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Reisebericht "Zauberhaftes Kathmandu-Tal"

Unsere Kundin, Frau Bärbel Boden, berichtet anschaulich und sehr persönlich von ihrer Reise ins “Zauberhafte Kathmandu-Tal" vom 11. bis 18. Mai 2010 

Namaste! Viele kennen meine Spontaneität. Vom Gedankenblitz bis zur Buchung verging gerade einmal eine Stunde.

Viel Platz im Flieger

Im Flieger von Frankfurt nach Abu Dhabi habe ich einen Fensterplatz auf der linken Seite, wie von Hauser empfohlen. Voll Vorfreude genieße ich den Flug mit Etihad: Fußstützen für meine kurzen Beine und ein Service - Luxus pur. Ich habe zwei Sitze für mich, kann mich a u s b r e i t e n und an etwas Schlaf denken.
Zwischenzeitlich ist der 12. Mai herangerückt … in den Wolken, grenzenlose Freiheit. Richtig habe ich es gemacht, allem zu entfliehen. Pünktliche Landung in Abu Dhabi. Supermodern, superreich, super klimatisiert, tut schon weh, multikulti und drei Stunden Aufenthalt. Macht nix, acht von zwölf Mitreisenden haben sich gefunden und beschnuppern sich. Scharfe Kontrolle beim Weiterflug von Abu Dhabi nach Kathmandu. Wieder ein toller, neuer Flieger und auch diesmal zwei Sessel für mich auf der linken Seite. Beim Landeanflug auf Kathmandu dann der Blick auf die umwerfende, berauschende Himalaya-Kette bei strahlendem, fast klarem Wetter!

Ankunft in Kathmandu

Die Pass- und Visaformalitäten dauern. Hier ein Stempel, dort ein Stempel, dann wieder ein Blick in den Computer. Gleich erkenne ich unseren Reiseleiter. Freundlich lächelnd nimmt Bohla uns in Empfang und am Auto bekommen wir eine bunte Blumenkette umgehängt.  Die Fahrt bis zum Hotel ist nicht lang. Motorräder, Mopeds, Fahrräder in der Mitte, rechts, links die Autos. Jeder hupt so laut er kann.

Geburtstag in Kathmandu

Hotel Marshyangadi mitten in der Altstadt. Ich versuche in zwei Stunden bis zum Treffen im Hotelfoyer in dieser anderen Welt anzukommen. Noch kurz Geld gewechselt. Ab 19.30 Uhr versuchen wir uns in den engen Gassen Kathmandus nicht aus den Augen zu verlieren. In einem Lokal ist ein Tisch für uns reserviert. Es wird eifrig diskutiert, welches Menü  bestellt werden soll. Bei den Getränken sind wir uns sofort einig. Bier Marke “Everest". Ich entscheide mich für Momos: Teigtaschen mit Füllung - vegetarisch. Wir sind mit unserem Essen sehr zufrieden. Allmählich wird es dunkel und etwas kühler. Tut gut nach der Hitze des Tages. An 35° C bis 40° C muss ich mich erst gewöhnen. Wir fangen an zu erzählen. Von den zwölf Mitreisenden waren fünf schon einmal in Nepal - sprich man ist der Faszination des Landes ausgeliefert und kommt immer wieder. Plötzlich, im Hintergrund wird ein Geburtstagslied gesungen, kommt jemand näher und - ich bin total überrascht - eine Torte mit sieben Kerzen, für jedes Jahrzehnt eine, wird mir überreicht. Die Überraschung ist gelungen!

Auf dem Moped durch die Hauptstadt

Kurz vor 22.00 Uhr, es geht heimwärts, die Läden schließen gleich und ich brauche noch Sonnenmilch - die wurde mir in Frankfurt am Flughafen abgenommen. Morgen geht es in die Berge. Am Hotel angekommen schnappt Bohla sein Motorrad. Mit mir hinten drauf geht es ab durch die engen Gassen - bis wir das Gewünschte finden. Ich hab noch nie auf so einem Ding gesessen und finde es aufregend, durch das Gewühl in der  weichen Abendluft zu fahren.

Der Stupa von Bodnath

Es ist schon sehr heiß morgens um 09.30 Uhr. Blech an Blech, Hupkonzert ohrenbetäubend, Fahrräder, Mopeds, Motorräder in der Mitte, umfallen kann keiner, dicht an dicht und im Schritttempo schlängelt sich unser Kleinbus gewandt durch das Chaos. Unser Ziel im Nordosten von Kathmandu ist der große Stupa von Bodnath in ungefähr sechs Kilometern Entfernung. Dieser Stupa ist seit Jahrhunderten einer der Hauptpilgerorte im Kathmandu-Tal. Wir befinden uns in “Klein-Tibet". Von morgens bis abends umkreisen junge und alte Pilger den fast 40 m hohen Stupa. Unablässig murmeln sie das Mantra (Gebetsformel) “Om mani padme hum".  Die im Sockel der Stupa eingelassenen Gebetsmühlen drehen sie dabei ohne Pause. Rund um dieses Bauwerk befinden sich Dutzende von Läden, die nepalesische und tibetische Souvenirs anbieten.

Ein schönes Souvenir

Gegenüber dem Stupa liegt eine Thanka-Schule. Thankas sind religiöse Malereien, die im lamaistischen Buddhismus zuhause sind. Der Ursprung liegt weit über 1000 Jahre zurück. Interessiert und aufmerksam beobachte ich die Schüler, die hingebungsvoll im Schneidersitz meditativ und spirituell mit feinen Pinselstrichen Kostbarkeiten malen. Ich zögere nicht lange und lasse mir Mandalas zeigen. Zu meiner Ikonensammlung wird nun noch das “Rad des Lebens" dazukommen.

Platz für die letzten Riten

Pashupatinath habe ich bei meiner ersten Nepalreise als gruselig und gleichzeitig faszinierend empfunden. Nun sehe ich diese Verbrennungsstelle mit ganz anderen Augen. Ich habe mich mit der Kultur beschäftigt, die Verbrennungen gehören dazu. An einem Ufer liegen der Pashupatinath-Tempel und die Verbrennungsstätten. Für einen Toten wird ein Scheiterhaufen errichtet. Vor der Verbrennung bespritzt man die Leiche mit dem Wasser des heiligen Flusses oder wäscht ihre Füße im Wasser, das eher eine dreckige und stinkende Kloake ist. Abwässer werden eingeleitet. Affen, die hier ihr Bad nehmen erkranken. Die Leiche wird nach der Waschung mit feuchtem Stroh bedeckt. Wenn es sich die Familie leisten kann, verwendet man zur Verbrennung neben normalem Holz zusätzlich das kostbare, duftende Sandelholz. Der älteste Sohn, die älteste Tochter oder ein Priester umschreiten dann den Scheiterhaufen fünfmal im Uhrzeigersinn. Die Zahl fünf ist für Hindus heilig. Sie verkörpert die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther. Danach wird mit einem mit Butter getränkten Strohbüschel der Scheiterhaufen angezündet. Nach etwa vier Stunden ist die Leiche zur Asche verbrannt, die in den Fluss gestreut wird.

Bhaktapur - das schönste Städtchen der Welt

Bhaktapur soll das schönste Städtchen der Welt sein.  Die über 60.000 Einwohner sind überwiegend Newar-Bauern. In den achtziger Jahren ist dieses Juwel im Rahmen eines deutsch-nepalesischen Stadtsanierungsprojektes restauriert worden. Und zur Finanzierung neuer Restaurierungen erhebt Bhaktapur, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, eine sinnvoll eingesetzte Eintrittsgebühr. Die Stadt ist fast autofrei. Ich bewundere die Tempel und Pagoden mit den bemalten Holzschnitzereien und steinernen Schutztieren. Die Häuserzeilen haben kunstvoll geschnitzte Fensterrahmen. Vor dieser “Kulisse" machen wir Mittag. Wie auf meiner ersten Reise genieße ich den Zauber und die nepalesische Musik, die an mein Ohr dringt. Die Füße können ausruhen. Die Töpfergassen sind Neuland für mich. Man kann es Idylle nennen, aber es bleibt eine harte und staubige Angelegenheit. Um 17.00 Uhr  geht es in Serpentinen nach Nagarkot auf 2.165 m Höhe. Der Ort ist für den Blick auf wunderschöne Sonnenauf- und Sonnenuntergänge bekannt. Alle Zimmer des Hotels haben Panoramablick. Ich atme auf meiner Terrasse die frische Bergluft. Na, und wie wird das Wetter morgen früh, gibt es den grandiosen Sonnenaufgang? Es sieht gut aus. Bei klarem Wetter wird man uns um 05.00 Uhr wecken. Ich stellte meinen Wecker und bin natürlich vor der Zeit wach.

Sonnenaufgang mit Hindernissen

… als erste betrete ich die große Terrasse, positioniere mein Einbeinstativ, richtige Stelle und  richtige Höhe. Allmählich trudeln die anderen ein. Um 05.37 Uhr … kaum fassbar! Die Welt der höchsten Berge eingetaucht in ein unwirkliches Rot, die Sonne schiebt sich zwischen den 6.000ern und 7.000ern durch, die schneebedeckten Berge sind angestrahlt - umwerfend. Die Digis surren. Für dieses Schauspiel hatte ich mein Stativ gekauft, war auch vorbereitet und hatte auf “Serienbildmodus" gestellt, war geübt darin und trotzdem hat nix geklappt. Nächsten Morgen, leider diesiges Wetter, habe ich den Sonnenaufgang mit der kleinen Digi nachgeholt. C´est la vie. Nach dem Frühstücksbuffet, geht die erste Wanderung los. Es ist 35° C warm. Im nächsten Dorf decken wir uns mit Wasserflaschen ein. Alles muss in den Rucksack. Zuerst geht es ein wenig bergab und ich lege meinen schnellen Gang an den Tag. Ich mag gern vorweg gehen, da kann ich so schön meinen Gedanken nachhängen. Wie sehr freue ich mich über die Schule und die fröhlichen Schulkinder.  Leider haben nicht alle  das Glück, eine Schule besuchen zu dürfen. Es gibt in Nepal über 1.000 Hilfsorganisationen und es tut sich viel, aber noch nicht genug. Weiter geht es. Ich schnüffle schon. Die Käserei ist nicht mehr weit. Wir treten ein und werden freundlich begrüßt. Diese Produktion ist nur zur Herstellung für Süßigkeiten gedacht. Mehr gibt der kleine Betrieb nicht her. Im Dorf ist Waschtag an der einzigen Wasserquelle. Von den Kindern werden wir neugierig bestaunt, oft kommen Fremde nicht vorbei. Es geht nun bergauf, ich werde langsamer, die Hitze, der schwere Rucksack - die Puste geht langsam aus. Der Weg führt vorbei an einer Krankenstation, die von einer Deutschen gesponsert wurde, die seit 15 Jahren in Nepal wohnt. Klar, dass ich rein musste und ein kleiner “Obolus" in die Spendenbüchse wandert. Es wird heiß und heißer und immer steiler. Ich mobilisiere meine letzten Kräfte. Am Ziel angekommen, lege ich mich flach auf den Boden und bin für die nächste halbe Stunde nicht ansprechbar. Eine kalte Cola wird mir gereicht und allmählich kommt wieder Leben in meinen Körper. Ich stärke mich mit einer Hühnersuppe. Nun nochmals 1 ½ Stunden zurück. Fast wie tot falle ich auf mein Bett. Es ist 17.00 Uhr. Zwei Stunden bis zum Abendbuffet.

Nicht jeder muss wandern

Heute soll die zweite, noch längere, Wanderung stattfinden. Im Vorfeld sprach ich mit Hauser in München, ob eine Gelegenheit bestünde, wenn ich diese Wanderung nicht schaffen würde, dass ich im Auto mitfahren könnte, welches das Gepäck transportiert. Wenn nein, hätte ich diese Reise nicht angetreten. Ich verabschiede mich von den Wanderern und bleibe zurück. Für 09.00 Uhr habe ich mich für eine Himalaya-Massage angemeldet. Eine halbe Stunde für die müden, alten Knochen -wie tut das gut. Um 10.00 Uhr steht das Auto vor der Tür. Gepäck ist aufgeladen. Dhulikel erreichen wir nach ca. 1 ½ Stunden Fahrt.
Das große Hotelzimmer im viktorianischen Stil hat schon bessere Zeiten gesehen. Es klopft. Tee wird gereicht. Eine nette Geste. Ich genieße ihn am Balkon, lege meine Beine hoch und warte auf die Wanderer. - Am Abend schauen wir uns Dhulikhel an, es ist ein verträumtes Newar-Städtchen, war aber einst ein wichtiger Handelsplatz. Davon zeugen die schönen Schnitzereien an den Häusern, die leider an vielen Stellen dem Verfall ausgesetzt sind. Die alte Kunst des Holzschnitzens wird in zwei idyllischen Dörfern nahe Dhulikhels gepflegt. Der Abendspaziergang hat hungrig gemacht. Das Buffet ist im Garten angerichtet. Es sieht lecker aus. Ich versuche alles zu probieren - aussichtslos.

Letzte Station Patan

Eine gewisse Wehmütigkeit überkommt mich. Der letzte Tag in Nepal. Die drei Königsstädte, Kathmandu, Bhaktapur und Patan mit ihren tausenden von Heiligtümern sind lebendige Kunstmuseum. Wie in allen drei Königstädten bildet der königliche Palast, Durbar, auch in Patan den Mittelpunkt. Die überwiegend buddhistisch geprägte Stadt erlebte unter den Mallas in der Zeit vom 16. bis 18. Jh. einen Bauboom. Mit mehr als 136 erfassten Bahals - einer Art Hof oder Innenhof - und 55 großen Tempeln kann Patan, “die Schöne", als Wiege der Kunst und Architektur im Kathmandu-Tal bezeichnet werden.

Zurück in Kathmandu

In Kathmandu werden wir am Rand der Altstadt abgesetzt. Rund um den Königspalast stehen Dutzende von Hindu-Tempeln und Pagoden. Ich will mit der Rikscha zurück ins Hotel fahren. Ein schlechtes Gewissen brauche ich mit meinen 58 kg nicht zu haben. Bhola handelt einen Preis aus. Die Straßen sind total verstopft. Der Rikschafahrer weicht dem Verkehrschaos aus, indem er durch kleine Gassen und winzige Seitenstraßen fährt. Familienidyllen auf der Straße. So bekomme ich zu guter Letzt noch einen Eindruck vom Alltagsleben in der Stadt. - Abschiedsessen mit “Everest" und Mail-Adressenaustausch. Dank an Bhola, er ist ein toller Reiseleiter. Souverän hat er die Gruppe geführt.

Tagebuch

Die letzte Nacht ist schrecklich, mein Zimmer hat nur ein Fenster zum Gang. Es ist heiß und stickig. Um 06.00 Uhr gehe ich in den Garten und schreibe Tagebuch. Fazit: Ich komme wieder!

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