Impressionen aus Südäthiopien
Great Rift Valley und Omo vom 25 Juli bis zum 7 August 2008 von unseren Kunden Elisabeth und Joachim Malecki aus Pinneberg
Es ist Regenzeit im Norden Äthiopiens.
Habte, unser lokaler Reiseführer nimmt uns in Addis Abeba am Flughafen herzlich in Empfang. In zwei Landrovern sowie mit einem Koch und einem zweiten Fahrer geht es Richtung Süden vorbei an großen Marabu-Kolonien bis zum Langano-See.
In der dortigen Öko-Lodge werden wir die erste Nacht verbringen. Die Einstimmung während der Anfahrt könnte nicht schöner sein: Wir beobachten Bauern, die ihre Felder mit Pflugschar und Ochsen bearbeiten und lassen die Landschaft auf uns wirken. Am Langano-See dann Natur pur: Seidenaffen, Hornraben, endemische Vogelarten und als Krönung ein Hippo. Tags darauf führt die Route nach Arba Minch und an den Abaya-See. Umgeben von Dreitausendern liegt der zweitgrößte See Äthiopiens nahe am Chamo-See: ocker-trüb der eine, kristallklar der andere. Abstieg zu Fuß über 400 Höhenmeter entlang einer bewaldeten Steilwand. Affen, Paradiesvögel, Quellen, Naturpools. Wir treffen auch Einheimische. Sie sind auf dem Weg zu ihren Bienenkörben, um Honig zu holen.
Wir steigen wieder in die Autos un fahren zum Nechisar-Park,
der auf einer Hochsavanne zwischen den beiden genannten Seen liegt. Zebras, Gazellen und Kudus, Geier, See- und Fischadler tummeln sich im Park. Wir genießen eine atemberaubende Weitsicht. Die anschließende Bootsfahrt auf dem Chamo-See zählen wir zu den Höhepunkten der Reise: Hippo-Familien in sicherer Entfernung - wundervolle Großtiere, gewaltig und Respekt einflössend. Weiter zur Sandbank, auf der sich Dutzende Krokodile räkeln. Die längsten von ihnen sind gut sechseinhalb Meter lang. Einzelne Fischer kreuzen auf abenteuerlichen Schilfflößen mitten im Krokodil-Revier. Zum Ufer hin stehen Pelikan-Kolonien kollektiv auf Fischfang in Kreisformation im seichten Wasser. Gerade legt ein Fischerboot mit Netzen voll Tilabia - einer hiesigen Fischsorte - am Ufer an.
Auf dem Weg ins Konso-Land sehen wir blühende Jacaranda-Bäume, Perlhuhn-Familien, Marabus am Seeufer, afrikanische Seeadler und später Geier über dem Savannen-Plateau. Typisch für Konso sind die meisterhaft gebauten Terrassenmauern, sie prägen das fruchtbare Hügelland. Dank einer genialen Bewässerungstechnik sind mehrere Ernten im Jahr möglich: Hirse, Mais, Teff, Papaya und verschiedenste Gemüsesorten.
Das Dorf Dokatu mit ca. 20 Gehöften und vier großen Gemeinschaftshäusern ist blitzsauber, seine harmonische Architektur beeindruckend. Abfälle und Fäkalien werden vor der Dorfmauer kompostiert, dann auf die Felder gebracht.
Während der Wanderung
durch die Terrassenlandschaft erfahren wir von unserem Reiseleiter viel über die traditionelle Bevölkerungspolitik, die im starken Kontrast zur gegenwärtige Bevölkerungspolitik und ihren Folgen - wie Überbevölkerung - steht.
Beim Dorf Geseryo dann gigantischen Buntsandstein Felsformationen, die Wetter und Erosion in Jahrmillionen geschaffen haben. Ocker in allen Variationen! In Mechelo bekommen wir sogar eine Audienz beim Oberhaupt der Konso. Kalla XX. mit Familie empfängt uns in seinem bescheidenen Anwesen. Ein Mann mit Charisma!
Ganz im Südwesten dann Jinka und der Mago-Nationalpark. Besuch der Dörfer der Tsemy, Benna, Karo, Mursi und Geleb. Auf dem Markt in Key Afer riecht es nach ranziger Butter, Gewürzen und Schweiß. Der große Markt in Turmi wird von den Hamar bestimmt. Sie tragen aufwändigen Frisuren, auffälligen Schmuck und Körperbemalung. Dass wir für das Fotografieren bezahlt müssen, wurde uns schon vorher gesagt, es ist ein faires Preis-Leistungsverhältnis.
Bei einer Tanzzeremonie,
die extra für uns vorverlegt wurde, sehen wir, wie sich die jungen Hamar-Frauen ihre künftigen Liebhaber aussuchen. Wieder riecht es nach Ocker, Schweiß und ranziger Butter, wie übrigens alle mitgebrachten Ketten, Armbänder, Nackenstützen und Stoffe noch Wochen später im trauten Heim.
Und die Unterkünfte? Sehr einfach. Wackelnde Wasserhähne, defekte Steckdosen, unhaltbare Klodeckel, kalte Duschen, gelegentlich Wasser- und Stromausfall. Das war vorher klar und tut der Reise keinen Abbruch.
Zelten bei Turmi macht Spaß und die Mahlzeiten, von Koch Kitius zubereitet, sind vorzüglich. Abnehmen kann man vergessen.
Das größte Geschenk aber ist Habte, unser Reiseleiter. Er scheint jeden Quadratmeter Äthiopiens zu kennen, hat überall Freunde und öffnet für uns Türen.
Es spricht für Hauser-Reisen
kleine Reisegruppen mit lokalen Führern auf die Reise zu schicken. Dafür und für vieles andere herzlichen Dank!
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