauser im Everest-Gebiet wandert, wird ein Baum gesetzt. Ich konnte ihm berichten, dass die Finanzierung der ersten 10.000 Bäume bereits sichergestellt ist. Sehr bald wird das Gelände in Khumjung eingezäunt und die ersten Setzlinge können eingepflanzt werden.
Fazit und Ausblick
Mein Fazit dieser Reise: Die Trauer um den Abschied von Sir Edmund Hillary ist immer noch zu spüren. Langsam tritt die erste Generation, die dieses großartige Werk - den Himalayan Trust - gegründet hat, zurück. Ang Rita wechselt als CEO in das Sherpa Komitee, Pasang tritt seine Nachfolge an. Peter Hillary und seine Tochter Emilia sind echte Visionäre, die die Arbeit in eine neue Zeit führen können. Sie haben das Wohlwollen der meisten Sherpa und Förderer der Stiftung. Sicher wird es in den nächsten Jahren die eine oder andere Diskussion über die zukünftige Ausrichtung geben. Aber das Herzstück des Trust - Ausbildung, medizinische Versorgung und Aufforstung - wird bleiben. Wir als deutsche Stiftung widmen uns weiterhin hauptsächlich der Versorgung des Paphlu Hospitals. Neben den laufenden Kosten schlug ich vor, die sehr einfachen Patientenräume zu renovieren. Dies können wir sicher mit einer Spende außerhalb der, die die jährlichen Kosten deckt, bewerkstelligen. Das zweite Standbein, die Wiederaufforstung, ist langfristig angelegt. Es soll auch hier in Zukunft die Möglichkeit geben, zweckgebunden über die deutsche Stiftung zu spenden. Ein erster Erfolg: Die französische Trekkingfirma Allibert beteiligt sich ab 2012 an der Aktion.
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