Reisebericht: Marokko mit Kindern - Familienkarawane entlang dem Atlantik

Club- oder Trekkingurlaub   

Wir hatten es geschafft! Endlich würde ich (14) mit meiner besten Freundin, Julia (auch 14), in den Robinson Club fahren, von dem sie mir schon so oft vorgeschwärmt hatte.
Mit unseren Familien hatten wir den Kompromiss gefunden, vorher eine Woche Wüstentrekking zu unternehmen, dafür kamen sie unserem Wunsch, Club-Urlaub machen zu wollen, nach.
 Wir waren zufrieden mit dem Deal, weil wir wussten, dass unsere beiden Eltern lieber länger auf Trekking gegangen wären.      
        

Vorfreude   

Als es losging, packten wir unsere Taschen zum Bersten voll, weil wir ja schließlich sowohl Trekkingklamotten, als auch die richtigen Outfits und Accessoires für den Club brauchten.
In der ersten Woche wurden wir unserer Meinung nach auf die Folter gespannt, bis wir in den Club durften. Mit dem Jeep wurden wir in die weite Wüste hineingefahren und trafen dort unsere Crew mit den Kamelen. Nur zu Fuß oder auf den Kamelen reitend sollte es eine Woche lang durch die unendliche Weite gehen. Irgendwie hatte es schon etwas aufregendes für uns alle. Auch für Julia und mich.  Doch Mohammed unser Guide schaffte es durch seine lockere und lustige Art, uns alle Aufregung zu nehmen und in pure Vorfreude umzuwandeln.         
                                                               

Ab in die Sahara       

Das erste Mal auf ein Kamel aufzusitzen wurde schließlich für uns alle zu einem lustigen Ereignis, wo es den ein oder anderen schon beinahe wieder auf den Boden zurückgeholt hätte. Als schließlich alle sicher in den Sätteln saßen, ging es los immer tiefer in die Sahara hinein. Weit und breit kein Anzeichen von Zivilisation. Nur wir acht, zusammen mit unserer Crew und den Kamelen auf dem Weg, anscheinend ohne ein Ziel dabei zu haben. Auf jeden Fall kein sichtbares. Sobald die Sonne sich dem Untergang zuneigte steuerten wir auf eine der meterhohen Dünen zu, um dort unser Nachtlager aufzuschlagen. In der ersten Nacht war die Mehrheit noch dafür in Zelten zu schlafen, wahrscheinlich aus Angst vor unbekanntem Ungeziefer und vielleicht auch ein bisschen vor den großen Kamelen, die ein paar Meter weiter ihr Abendessen zu sich nahmen. Die Sonne ging am Horizont unter und wir sahen sie bis sie schließlich, da wo die Wüste zu Ende zu sein schien verschwand. Keine Berge, keine Häuser, nichts was die Sicht versperrt hätte. Am Lagerfeuer genossen wir schließlich Couscous mit Fleisch, das trotz ein paar weniger Sandkörner wunderbar schmeckte. Bevor sich jeder in sein Zelt verkroch unterhielten wir uns noch mit Mohammed und ließen unsere Augen über das unendlich weite Himmelszelt mit den Abermillionen Sternen streifen. In der Nacht hörte man lediglich das Schmatzen der Kamele und das ein oder andere Schnarchen eines Mitreisenden.

Wie eine Karawane  

An den kommenden Tagen standen wir immer früh auf, genossen das Fladenbrot zum Frühstück, wanderten oder ritten über Dünen, vorbei an Dornensträuchern, blattlosen Bäumen und Palmenoasen. Sobald die Sonne gegen Mittag immer heißer wurde, baute uns unsere Crew unter einem Baum aus vielen Decken ein schattiges Lager, wo wir gemütlich die heißeste Zeit in der Wüste aushalten konnten. Mit Mittagessen, spielen, lesen und reden vertrieben wir uns die Zeit, bis wir uns wieder aus unserem Versteck wagen konnten, um bis abends weiter zu ziehen – wir fühlten uns, wie die Karawanen aus 1001 Nacht. Jeden Abend saßen wir ums Lagerfeuer, aßen, lernten von unserer Crew arabische Grundkenntnisse und sangen arabische Lieder unter dem endlos weiten Sternenzelt. Ab dem zweiten Tag, schliefen wir schließlich auch alle unter freiem Himmel in unseren Schlafsäcken, bis wir kurz vor Sonnenaufgang vom Duft frisch gebackenen Brotes geweckt wurden.                    
     

Ein unvergessliches Wüstenabenteuer   

Zurück in der Zivilisation, auf dem Weg zu unserem Club, kam mir auf einmal alles viel zu hektisch vor. Die riesige, moderne Clubanlage inmitten eines armen Stadtteils von Djerba schien viel zu überladen und alle Luxuszusätze überflüssig.  Trotzdem hatten Julia und ich auch hier eine schöne Zeit mit baden und in der Sonne liegen, doch konnte man dieses Erlebnis einfach in keiner Weise mit unserer Wüstentour vergleichen. Wir waren alle der Meinung, dass unser Cluburlaub eine nette Sache war, das Wüstenabenteuer war für uns alle jedoch unvergesslich!

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