Reisebericht: Kilimanjaro und Sansibar

Vorbereitung und Unsicherheiten

Als meine Teamleiterin mir nahelegte den Kilimanjaro zu besteigen quasi - zu Weiterbildungszwecken - war ich baff. Trotz meiner täglichen Arbeit im Afrika-Team war dieser Berg sehr, sehr weit weg von meiner persönlichen Realität. Ich konnte mir nicht vorstellen da hochzukommen, da ich nicht übermäßig sportlich bin und nie höher als auf 3.000m unterwegs war. 

Also habe ich mich von meinen Kolleginnen und Kollegen intensiv beraten lassen. „Du solltest ein halbes Jahr, bevor es losgeht, regelmäßig Ausdauersport machen!“ Das habe ich mehrmals gehört – und gehofft, dass der Nächste mir etwas anderes rät.

Einen Monat vor meiner Abreise habe ich schließlich damit angefangen, Laufen zu gehen. Der Faktor Höhe ist nicht kalkulierbar – aber aufgrund fehlender Kondition den Gipfel nicht zu erreichen wäre mir peinlich gewesen. Andere Tipps habe ich mir mehr zu Herzen genommen: Viel Trinken, langsam gehen. Und das persönliche Mantra einer Kollegin für die letzte Gipfeletappe:  „In 12 Stunden ist alles vorbei!“

Jambo Kenia – Hallo Kenia

Landung in Nairobi. Wir werden abgeholt und fahren gen Südosten. Am Nachmittag kommen wir an unserem ersten Zeltplatz an. So habe ich mir Afrika vorgestellt! Der Blick schweift in die Weite der Savanne, an Zebras vorbei, bis zu den sanften Chyulu Mountains.

Keine Touristen – außer uns. Nur die Maasai und wir. Enok, unser Guide, erzählt vom ursprünglichen Leben seines Volkes mit der Natur und den Tieren. Wir spüren die besondere Gastfreundschaft und Willkommenskultur der Massai, das gegenseitige Interesse der Kulturen lässt spannende Gespräche entstehen.

Wilde Tiere und viele Beobachter

Unser nächstes Ziel ist der Amboseli-Nationalpark. Die Annehmlichkeiten unserer komfortablen Lodge wissen wir nach den zwei Zeltnächten sehr zu schätzen. Wie es uns wohl nach sechs schweißtreibenden Tagen am Kilimanjaro, ohne Dusche und richtigem Bett, gehen wird?

Die Pirschfahrt beginnt frühmorgens. Wir öffnen das Dach unseres Landcruisers - jetzt heißt es Ausschau halten. Zebras queren die Piste, Elefantenhorden ziehen vorbei und unzählige Flamingos stehen in der Ferne im Wasser. Wasserbüffel suhlen sich im Schlamm.

Am späten Nachmittag brechen wir zur zweiten Pirschfahrt auf, die Landschaft leuchtet im gleißenden, schwächer werdenden Sonnenlicht. Weit entfernt entdecken wir sehr alte Elefanten, sie wirken wie der Rat der Weisen. Ihre Stoßzähne reichen fast bis zum Boden. Wir fahren weiter und entdecken eine Vielzahl von Safari-Fahrzeugen, die alle an einer Stelle stehen. Auf einmal erhebt sich hinter einem Busch, direkt neben der Straße, eine Löwin. Gemächlich geht sie ein paar Schritte und legt sich wieder hin, als würde sie für die vielen Beobachter posieren. Der eigentliche Grund ihrer Anwesenheit ist ein Warzenschwein in circa hundert Metern Entfernung.

Auf der Rückfahrt sehen wir das Kilimanjaro-Massiv im Abendlicht. Dieser Berg sieht selbst aus über 100 km Entfernung so riesig aus. Ob ich da wohl hochkomme?

Auf zum höchsten Punkt Afrikas!

Wir fahren südwärts über die Grenze nach Tansania zum Nalemoru Gate (2.020m), wo unsere vier Guides und die Begleitmannschaft auf uns warten. Wir packen unser limitiertes Berggepäck in die zur Verfügung gestellten Packsäcke. Es geht los. Aber bloß nicht zu schnell! „Pole Pole!“ (Auf Swaheli langsam) ist stets unser oberstes Gebot. In den dichter werdenden Bäumen raschelt es und wir sehen schwarz weiße Affen, die von Ast zu Ast springen. Aus dem Rainforest kommen wir in die Moorlands, die von niedrigen Bäumen und Büschen geprägt sind. Wir erreichen unseren ersten Schlafplatz, das Simba-Camp (2.671m).

Unsere Guides bringen uns ein Lied bei: „Jambo, Jambo Bwana, Habari gani? mzuri sana, Wageni Wakaribischwa, Kilimanjaro, Hakuna Matataa…“ (Auf Swaheli: Hallo Herr, wie geht’s Dir? Mir geht es gut, Besucher herzlich willkommen, Kilimanjaro, mach Dir keine Sorgen!). Dieses Lied wird uns in der Zeit am Berg begleiten und macht gute Laune. Unser nächster Lagerplatz bei der Second Cave liegt auf 3.450m. So hoch war ich noch nie, aber es geht mir sehr gut. Wir werden allerdings auch perfekt versorgt: Morgens gibt es Porridge, Toast, Ei, Marmelade und Obst. Mittags und abends immer eine Suppe, Salat, Fleisch, Reis oder Nudeln und zum Nachtisch meistens wieder frisches Obst.

Am nächsten Morgen erstrahlt der Kilimanjaro rot im Morgenlicht, früh aufstehen lohnt sich! An der „Third Cave“ auf 3.800m angekommen liegt unter uns das Wolkenmeer und vor uns der mächtige Kegel des Kibo. Langsam spüre ich die Höhe und schnaufe entsprechend mehr, ansonsten kann ich mich überhaupt nicht beklagen. Das Essen schmeckt nach wie vor ausgezeichnet und ich schlafe gut - aufgrund der sinkenden Temperaturen zum ersten Mal in beiden Schlafsacklagen, eine aus Daunen und aus Kunstfaser.

Wir gehen weiter, die letzten Sträucher weichen, auf ca. 4.500m haben wir die nächste Vegetationszone, die Alpine Desert, erreicht. Jetzt merkt man, dass es wirklich wichtig ist, langsam zu gehen. Sobald ich zu schnelle Bewegungen mache, bekomme ich zu wenig Luft und Kopfschmerzen. Zudem sind 3 bis 4 Liter Flüssigkeit pro Tag auf jeden Fall ratsam! 300 Meter höher erreichen wir unseren letzten Stützpunkt vor dem Gipfel, die School Hut. Wir machen es uns in der Hütte so gut es geht gemütlich. 12 Schlafplätze, mit dicken Schaumstoffmatten ausgerüstet, und ein Esstisch. Unser Appetit war schon mal größer, aber Essen ist wichtig, wir brauchen die Energie.

Vier Kleidungsschichten oben - drei Kleidungsschichten unten

Die Nacht war kurz! Um 23:00 Uhr wird schon wieder aufgestanden, damit wir um Mitternacht startklar sind. Viele, viele Kleidungsschichten und ein Paar Daunenhandschuhe im Format von Boxhandschuhen sollen mich warm halten. Als Mitternachtssnack bekommen wir Tee und Kekse, dann gehen wir los. Ganz langsam und stetig in einer langen Schlange von Gipfelaspiranten, die sich, je länger wir unterwegs sind, in einem immer weiter werdenden Feld verteilt. Wir sehen die Lichter von Loitokitok. Nach ein paar Stunden machen wir eine kurze Pause an der Hans-Meyer-Höhle. Ab jetzt geht es in endlosen Kehren steil bergauf. „Wie sollen wir das nur schaffen, die anderen sind so unglaublich weit oben…“, denke ich mir, während ich im 90°-Winkel hinauf schaue. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit für das Mantra „in 12 Stunden ist alles vorbei“. Ich besinne mich aber eher auf den Rat „Einen Schritt vor den anderen, schau nicht nach vorne und nicht zurück, geh einfach weiter!“

Die Nacht ist lang und kalt. Es wird Zeit, dass die Kraft spendende Sonne aufgeht, dann wird alles besser, sagen wir uns. Normalerweise sollte man bei Sonnenaufgang am Gilman’s Poínt sein. Wir waren sehr langsam, daher haben wir, als die Sonne endlich hinter dem zerklüfteten Mawenzi erscheint, noch 2 Stunden Gehzeit durch Lavaschotter vor uns. Der Weg zieht sich. Um 11:30 Uhr stehen wir am höchsten Punkt Afrikas, dem 5.895m hoch gelegenen Uhuru Peak, stolz und voller Ehrfurcht, und schießen unsere Gipfelfotos.

Jetzt ist es an der Zeit für einen schnellen Abstieg. „Hauptsache hochkommen, runter geht es dann schon irgendwie“ habe ich mir während des langen Aufstiegs gedacht. Aber der Abstieg hat es aber auch ganz schön in sich, es ist neblig und wir geraten in ein Schneetreiben. Um ca. 20:00 Uhr sind wir endlich bei der Horombo Hut angekommen. Unsere Zelte sind bereits aufgebaut. What a day! So gut habe ich an keinem der Tage zuvor geschlafen. 

Am nächsten Morgen, vor dem Aufbruch zur letzten Etappe, feiern wir mit unserer Begleitmannschaft die Gipfelbesteigung mit mittlerweile alt bekannten Liedern. Das letzte Stück Weg durch dichten Regenwald ist die landschaftlich schönste Etappe - aber mir reicht es jetzt. Es wird Zeit für eine Dusche und ein Bett. Und ein Kilimanjaro Bier aus dem Shop am Marangu Gate. Dann mit dem Kleinbus nach Arusha in ein unwirklich erscheinendes, schickes Hotel. Nach den Strapazen der letzten Tage kann ich den Luxus der großzügigen Anlage zuerst gar nicht richtig fassen.

Sansibar, Sehnsuchtsort im Indischen Ozean

Wir werden abgeholt und fahren zum Flughafen, für unseren Flug nach Sansibar. Als wir an den Sicherheitskräften am Kilimanjaro Airport vorbeifahren, fällt mir auf, dass auf dem Ticket Arusha als Abflugort angegeben ist. Ich frage unseren Fahrer, ob wir denn hier richtig seien, woraufhin er kurzzeitig sehr still wird. Wir sind am falschen Flughafen. Jetzt heißt es Gas geben! Wir missachten jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung, unser Fahrer sagt „Hakuna Matataa – no problem“, aber gleichzeitig spricht er davon, dass um 7 Uhr abends noch eine Maschine nach Sansibar fliegt. Kurz nach 12 Uhr sind wir schließlich am richtigen Flughafen. Wir haben noch eine gute Stunde Zeit, bis unser Flieger geht - Hakuna Matataa.

Unser schönes Hotel am Indischen Ozean ist genau das, was man nach den Strapazen der letzten Tage brauchen kann: Meer, Sonne und Erholung. Am nächsten Tag fahren einige von uns nach Stone Town, die anderen relaxen lieber am Pool. Die Stadt ist durch viele Einflüsse geprägt. Über zwei Dynastien gehörte Sansibar zum Oman, außerdem finden sich hier indische und europäische Einflüsse. Auf einer der arabisch beeinflussten Dachterrassen lauschen wir dem Muezzin und genießen den schönen Blick über die Stadt und das Meer.

Ein paar weitere Tage auf Sansibar hätten mir gut getan. Doch es ist schon wieder Zeit, die Heimreise anzutreten.

Kwaheri Afrika (auf Swaheli „Auf Wiedersehen Afrika“)! Diese Reise hat mich die Liebe zu dem Kontinent gelehrt. Die freundlichen Menschen und die vielfältige Natur. Und nicht zuletzt die wilden Tiere - Afrika hat mein Herz im Sturm erobert.

Es gäbe noch so viel zu sagen zu dieser Reise! Aber der Platz...

Zur Reise: Kenia, Tansania - Durch Massai Land zum weißen Dach Afrikas

von Hauser-Mitarbeiter Moritz Ecker