Reisebericht: Namibia mit Kindern

Sanddünen – Granitfelsen – wilde Tiere.
Mit Kindern unterwegs in Namibia

Auf der Gästefarm  

"Sobald die Kinder alt genug sind, zeige ich ihnen die großen Tiere!"  Nach zahlreichen Urlauben in Österreich und Italien, auf Bauernhöfen und an Sandstränden, beschloss ich, dass die 10-jährige Caroline und die Zwillinge Elena und Michael mit 9 Jahren reif für eine "richtige" Reise sind. Von wohlgemeinten Ratschlägen wie "na, wenn ihr da mal nicht überfallen werdet" oder "lasst euch nicht vom Löwen fressen" ließen wir uns nicht beirren. Auf nach Namibia!
Nach 9½ Stunden Flugzeit, kurz vor der Landung in Windhoek, leichtes Entsetzen bei Caroline: "Wo sind denn hier die Bäume und die Häuser? Hier ist ja gar nix los!" Eine fahrbare Treppe wird ans Flugzeug herangerollt. Elena und Michi finden es super, dass sie über das Rollfeld laufen dürfen und staunen über den kleinen Flugplatz der Hauptstadt Namibias. Brigitte, die Gastgeberin der Farm Hohe Warte holt uns ab. Bereits 10 km hinter dem Flughafen sehen wir die ersten Paviane, die die Straße kreuzen. "Boah Mama, jetzt sind wir erst ½ Std. in Namibia und schon laufen Paviane über die Straße!". Oryx-Antilopen, Warzenschweine, Klippschliefer folgen auf dem Weg zur Gästefarm. 700 Rinder weiden auf 10.000 ha Fläche. 2 Tage lang stimmen wir uns auf Afrika ein, wandern durch das Farmland, faulenzen am Pool und genießen die ausgezeichnete Küche. Fester Programmpunkt der Kinder ist Hundeschmusen mit Didi, Walton und Paulchen, 3 äußerst kinderliebe und verspielte Hunde, die zur Farm gehören.

Wie eine Fata Morgana…

Von Kerstin, der Chefin unserer Agentur Safaris Unlimited, versorgt mit Vouchern und dem detaillierten Reiseverlauf starten wir zu unserer Rundreise mit einem Nissan Geländewagen, ausgerüstet mit allem, was man zum Camping benötigt. Das Dachzelt ist für die Kinder die Sensation. Wir Erwachsenen haben wohl keine Chance, auch einmal darin nächtigen zu dürfen. Im Supermarkt kaufen wir für die nächsten 4 Tage ein, denn die Einkaufsmöglichkeiten im Süden sind dünn gesät. Sobald wir die Stadtgrenze erreicht haben, hört die Asphaltstraße auf, und die typische „Pad" (= Kies-Sandstraße) beginnt. Über den Spreetshoogte Pass, einen kleinen steilen Pass mit fantastischem Blick auf die vor uns liegende Wüste, fahren wir zum Sesriem Camp . Kurz nach 18.00 Uhr, leider viel zu früh, wird es rasch dunkel und sehr kalt. Der folgende Tag beginnt stressig. Um 5 Uhr klingelt bereits der Wecker. Meine Kollegin Andrea sagte mir zuhause: "In der Wüste müsst ihr früh unterwegs sein!" Leicht gesagt, denn bei einer Temperatur unter 0 °C müssen 3 müde Kinder aus dem warmen Schlafsack, 2 angefrorene Zelte verpackt und alles im Kofferraum verstaut werden. Durch die Kälte ist das Faltdach starr – der Reißverschluss lässt sich nur mit viel Geduld zuziehen, bei der Leiter bricht das Scharnier, beim Igluzelt ein Gestänge, die Windschutzscheibe ist innen angefrorenen und muss – mit den Fingernägeln – freigekratzt werden. Trotz allem schaffen wir es nach 1¼ Stunden durch das Gate zu fahren. Erste Station ist die Düne 45; im oberen Drittel bricht die Sonne durch die Nebeldecke – eine irre Stimmung! Die Kinder entdecken das Dünenrutschen und haben einen Heidenspaß. Endlich ist uns warm geworden! Die letzten 4 km ins Sossusvlei sind nur mit einem Allradfahrzeug zu befahren. Die Kinder wetten, ob Papa es schafft, das Fahrzeug durch den tiefen Sand zu manövrieren oder ob wir stecken bleiben. Wir schaffen es, und eine grandiose Dünenlandschaft mit den höchsten Sterndünen der Welt umgibt uns. 2 Schritte vor – 1 Schritt zurück; mühsam steigen wir hinauf zur Düne über dem ausgetrockneten Dead Vlei (Vlei=Senke). Der Grat ähnelt dem Biancograt in der Bernina; das Ganze nur in Sand statt in Schnee und Eis. "Mama, vor uns ein See!" Wir kommen näher, doch nichts zu entdecken. "Jetzt ist der See hinter uns!" Lösung: Fata Morgana im gleißenden, flimmernden Mittagslicht. Vor Dunkelheit müssen wir zurück sein, denn sobald der rote Ball der Sonne untergegangen ist, schließt das Gate.

Vom Sesriem Canyon in die Naukluft Berge 

Nach einem Abstecher in den Sesriem Canyon fahren wir in die Naukluft Berge. Ausgangspunkt für 2 markierte Trails ist der kleine, idyllisch gelegene Zeltplatz. Gelbe Fußspuren weisen uns den Wegverlauf des Waterkloof-Trail. "Don't leave anything but your footprints!" Die Kinder hoffen, einen der hier lebenden Leoparden zu sehen – wir Erwachsenen hoffen es nicht! Entlang des ausgetrockneten Naukluft-Bachbetts, vorbei an einigen kleineren Pools schlängelt sich der Weg zu einer Hochfläche hinauf. Auf dem 17 km langen Trail mit ca. 7 Stunden Gehzeit sind wir ganz alleine. Wir begegnen keinem Menschen, nur Tierspuren sind zu sehen. Die Wanderung ist nur für ausdauernde Kinder – einfache Wegstrecke, aber auch nicht allzu spannend! Wesentlich kürzer ist der Olive Trail mit etwa 4 Stunden Gehzeit. Bei der Fahrt aus dem Park sehen wir die Hartmann Bergzebras, die im Gegensatz zu den Steppenzebras keine braunen "Schatten" zwischen ihren Streifen haben.

Welwitschia mirabilis - was ist das? 

Apfelstreuselkuchen in der Raststation in Solitaire – der Tipp aus dem Reiseführer ist es wert! Über den Kuiseb Pass fahren wir auf der Permit-pflichtigen Pad durch einen weiteren Teil des Namib Naukluft Parks. Endlose, menschenleere Wüste; Steine und goldenfarbene Gräser; kaum ein Fahrzeug. Strauße, Oryx und Springböcke kreuzen unsere Straße und haben natürlich Vorfahrt. Ein Umweg führt über den Fundort der 1.500 Jahre alten Welwitschia mirabilis – eine der seltensten Pflanzen Namibias. Das Meisterexemplar ist eingezäunt und die Kinder stöhnen: "…deshalb mussten wir sooo weit fahren!" Vorbei am zerklüfteten Moon Valley, fahren wir nach Swakopmund, einem reizvollen Küstenstädtchen mit deutscher Kolonialarchitektur.

Robbenkolonie 

Robby, Sally, Carry und Bushman heißen der Robben, die die Bootsfahrt bei Walvis Bay zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Kinder werden lassen. Sally schlittert an Bord und lässt sich von den Kindern streicheln und füttern. Wir schippern durch die Bucht, vorbei an Austernbänken, Kormoran-Brutstätten, russischen Fischkuttern und werden von Benguela-Delfinen eskortiert. Robben gibt es auch am folgenden Tag nochmals zu sehen: Cape Cross, eine Robbenkolonie von über 200.000 Robben. Bullen und weibliche Robben mit vielen Jungen könnte man stundenlang beobachten, wenn nicht der penetrante Gestank wäre! Lange laufen wir danach am Meer entlang und genießen die Menschenleere. Die Kinder toben ausgelassen durch den Sand und springen über die am Strand hereinbrechenden Wellen.

Damaraland   

Wir verlassen den Atlantik und fahren ins Damaraland. Erstes Ziel ist die Spitzkoppe, das Matterhorn Namibias. Eine Eisenkette führt über den glatt geschliffenen Fels zu Bushman's Paradise, einem Lagerplatz der San mit weitem Blick ins Hochland. Die Kinder kraxeln in den Granitfelsen herum. Am liebsten würden wir hier unsere Zelte aufschlagen, doch wir wollen noch weiter zur Ameib Ranch. 'Bull's Party' und 'The Giant' sind die Bezeichnungen für die Felsformationen auf dem Gelände der Ranch. Ein kurzer Klettersteig auf den 'Elephant's Head' sorgt für Spannung und lässt bei den Kindern den Adrenalinspiegel ansteigen. Lohnenswert auch der Ausflug zur Philip's Höhle mit der Felszeichnung des 'Weißen Elefanten'. "Mama, hier steht ein Zebra, aber nein, es ist doch ein Esel." Was ist es? Es ist ein Zesel, eine außergewöhnliche Kreuzung einer Eselin und eines Zebrahengstes, von dem es die gestreiften Beine hat. Gegen Abend haben wir noch das Glück 2 Giraffen mit 4 Jungtieren zu beobachten; angeblich leben hier 40 Giraffen!Auf dem Weg zu unserem nächsten Campingplatz am Ugab River begegnen uns Herero Frauen, zu erkennen an ihrer turbanartigen Kopfbedeckung und an ihren weit ausladenden Röcken, von denen sie mehrere übereinander tragen. "Nachts nicht zu Fuß umhergehen", heißt es in der Anweisung des Campingplatzes, denn Wüstenelefanten sind unterwegs! Eine nette kleine Wanderung führt uns am folgenden Tag zur 'White Lady' am Brandberg, berühmteste Felsenmalerei und 1.000 Jahre alt. Danach fahren wir quer durchs weite Hochland bis zum Mowani Mountaineering Camp. Wir besuchen den 'Verbrannten Berg', eine abgeschliffene Granitkuppe und die Orgelpfeifen, eine Ansammlung von Basaltsäulen. Beide sind vielleicht für Geologen von Interesse – Kinder können damit nichts anfangen. Im rötlichen Abendlicht machen wir einen geführten Rundgang bei den Malereien und Gravuren von Twyfelfontein. Die bis zu 5.000 Jahre alten Felszeichnungen, hauptsächlich von Tieren, sind noch gut zu erkennen. Ganz alleine übernachten wir zwischen den Felsblöcken – kein Licht, kein Geräusch, nichts. Nie hätte ich erwartet, in Namibia im Freien, weit und breit ohne einen Menschen zu sehen, am Lagerfeuer unter einem überwältigenden Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens zu sitzen, ohne mich unsicher fühlen zu müssen.

Höhepunkt: Safari    

Safari – der Höhepunkt für die Kinder! Eine lange Fahrt über Khorixas und Outjo, mit Stopp am Petrified Forest, führt uns zum Andersson Gate, dem westlichen Eingangstor zur Etosha Pfanne. "Schaut her, ein Zebra!", ruft Michi kurz hinter dem Tor – ganze Herden sollten sich die nächsten Tage dazugesellen. Die Attraktion des Camps Okaukuejo ist das nachts beleuchtete Wasserloch, wo wir gleich am ersten Abend 2 Nashörner und 1 Löwin zu sehen bekommen. Während des Tages herrscht ein permanentes Kommen und Gehen von Hunderten von Tieren: Antilopen, Zebras, Giraffen,Gnus und Oryx. Eine Augenweide! Bei Sonnenaufgang sind wir am anderem Morgen auf den Beinen und werden mit dem Anblick von einem Rudel Löwen: Männchen, 4 Löwinnen und 4 Löwenbabys belohnt – welch ein Glück, diese beobachten zu können! Auf der Weiterfahrt zum mittleren Camp Halali entdecken wir Herden von Zebras, Gnus, Antilopen und Giraffen. Bei Olifantsbad, zieht eine Elefantenherde – mindestens 30 Tiere – zu dem künstlichen Wasserloch. Die Temperaturen befinden sich mittlerweile bei über 30 ° C, und die Kinder stürzen sich nachmittags ins kühle Nass des Swimming-Pool. In unserer Gästefarm bei Windhoek hatten wir noch eine Wärmflasche im Bett – welch Gegensätze! Am romantisch erhöhten Wasserloch von Halali ergötzen wir uns abends am Anblick von 2 Nashörnern mit ihren beiden Babys. Durch dichte Mopanewälder fahren wir weiter zum dritten Camp, dem ehemaligen Fort Namutomi. Die einzige Möglichkeit auf die ausgetrocknete Etosha-Salzpfanne hinaus zu fahren, besteht beim Etosha-Lookout. Wie mag es nach heftigen Regenfällen hier wohl aussehen? Highlight des nächsten Tages ist 1 Löwin mit 5 Babys am Straßenrand. Sie balgen herum wie junge Hunde – am liebsten würden die Kinder mit ihnen kuscheln. Herden von Zebras, Giraffen, Gnus, Elefanten, Antilopen in Adobe, dem nördlichen Teil des Parks – zum letzten Mal: Tiere satt! Nun heißt es nicht mehr: "Mama, schau eine Giraffe" sondern "Oh nein, nicht schon wieder eine Giraffe". Zeit für das nächste und letzte Ziel unserer Reise: der Waterberg.

Waterberg-Plateau 

Während der 100 km langen Fahrt auf der Pad D 2516 kommt uns genau 1 Auto entgegen! Unvorstellbar im dicht besiedelten Europa. 'Bernabé de la Bat – Rastlager' heißt das Resort am Waterberg. Caroline entdeckt zuerst die grüne Rasenfläche des Zeltplatzes und ruft begeistert: "Da müssen wir hin – da ist es ja grün!" Hans und ich sind froh, uns die Füße vertreten zu können und wählen einen der bezeichneten Walks. Der einzige Weg, der auf die Felsen des Waterberg-Plateaus führt, ist der Mountain Walk mit weitem Blick in die Ebene. Baboons sorgen für Affengeschrei! Weitere Wege führen unterhalb des Plateaus entlang. Die Kinder bevorzugen den wirklich wunderschönen Swimming-Pool! Über Okahandja erreichen wir Windhoek, geben unser Auto zurück und quartieren uns in der Pension Steiner, einer gemütlichen Pension mit Pool und Garten im Zentrum ein. Ein letzter Bummel durch Windhoek vor dem Transfer zum Flughafen und die bange Frage, ob die hölzerne Giraffe wohl mit eingecheckt werden kann. Puuhhhh, alles geht gut, und unsere neue 'Mitbewohnerin' wird uns stets an die erlebnisreichen Tage in Namibia erinnern!

Zur Reise: Namibia - Familienspaß zwischen Sandwüste und Safari-Abenteuer