Reisebericht: Marokko kompakt

Marokko steht für...

Marokko - sofort denkt man an das orientalische Flair in den weitläufigen Souks und Kasbahs der bekannten Königsstädte wie Marrakech oder Fes. Wanderer kennen das Gebirge des Hohen Atlas und den höchsten Gipfel Nordafrikas, den Toubkal. Strandliebhaber wiederum die Atlantikküste. Aber was mich an Marokko besonders faszinierte, waren nicht diese weithin bekannten Höhepunkte des Landes, sondern die etwas alltäglicheren Begebenheiten wie die endlosen Weiten der verschiedenen Landschaftsformen, die Üppigkeit der Oasen in sonst so trockenen Gebieten und das durchweg schmackhafte traditionelle Essen.

Wüstenkaleidoskop

Die eindrucksvollste Weite findet sich vor allem in der Wüste. Mir wurde zum ersten Mal klar, wie viele Formen der Wüste es eigentlich gibt: die Sandwüste mit ausgedehnten Dünenfeldern, die Stein- und Felswüste oder auch die Kieswüste. In all diesen Wüstenformen lässt sich die erwähnte Weite besonders gut erleben. Man fühlt sich klein angesichts der Dimension dieser ausgedehnten Landschaften, zugleich herrscht eine seltene Ruhe und Gelassenheit. Malerische Ausblicke ergeben sich, wenn man im Erg Chebbi oder Erg Chegaga am späten Nachmittag auf eine der hohen Dünen steigt. Meist geht es recht steil bergauf – der warme, gelb-orange Sand rutscht einem unter den Füßen weg. Wir erklimmen die Düne im angezogenen Vorwärtsgang: zwei Schritte vorwärts stapfen, dann einen Schritt zurück gleiten, dann mit aller Kraft wieder zwei vorwärts und aufs Neue. Wenn ein kleiner Wind weht, spürt man die Sandkörner auf der Haut. Schal oder Sonnenbrille schützen dann das Gesicht. Aber welch ein Ausblick sich von dem Gipfel einer Düne bietet: endlose orange-rote Wellen formen ein weites Dünenmeer, das bloß durch ferne, dunkel wirkende Gebirge begrenzt wird.  Zum Sonnenaufgang oder -untergang wird das Farbspiel dann noch intensiver. 

Grüne Farbtupfen

Genauso beeindruckt haben mich die Oasen, die sich mit abwechslungsreicher Vegetation in sattgrünen Tönen teilweise dutzende Kilometer an den oft nur kleinen Flüsschen der marokkanischen Täler entlang ziehen. Die umliegenden Gebiete sind meist staubtrocken, es sind weite Ebenen oder aber Gebirge und Schluchten, wie in der Dades- und Todra-Schlucht, oder aber im Ziz- und Draa-Tal, wo die Flüsse Richtung Sahara laufen und dann dort versickern. Ich bin erstaunt, wie so kleine Flüsschen durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem so viele Felder und Obstbäume über so lange Strecken bewässern können. Im Ziz-Tal halten wir in einem kleinen Dorf und bitten zwei Jungen, uns mit zu ihren Feldern zu nehmen. So wandern wir über kleine Pfade zwischen Dattelpalmen, Aprikosenbäumen sowie Gemüse- und Kräuterbeeten bis hinunter zum Fluss, während wir uns die angebauten Pflanzen erklären lassen. Unser Guide erkundigt sich über das Leben im Dorf und übersetzt die Details. Einige Dorfbewohner kehren von ihrer Feldarbeit zurück und beobachten uns neugierig. 

Traditionelle Gerichte und Gewürze

Besonders schmackhaft ist auch die marokkanische Küche. Hier wird eine Vielzahl von Gewürzen verwendet, die auf den Souks aller Dörfer und Städte eingekauft werden können. Diese Gewürze geben den traditionellen Gerichten wie Couscous und Tajine ihren unverwechselbaren Geschmack, aber sind nie scharf, sondern einfach nur rundum würzig. Städte wie Marrakech und Fes haben sogar ihre eigenen Würzmischungen, das Ras el Hanout, welches je nach Familienrezept aus 12 – 40 verschiedenen Gewürzen und Kräutern hergestellt wird. Dabei gibt es große lokale Unterschiede: in Marrakech ist Ras el Hanout meist rot, in Fes ist es gelb.

Sowieso ist die marokkanische Küche besonders reich an Obst und Gemüse. Eine Mahlzeit besteht meist aus drei Gängen. Den Anfang machen eine traditionelle Gemüse-Suppe, häufig mit Kichererbsen und Gemüsestückchen angereichert, oder ein marokkanischer Salat. Letzterer besteht aus einer Vielzahl von kleineren Salaten auf einem Teller, oft sind sie aus gekochtem Gemüse zubereitet. Dann besteht die Wahl zwischen Couscous, welches meist mit verschiedenen Gemüsesorten und Fleisch gereicht wird, oder der traditionellen Tajine. Die Tajine ist ein Tontopf mit konischem Deckel, in dem die Speisen über Holzkohle gegart werden. Die so gegarten Speisen bestehen größtenteils aus einer Fleischart und zusätzlichen Zutaten wie getrockneten Früchten, Nüssen, Gemüse und Olivenöl. Als Nachtisch gibt es durchweg Obst, manchmal einfach in Form von ganzen Früchten, die man selbst schält und schneidet, oder aber als Obstsalat. Mein Favorit waren hier ganz klar süße filetierte Orangenscheiben mit reichlich Zimt, eine unerwartet schmackhafte Kombination. Am Morgen oder als Zwischenmahlzeit am Nachmittag mochte ich das so genannte Amlou am liebsten: eine Mischung aus gerösteten und gemahlenen Mandeln, Honig und gerösteten Argan-Öl, welches man in frisch gebackenes Fladenbrot dippt und am besten in Kombination mit einem grünen Minz-Tee genießt. So schmeckt Marokko.

Inspiriert?

Hier finden Sie unsere Marokko-Reisen, bei denen wir uns natürlich mehr Zeit nehmen.

(2017)