Reisebericht: Iran - Wüste, Steppen und Oasen

Von Krafthäusern, Khorescht und Kamelen

Bis zu vierzig Kilo schwer sind die Keulen, die die Männer drei Meter von uns entfernt in der achteckigen Grube des Zurkhaneh schwingen. Die warme, nach Schweiß riechende Luft ist erfüllt vom Klang der Trommeln und den  Versen, die der Vorturner von Zeit zu Zeit rezitiert, während  zwei Dutzend Männer sich mit Liegestützen aufwärmen oder sich wirbelnd um die eigene Achse drehen. Diese Kampfsportübungen haben ihren Ursprung in vorislamischer Zeit. Seit der islamischen Revolution von 1979 trainieren die Sportler mit halblangen Stoffhosen und T-Shirts, früher war der Oberkörper frei.  Frauen, wie an allen anderen öffentlichen Orten mit einem Tuch auf dem Kopf,  dürfen zuschauen. Wir sind fasziniert von dieser archaischen Vorstellung. Wie wir bereits den ganzen Tag in Yazd, der größten Wüstenstadt der Welt, nicht mehr aus dem Staunen herausgekommen sind. Großartig, wie die alten Lehmbauten mit ihren Kuppeln und Windtürmen restauriert werden und die Besucher in die Zeit der Handelskarawanen zurück versetzt.  

Am elften Tag

... unserer Reise haben wir die Fahrt mit Geländewagen durch die Südliche Rig-e Jen Wüste hinter uns. Sind beeindruckt von den hohen Dünen und den Salztonebenen, von denen bereits  Sven Hedin und der österreichische Forscher Alfons Gabriel berichteten. In Zelten unter einem großartigen Sternenhimmel haben wir übernachtet und in alten Karawansereien, die zu stimmungsvollen Herbergen hergerichtet wurden. Die Nächte zeigten sich Mitte November recht kalt und auch der erste Tag auf den Kamelen war recht frisch. Außer einem alten Mann, der mit seinem betagten Motorrad auf der Suche nach entlaufenen Kamelen am Ufer des Salzsees entlang pflügte,  begegnete uns weder auf der Geländewagentour noch beim Kameltrek eine Menschenseele. Wie eindrucksvoll die Stille und Einsamkeit der Wüste doch immer wieder ist. Jeder suchte für sein Zelt ein weit entferntes Plätzchen auf der Düne oder in einer kuscheligen Senke. Treffpunkt war nach Sonnenuntergang das Lagerfeuer, das die Kamelmannschaft die ganze Nacht nicht ausgehen ließ. 

Kultur

Nach diesen erholsamen Tagen steht uns nun ein geballtes Kulturprogramm bevor, durch das unserer Guide Davood führt. In melodischem Deutsch spricht er über die Dichter Hafez und Saadi in Shiraz und bringt uns ganz nebenbei vieles über den Alltag der 80 Millionen Iraner näher. Eine besonders glückliche Hand hat er bei der Auswahl der Restaurants. Wir bekommen neben den üblichen köstlichen Lamm-und Hähnchen-Kebabs Reis mit der knusprigen Safran-Kruste, Khorescht genannte Eintöpfe mit würzigen Kräutern, überbackene Auberginen und säuerliche Granatapfelsaucen. Natürlich kennt er auch die besten Konditoreien und ergattert im Vorbeigehen ein ofenfrisches Fladenbrot. 

Der Führung durch die Achämeniden-Residenz Persepolis zwei Tage später folgen sogar Geschichts-Muffel mit echtem Interesse, da Davood uns nicht mit Fakten erschlägt sondern in Kürze alles vermittelt, was für das Verständnis  dieses Riesenreiches vonnöten ist. Dass in seiner Heimatstadt Isfahan der sonst meist ausgetrocknete ZayandehRud viel Wasser führt und die berühmten Brücken Si-o-se-Pol und Pol-e Khaju in ein abendliches Märchen aus Tausendundeinernacht verwandelt ist nun einfach Glück. 

Damavand im Abendlicht

Als ich auf der Rückfahrt auf der Autobahn südlich von Teheran über den Wolken auch noch  den 5761 Meter hohen Damavand im Abendlicht erspähe, ist das Glück perfekt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige der Teilnehmer unserer  Wüsten, Steppen  und Oasen-Tour sich diesen Berg und einige der Viertausender des Heserchal noch genauer anschauen werden.

Ich bin dabei! 

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(2015)