Reisebericht: Italien - Unterwegs in den Abruzzen

Mit Hauser unterwegs in den Abruzzen

Bella Italia – wohl das Land das ich am häufigsten bereiste. Diesmal reizte mich das unbekanntere Italien und ich wollte meinen Urlaub in den Bergen verbringen. Vom Apennin, der sich 1.500 km durch den ganzen Stiefel hinunter zieht, liegt der höchste Berg, der Gran Sasso d´Italia (2.912m) in den Abruzzen. Oft hörte ich Hauser Gäste begeistert davon erzählen. Und von Giovanni Nori, der seine Touren mit viel Liebe zum Detail und Insider-Tipps bereichert. In drei unterschiedlichen Gegenden und National Parks übernachten, von da aus die schönsten Wanderungen unternehmen. Also kaum Gepäck ein- und auspacken und sehr sehr wenig fahren. Das gefällt mir.

Wir sind zu acht unterwegs, mehr geht bei dieser Tour nie.

Bild dazu:

P1220574 Hochebenen im Maiella National Park

P1220190 Aussichtskanzeln im Maiella National Park https://www.dropbox.com/sh/tgrxynanvsuqkxl/AACbU8jmi5shfOgv8FkCjE7-a?dl=0

 

Italiener nennen es liebevoll Piccolo Tibet – wir finden das trifft es gut

Was hat mich beim Lesen des Programmes angesprochen? Wenn ich ehrlich bin, war es, als von „piccolo Tibet“, dem kleinen Tibet, die Rede war. Ich liebe die Weite und Klarheit, das besondere Licht und die Stimmungen des tibetischen Hochplateaus. Etwas Vergleichbares in Europa, das fand ich spannend.

Rau ist sie, die Hochebene mit Blick auf den vielleicht schönsten, aber zumindest höchsten Berg der Apenninen, den Gran Sasso d´Italia (2.912m). Weit schweift unser Blick und das Licht bricht sich warm in den goldfarbenen Gräsern. Am Horizont zeichnen sich gewaltige Bergzacken ab. Die Wetterküche am Himmel sorgt für ständig neue Stimmungen.

Ob wir den Gran Sasso besteigen können, bleibt eine Laune der Wettergötter. Wir hatten eine Woche lang nur strahlend blauen Himmel und Sommerhitze. Nun haben wir doch zu Recht Regenjacke, Handschuhe und Mütze im Gepäck.

Salve….salve! So begrüßen uns die italienischen Wanderer. Wir alle stehen über 2.000m Höhe zusammen in einer kleinen italienischen Schutzhütte. Dann beim Weiterwandern reißt der Himmel auf und gibt zaghaft den Blick frei, sogar bis zum Meer. Das Massiv des Gran Sasso d´Italia sowie den Menschen zu seinen Füßen erleben wir facettenreich.

Bild dazu: P1220728 Piccolo Tibet und der Gran Sasso

oder P1220172 Panoramaweg in den Abruzzen

oder IMG_20170831_145512 Hochweiden zu Fuße des Gran Sasso

 

 

 

Und nach der Wanderung…zu Gino in die Bar Centrale

Bars sind in Italien eine Institution und gehören zum Alltag wie die Pasta. Gino war Hotelier und nun führt er mit 82 Jahren noch die Dorfbar. Er weiß es schon! Wenn Giovanni Nori mit seiner Wandergruppe kommt, gibt es die Capuccino-Fraktion und die, die ein kühles Bier wünschen. Weil es nach einer Bergtour nichts Schöneres gibt, als in einem alten Bergdorf einzukehren. Da, wo sich am Dorfplatz jeder trifft, wo Geschichten erzählt werden und man eine kleine Auszeit nimmt. Den Tag Revue passieren lassen, genießen, sich auf den Abend vorbereiten. Auch der verspricht Genuss, denn in den Abruzzen wird auf regionale Küche Wert gelegt. Aber das ist eine andere Geschichte….

Bild dazu: IMG_20170830_223307_207 Gino in der Bar in Pietracamela

Oder P1220451 Caramanico Terme in den Abruzzen

Briganten und der Rebell unter den Päpsten – Abruzzen historisch!

Mitten in der Stille das Läuten einer Glocke. Abgelegen wandern wir durch wilde Landschaft und erreichen durch einen Felsdurchgang eine Einsiedelei. Wir erfahren von Rebellen der Kirchengeschichte. Hier, oberhalb einer Schlucht im Majella National Park lebte Pietro da Morrono als Eremit. Bis der Vatikan ihn als Papst haben wollte. Jedoch… von dem ganz anderen Leben hatte er, Cölestin V. schon nach 4 Monaten genug und dankte wieder ab. Die wilde Bergwelt der Abruzzen war nicht nur für Eremiten ein Rückzugsort. Auch für die Briganten, die sich der Staatsmacht widersetzten.

P1220362 Einsiedelei in der Orfento Schlucht

P1220342 Giovanni Nori vor der Einsiedelei in der Orfento Schlucht

Ist Pecorino ein Schafskäse oder eine Weisweinrebe?

Beides… Aber die Schafe haben die Geschichte Mittelitaliens viel mehr geprägt. Man stelle sich die Wanderung von 5,5 Millionen Schafen von Apulien in die Abruzzen vor, die Transhumanz! So viele waren im 15. Jhd. da unterwegs, wo wir heute wandern. Wir begegnen auf den Hochebenen Schafhirten, die heute bis zu 500 Tiere hüten und erfahren von ihrem heutigen Leben. Ihre Tiere werden von freundlichen, strahlend-weißen Hunden gehütet. Unsere Gruppe scheinen sie als willkommene Abwechslung zum Spielen zu betrachten.

Foto: Abruzzen_Schaefer_Schafherde

Oder P1220309 Blaudistel

 

Wir wohnen im wunderschönen, mittelalterlichen Dorf Santo Stefano di Sessanio. Bei der Besichtigung entdecken wir ein original Steinwappen der Medici. Sie bauten hier Reichtum auf… mit Wolle und Lammfell. Die verwinkelten Gassen atmen Geschichte.

Foto: P1220689 – Gassen in Santo Stefano di Sessano

 

Was hat Slow Trekking und Slow Food gemeinsam?

Es geht bei Slow Food um Genuss, Lebensqualität und auch Nachhaltigkeit. In den Abruzzen trifft alles zu. Bei unserer Trekkingtour auch. Mal mehr Trekking….und ja, mal mehr Essen J. Nach nur ganz kurzer Fahrt wandern wir in Giovannis optimalem Gehtempo. Er will, dass wir auch längere Touren voll genießen können. Aber der Gipfel, also der volle Genuss kommt nach dem echten Gipfel immer ein zweites mal, nämlich abends in unserem Wanderhotel. Wir kommen zurück in staubigen Wanderstiefeln, da überrascht uns Maurizio auf der Terrasse schon mit einer Platte Bruschetta. Tomaten aus eigenem Garten! Fiorella kocht hier schon 25 Jahre. Für uns bereitet sie gerade mit Berg-Wildkräutern, abruzzesischem Käse und Safran gefüllten Nudelrollen zu. Gabriella hingegen ist der gute Geist des Hauses. Sie füllt uns jeden morgen geduldig Wasserflaschen auf und richtet uns Panini für die Wanderung. Man spürt, dass wir als Wanderer wirklich willkommen sind.

Unsere nächste Unterkunft: ein Haus aus der Zeit der Medici, der historische Gasthof in der ehemaligen Poststation – ein Kleinod an Hotel. Mario, der gesprächige Hausherr, der uns an Salvador Dali erinnert, erzählt uns von den Medici. Er kommt in Fahrt, denn er erzählt gerne und lebhaft, dabei wirbeln seine Arme in der Luft. Und so kommt es, dass unsere Gruppe beim Abendessen noch länger am Essen sitzt als die Italiener selbst. Dann lädt er uns ein in die Hausgrotte. Hier reifen etwa 10 Käselaibe, nur für den Hausgebrauch. Glück, wer hier Gast sein darf! Wir sind uns alle einig, die besondere Mischung aus Bergerlebnis und regionaler Küche macht´s … vor allem in Italien!!

Foto: P1220456 – Küchencrew in Caramanico Terme

P1220165

 

Folgendes nur noch falls sinnvoll und nicht eh schon zu langer Text:

Und noch ein Tipp für eine Verlängerung

Rom – die ewige Stadt! Hauser exkursionen bucht seine Gäste in einem ehemaligen Kloster ein. Im ruhigen Innenhof mit Orangenbäumen kann man sich zwischen Stadtbesichtigungen gut entspannen. Und wohnt mitten im alten Stadtteil Trastevere – wo das ursprüngliche Rom noch zu finden ist.

P1220078 – Rom, die ewige Stadt

P1220075 Rom Campidoglio