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Kenia wartet auf Touristen


Unsere Mitarbeiterin Gabriele Krombach aus dem Afrika-Team war vom 11. bis 24. Januar 2008 mit ihrem Mann in Kenia und berichtet.

Unser Aufenthalt in Kenia Mitte Januar war lange geplant und der Zeitraum festgelegt. Umso mehr spitzte ich die Ohren, als am 27. Dezember 2007 die Präsidentenwahlen abgehalten wurden. Die Berichterstattung war nicht einladend: Unruhen, gewalttätige Ausschreitungen, Massenflucht - Kenia brennt. So wurde es dargestellt.
Ich sprach mit Toni Tschank von Kibo Slopes Safaris und bat ihn um eine Einschätzung der Lage. Seine Antwort, die eigentlich eine Frage war, hat sämtliche Bedenken beseitigt: “Glaubst Du, ich würde Dich in eine Region reisen lassen, die gefährlich für Dich ist?"
Also auf nach Kenia! Nach der Landung in Nairobi waren mein Mann und ich gespannt, was uns auf dem Weg zum Hotel erwarten würde. Ich hatte ein Bild von starken Kontrollen, vielen Straßensperren und schwer bewaffneten Polizisten im Kopf. Doch nichts dergleichen: Die Straßen waren wie immer in den Abendstunden recht leer, keine Straßenkontrollen und keine Polizeimassen. Auch am nächsten Tag war es in Nairobi friedlich.
Wir fuhren mit dem Auto quer durch die Stadt, dann über Land Richtung Norden zum Mt. Kenya. Ziel war das Sangare Tented Camp am Rande des Aberdare-Nationalparks. Auf dem Weg haben wir eine Abzweigung verpasst und standen etwas verloren in Nyeri herum. Sofort kamen freundliche Menschen auf uns zu, fragten wie sie helfen könnten und zeigten uns den richtigen Weg.

Das Camp mit seinen fest installierten und sehr komfortablen Zelten liegt malerisch am Ufer eines kleinen Sees. Ein wahres Paradies für Vogelliebhaber. Es gibt vielfältige Ausflugsmöglichkeiten, wir hatten uns für einen Ausritt am nächsten Vormittag entschieden. Der Ritt über die Ebene mit Blick auf den Mt. Kenya war ein tolles Erlebnis. Am Nachmittag gingen wir mit dem Guide Martin zu Fuß zu einer ehemaligen Mau-Mau-Höhle. Martin erläuterte Details zum Leben in der Höhle und zu den Mau-Mau-Aufständen.
Die Menschen in der Region um den Mt. Kenya sprachen uns bei jeder Gelegenheit auf die Situation in ihrem Land an. Oft hörten wir, wie traurig sie sind, weil so schlecht über Kenia berichtet wird. Dabei sind alle freundlich und offen, gehen ihren alltäglichen Arbeiten nach und hoffen einfach, dass sich die beiden großen Politiker schnell einigen werden. Sie möchten, dass wieder Frieden einkehrt, dass die Touristen wiederkommen und somit alle ihre Arbeit behalten. Es waren interessante aber oft auch beklemmende Situationen; uns wurde schnell bewusst, dass viele Menschen unter dem Machthunger der Großen leiden.
Weiter ging es in Richtung Süden und wieder quer durch Nairobi - keinerlei bedenkliche Situationen. Ziel war diesmal der Tsavo West-Nationalpark und dort das Severin Safari Camp. Schon der Weg zum Camp war eine Pirschfahrt. Es war schwierig, die Tiere zu sehen, denn es hatte viel geregnet, die Bäume und Büsche standen in vollem Grün. Das Severin Safari Camp liegt am westlichen Rand des Tsavo West-Nationalparks. Um zwei Wasserlöcher gruppieren sich die komfortablen fest installierten Zelte, die mit eigenem Duschbad ausgestattet sind. Es fehlt wirklich an nichts, jedes Zelt hat eine Terrasse. Beim Betreten unseres Zeltes fiel mein Blick sofort auf den liebevollen Willkommensgruß, arrangiert aus Blättern auf dem Bett: “Welcome to Severin Safari Camp Mr. and Mrs. Krombach". Vor dem Abendessen saßen wir mit einem Aperitif am Lagerfeuer und beobachteten die vorbeiziehenden Giraffen und Impalas. Während des vorzüglichen Abendessens stampften zwei Hippos an den Wasserlöchern vorbei, die Löwen, die am Vortag da waren, kamen leider nicht zurück, dafür aber viele Zebras und Antilopen. Ein echtes Spektakel beim Dinner.

Wir gingen zeitig zu Bett, lauschten den Geräuschen der afrikanischen Nacht und viel zu früh war die Ruhezeit vorbei. Frühpirsch: Abfahrt nach einer Tasse Tee bereits um 6 Uhr. Doch es lohnte sich. Der Busch und seine Bewohner erwachten, der Guide zeigte uns Hippos im seichten Fluss, wir sahen Giraffen, Büffelherden, Zebras, Elefanten und als Gegensatz zu den Herden kreuzte eine Schildkröte unseren Weg. Die Zeit verging viel zu schnell, schon stand die Sonne am Himmel und wir kehrten zu einem späten Frühstück ins Camp zurück. Am nächsten Morgen wieder eine Frühpirsch, aber diesmal in einer komplett anderen Szenerie: Es regnete in Strömen! Die Tiere ließen sich nicht blicken, es war kühl und ungemütlich. Trotzdem fuhren wir zum Poacher's Lookout, und hier hörte es kurz auf zu regnen, die Wolken und Nebelschwaden hoben sich, es kamen einzelne Sonnenstrahlen durch und wir hatten einen endlosen Blick über die Ebene - Wow! Der Rückweg zum Camp wurde dann noch spannend, denn die Piste hatte sich in eine glitschige rote Furt verwandelt, auf deren Seiten das Wasser gurgelte. Und prompt blieben wir stecken, die Räder drehten durch. Doch dank der guten Fahrkenntnisse unseres Fahrers waren wir nach einigen Schaukelmanövern wieder frei.
Nächste Station war das Rock Side Camp, etwas südlich von Voi gelegen - zwischen Tsavo West und Tsavo East-Nationalpark - am Fuß des Kazigau. Die gemütlichen Hütten und Bungalows schmiegen sich an einen Hügel, der im oberen Bereich steil zum “Rock" aufragt. Es wirkt, als würde der imposante Felsblock das Camp beschützen. Völlig durchnässt kam eine Gruppe im prasselnden afrikanischen Regen von der Besteigung des Felsens zurück. Wir kennen die Besitzer des Camps persönlich, so verbrachten wir den Nachmittag gemütlich plaudernd. Thema Nr. 1 war natürlich die politische Situation. Wir wurden über die Geschehnisse der letzten Tage informiert, denn hier wurde natürlich Zeitung gelesen und am Fernseher wurden die unterschiedlichen Berichterstattungen lebhaft verfolgt.

Für den nächsten Tag stand der Tsavo East-Nationalpark auf dem Programm. Der Park ist generell weniger frequentiert als sein westlicher Nachbar. Die Sonne brach durch und es wurde sehr heiß. Wir steuerten die Lugard Falls an. Hier hat sich der Fluss in langen Jahren sein Bett immer tiefer in den Fels gefräst, es entstanden gefährliche und steile Schluchtenabbrüche, durch die das Wasser in Strudeln vorbeitost. Wir besuchten noch das Tented Camp am Fluss, leider ohne Gäste und fuhren anschließend zurück zum Gate. Wir hielten die Augen offen, denn wir wollten so gern noch Löwen bei unserer Pirschfahrt sehen, doch das blieb uns verwehrt. Kurz vor Erreichen des Gates erspähten wir dann auf einmal etwas: Unweit der Straße, im Schatten eines Baumes saßen fünf Geparden und schauten in unsere Richtung. Wir waren ganz gebannt - mit solchen “Kätzchen" hatten wir nicht gerechnet! Sie mussten von uns Witterung bekommen haben, denn sie erhoben sich lautlos und schon waren sie mit eleganten Sprüngen im Busch verschwunden …
Den Nachmittag verbrachten wir am Pool im Rock Side Camp, der Abschied von diesem gemütlichen und familiären Platz fiel uns am nächsten Tag sehr schwer. Weiter ging es in Richtung Mombasa. Im Vergleich zu vorherigen Reisen war kaum Verkehr auf der Straße, es fuhren in beide Richtungen nur wenige LKWs und wir kamen gut voran. In Mombasa haben wir natürlich prompt in einem Kreisverkehr die falsche Abzweigung genommen. Straßenschilder gibt es in ganz Kenia so gut wie keine, die Leute wissen, wo sie fahren müssen - wir wussten es nicht so genau. Aber auch hier halfen uns freundliche Menschen, wieder auf den rechten Weg zu finden. In der Severin Sea Lodge wartete ein gemütliches Zimmer mit Blick aufs Meer, ein gutes Abendessen und ein Dämmerschoppen. Die Zimmer des Hotels sind in mehreren Rundbungalows und zwei Haupthäusern untergebracht, die sich in dem üppig eingewachsenen Garten befinden. Es gibt zwei Swimming Pools und natürlich lädt das warme Meer zum Baden ein. Am nächsten Vormittag fuhren wir nach Mombasa hinein und besuchten Fort Jesus. Wir erhielten eine nette und informative Führung und schlenderten danach zu Fuß durch das angrenzende Wohn- und Geschäftsviertel. Auch hier begegneten uns freundliche und aufgeschlossene Menschen.

Am Abend war der Besitzer der Severin Sea Lodge, Herr Severin Schulte, aus Deutschland in seinem Hotel angekommen. Er hatte seine Gäste zum Cocktail eingeladen und sprach mit ihnen sehr offen über die Situation in Kenia. Die Buchungszahlen seien stark rückläufig, das Hotel habe wenig Gäste, er müsse sein Personal teilweise in den Urlaub schicken. Alle fragten sich, wie es wohl weitergehen würde.
Dieser Frage begegneten wir überall. In fast jedem Hotel oder Camp, das wir unterwegs angesehen oder in dem wir übernachtet haben, waren wir die einzigen Gäste. Die Auslastung der Lodges in den Nationalparks war minimal, viele Betreiber mussten ihr Personal in den Urlaub schicken. An der Küste hatten einige Hotels ganz geschlossen. Sämtliche Fernsehsender berichteten sehr offen über die Krisensituation, die Zeitungen waren beherrscht von den aktuellen Schlagzeilen. Egal mit wem wir sprachen, der Wusch aller war, dass es zu einer schnellen Einigung kommen soll, damit sich das Land wieder erholen kann.
Ich empfand die Zeit in Kenia als sehr aufschlussreich. Die Kommunikation war sehr offen, die Menschen unglaublich freundlich und umgänglich. Im den letzten Jahren ging es Kenia sehr gut. Durch ein Land während einer politischen Krise zu reisen, war für mich eine neue Situation. Ich bin für die Eindrücke und die vielen offenen Gespräche sehr dankbar! Ich habe viel gelernt unterwegs, vor allem, die Dinge und Situationen differenzierter zu sehen.
Ich möchte mich für die freundliche Unterstützung der Inhaber der einzelnen Lodges und Camps bedanken. Ein ganz großes Dankeschön geht an Kibo Slopes Safaris. Unsere langjährigen Partner in Kenia haben in den Wochen der politischen Instabilität alles gegeben, um sowohl mich als auch unsere zahlreichen Gruppen immer bestens zu betreuen. Die Mitarbeiter waren per Mobiltelefon immer erreichbar. Ihre Ruhe und Kompetenz übertrug sich auch auf unsere Reisegäste. In den zahlreichen Zuschriften nach der Rückkehr der Reise konnte ich lesen, dass sich die Teilnehmenden unterwegs immer sicher und umsorgt fühlten. Ein dickes Dankeschön nach Kenia!
Gabriele Krombach
Afrika Spezialistin

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