Reisebericht: Kenia mit Kindern - "Karibu Watoto"

„Später möchte ich Massai werden”

Kennen Sie Kinder, die gerne wandern?

Ich habe Wanderungen meine ganze Kindheit und Jugend hindurch aus tiefstem Herzen verabscheut und betrachte es als deutliches Zeichen des Älterwerdens, dass ich mittlerweile sehr gern (und leider viel zu selten) wandere. Selten sind unsere Wanderungen nicht zuletzt auch deshalb, weil unser Sohn Florian (12) sich dafür natürlich partout nicht erwärmen kann. Fußball, Tennis, sogar Golf Spielen, da ist er jederzeit mit Begeisterung dabei, wandern lehnt er ab. Zu fad.
Vor diesem Hintergrund war unsere Entscheidung für eine Trekking-Reise in Kenia - Trekking klingt übrigens sehr viel cooler als Wandern -, von der wir dieser Tage zurückgekehrt sind, schon einigermaßen mutig. Und dieser Mut hat sich voll ausgezahlt! Wir haben Erinnerungen an eine der schönsten Reisen mitgebracht, die wir je miteinander unternommen haben.

Gleich die ersten drei Tage unserer Tour

boten jeweils drei- bis vierstündige Wanderungen in den Chyulu Hills. Unsere Betreuer, bis zu sechs Mann, die sich um den Aufbau der Zelte und unsere Verpflegung kümmerten, suchten wunderschöne Plätze für die Zeltlager aus, mit herrlichem Ausblick auf den Kilimanjaro und in die unendliche Weite der Ebene, aus der sich malerische Vulkanhügel erheben. Wir haben Sonnenuntergänge gesehen! Dass sich selbst Florian zu uns setzte und das Schauspiel genoss (vielleicht auch, weil weit und breit keine Playstation oder ein Fernseher ein Alternativprogramm bot). Das waren schöne ruhige Momente, in denen die Zeit still zu stehen schien.
Apropos Zeit. Die hat in Afrika viel weniger Gewicht. Alles dauert sehr viel länger, jede 20-Kilometer-Fahrt, jedes Warten auf das Essen, jedes Mal Geld-Wechseln. Und das ist ganz in Ordnung. Hakuna matata, kein Problem. Und genauso wenig ist es ein Problem, wenn Juma, unser Fahrer, ankündigt, dass er uns am nächsten Tag um 6 Uhr in der Früh abholt (Frühstück ab 5 Uhr) zur Pirschfahrt in der Morgendämmerung. Kein Murren, kein Verhandeln. See you tomorrow!

Die Zelt- und Trekkingtage waren natürlich

schon auch anstrengend. Die Nächte im Zelt, mit dem Schlafsack direkt auf dem Boden, waren nur teilweise erholsam. Man geht zwar schon um spätestens 10 Uhr schlafen und steht gegen 7 oder 8 Uhr wieder auf, aber das heißt noch lange nicht, dass dazwischen 9 Stunden Schlaf liegen. Ich musste mich an die Geräusche gewöhnen, an den schmerzenden Rücken, an die Temperatur, die nachts auf 10 Grad absinken kann. Entschädigt wird man durch großartige Naturerlebnisse. Eine Antilopenherde zu beobachten, die im Mondschein zwischen den Zelten grast, zum Beispiel.

Die Wanderungen selbst,

Verzeihung: die Trekking-Touren, waren gemütlich. Den einen Hügel rauf, den nächsten runter, manchmal querfeldein, manchmal auf kleinen Wegen und immer in einer atemberaubend schönen und für uns so fremden Vegetation: üppiges Grün, mächtige Bäume, verschiedenste zarte Blüten und das alles mit kundigen einheimischen Führern, die auch über die Verwendung der verschiedensten Blätter und Wurzeln in der Heilkunde Bescheid wissen. Und dann sind da natürlich die Tiere! Die Wanderungen machten den Einstieg leicht, auch für nicht sonderlich Tier-affine Menschen wie mich. Wir begegneten vielen Antilopen, Gazellen, Zebras, Affen, den lustigsten Vögeln, Eseln, Giraffen und ich fühlte mich langsam heimisch, jedenfalls sehr sicher und gut aufgehoben bei unseren ortskundigen Begleitern. Von Elefanten und Leoparden entdeckten wir beim Wandern nur die Spuren, die Tiere selbst bekamen wir dann ein paar Tage später zu Gesicht. Da standen wir allerdings im Auto, bei der Pirschfahrt. Und das war auch gut so.

Kinder arbeiten

Nicht zu übersehen ist in Kenia die Tatsache, dass Kinder arbeiten. Ziegen, Schafe und Kühe der Massai werden sehr oft von Kindern, so etwa zwischen acht und zwölf Jahre alt, gehütet. Mich stimmte das recht nachdenklich. Meiner Meinung nach ist das doch eine recht schwere, mitunter auch gefährliche Arbeit. Und was ist mit der Schule? Mein Sohn sah das jedenfalls ganz anders. "Die dürfen schon eine echte Arbeit machen und sind den ganzen Tag mit Tieren zusammen und in der Natur. Ich wär auch gern ein Massai", meinte er, um sich dann bei Enoch, unserem Massai-Guide, nach den Details zu erkundigen. Also: Mit etwa neun Jahren lernt der Massai-Junge, seine Tiere gegen Geparde und andere Raubtiere zu verteidigen. Mit dem Speer. Jüngere Viehhirten, die mit einer solchen Gefahr konfrontiert sind, laufen ins Dorf und holen Hilfe. Wobei Raubkatzen nur äußerst selten Menschen anfallen, die Gefahr gilt meist dem Vieh. Höchstens alte Löwen, die allein leben, suchen sich manchmal ihre Beute unter den besonders Schwachen, den Menschen.

Und dann kann es passieren,

dass die Massai auf Löwenjagd gehen. Um ihr Vieh oder auch ihre Stammesgenossen zu verteidigen. "Dabei sind die Massai eigentlich gar keine Jäger. Sie lassen die Raubtiere und Zebras und Gnus und alle anderen in Ruhe leben", freute sich mein Sohn, der immer mehr zum Massai-Fan wurde.
Ja, das finde ich auch schön. Gut fand ich auch, dass sich Florian die ganze Zeit auf Englisch mit Enoch unterhält. Das ging wunderbar, und er war sehr froh über seine Sprachkenntnisse, die während des Schuljahres immer wieder mal eher mein Anliegen waren als seines.

Zur Reise: Ostafrika mit Kindern – Karibu Watoto – Kenia und Tansania


Frau Elli Schintl (Reiseteilnehmerin)