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Von Nord nach Süd über den Elbrus - Überschreitung des höchsten Berges Europas

Christa Brookhouse, von Hauser exkursionen Wien (Erkundung im Juli 2008) 

Tal einwärts über eine schwierige Froststraße und einige wilde Bäche

erreichen wir nach fünf Stunden Fahrt das halbverfallene Camp Aksaut. Wildromantisch - wobei die Betonung auf "wild" liegt; denn die Vegetation hat die Hütte teilweise überwuchert. Unsere erste Etappe, eine anspruchsvolle, hochalpine Trekkingtour, führt durch den Kaukasus über mehrere hohe Pässe zum Elbrus Basecamp, dem Ausgangspunkt für die Besteigung von der Nordseite aus. Wir - Christa, Peter, Andreas und Christoph - werden von Alexey begleitet, er ist Chef der Hauser-Partneragentur und ein ausgezeichneter russischer Alpinist. Bis zum Basecamp sind auch Luba, die Köchin, und Zafir, der Fahrer, mit seinem Geländewagen der Marke UAZ “Büffel" dabei.

Am nächsten Morgen geht

es um 05.00 Uhr los - ab jetzt per pedes. Wir begegnen kaum Menschen. Weder Handys noch Flugzeuge stören die Idylle. Es gibt nur uns fünf. Das Wandern gleicht einer Art bewegter Meditation. Oft ist es mühsam, das Gelände fast weglos: Laub- und Nadelwälder, wilde Schluchten, reißende Bäche, die wir durchqueren müssen, Eis, Fels, Gletscher und über 3.000 m hohe Pässe. Rhododendren und Akeleien blühen, Thymian duftet - wir laufen durch mannshohe Blumenwiesen und mystischen Hochwald inmitten der bizarren Gebirgswelt des Kaukasus. Die Vegetation reicht bis auf 2.500 m hinauf, fast übergangslos fließen die Gletscher in die bunten Bergwiesen.

Über Umwege transportieren Luba und Zafir Verpflegung und Ausrüstung zu den Lagern. Wir wandern über hohe, oft schneebedeckte Pässe. Am späten Nachmittag treffen wir an den Zeltplätzen wieder alle zusammen. “Tischlein deck Dich" - Luba leistet ganze Arbeit: kräftiger Bortsch, Krautspeisen, gefüllte Teigtaschen ähnlich Momos, Schaschlik, Fleischlaibchen, Lammeintopf - köstlich. Dazu gutes Bier und zum Abschluss einige Runden Wodka mit Toasts auf das Wetter, auf uns, auf eine schöne Tour, auf die Liebe usw..

Gut "eingegangen" erreichen wir

nach zehn unvergesslichen Tagen das Basecamp auf der Nordseite des Elbrus. Es liegt auf ungefähr 2.500 m. Technisch sind die beiden Gipfel des Elbrus relativ leicht, denn außer sicherem Steigeisengehen und guter Ausrüstung entscheiden hauptsächlich Kondition, mentale Stärke und Wetter über den Gipfelerfolg. Da der Anstieg von der Nordseite sowohl logistisch als auch konditionell und psychisch weit anspruchsvoller ist als von der Südseite, treffen wir nur auf ganz wenige Gesinnungsgenossen.

Der Abschied von unseren beiden

guten Geistern Luba und Zafir fällt schwer, nicht nur weil wir ab sofort unser Gepäck selber tragen müssen. Die Rucksäcke werden empfindlich schwer, es ist alles drin, was wir für die nächsten drei Tage brauchen. Am nächsten Morgen steigen wir teils weglos zur “Uncle Nicks Hut" auf, eine einfache Hütte auf knapp 3.800 m - Zweck entsprechend. Von hier haben wir einen phantastischen Ausblick auf beide Gipfel des Elbrus. Sie scheinen so nahe, dass wir uns gar nicht vorstellen können, noch zwei anstrengende Tage vor uns zu haben. Ab hier gehen wir mit Steigeisen. Ziel ist der Hochlagerplatz auf ca. 4.700 m, das Camp bauen wir selbst auf.

Morgen ist Gipfeltag! Wir sind alle ein bisschen aufgeregt - wie es uns wohl gehen wird? Was ziehen wir an? Wird das Wetter so bleiben? Werden wir es schaffen und was, wenn nicht?

Wir schlafen schlecht und sind froh als um 02.00 Uhr Alexey's Handy mit als Weckrufe bekannte Songs wie “Happy Birthday" zu summen beginnt. Eis aufhacken, Schnee schmelzen, Tee kochen, im engen Zelt anziehen, Ausrüstung verstauen, es dauert alles sehr lange. Irgendwann gibt es auch Porridge. Ich esse ihn gern, aber für die Anderen bedeutet besagter “Haferflockengatsch" mehr Strafe als Belohnung. Tapfer schlingen sie das Zeug hinunter. Angesichts der schwierigen Etappe erhofft sich jeder davon eine ähnliche Wirkung wie einst “Popey, der Seemann" vom Spinat.

Noch ist der Tag nicht angebrochen.

Doch im fahlen Licht der schmalen Mondsichel können wir den Anstieg erkennen und freuen uns bereits auf das, was uns heute erwartet. Um 04.30 Uhr Start bei sternenklarem Nachthimmel. Es ist nicht allzu kalt - minus zehn Grad und windstill. Wir bewegen uns langsam … Schritt für Schritt, teils in einer Seilschaft. Das Licht der Stirnlampen flackert, die Steigeisen knirschen, unser Atem geht schwer. Bis zum Westgipfel sind noch ca. 1.000 Höhenmeter zu bewältigen. Die Luft wird merklich dünner - “flach atmen" - erinnert uns Alexey immer wieder. Je näher wir kommen, desto weiter scheint sich unser Ziel zu entfernen. Der Sonnenaufgang auf etwa 5.000 m schenkt wieder Zuversicht. Trotz Kälte sind es schweißtreibende Stunden. Der Weg zum Sattel ist nicht allzu steil, aber mühsam und langatmig. Oben trauen wir unseren Augen nicht. Vorbei ist es mit der Einsamkeit, am Sattel treffen wir auf die Gipfelaspiranten, die von der bergsteigerisch viel einfacheren Südseite kommen. Kurze Pause. Noch 350 m, eine Stunde und es ist geschafft. Die Anspannung der letzten Stunden fällt mit einem Mal ab. Wir stehen auf dem Dach Europas - am Westgipfel des Elbrus auf 5.642 m - und werden belohnt mit einem überwältigenden Bergpanorama. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Ein paar stille Minuten - dankbar, hier sein zu dürfen, ein paar liebevolle Gedanken an die Daheimgebliebenen - unauslöschbare Momente für Körper, Geist und Seele. - “Hoch über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos." Noch am selben Tag bewältigen wir den langen Abstieg über die Hauptroute - die Südseite.
Eine grandiose Reise, unvergessliche Eindrücke und ein absolut empfehlenswertes Bergerlebnis für gut konditionierte Trekker, die ein bisschen Expeditionsluft schnuppern möchten.

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