Reisebericht: Namibia - Zwischen Dünen im Federkissen

Entscheidungsfindung - die Faktoren

Vor mir liegen die Hauser-Kataloge. Die Auswahl der geeigneten Reise fällt mir nicht so leicht.  Ich nähere mich anhand der möglichen Auswahlkriterien langsam an:
gewünschtes Reiseland, Schwierigkeitsbewertung, Komfort, Preis und Reisedauer. Da ich Namibia als Wunschziel ausgesucht habe, es ganz gern komfortabel und nicht zu anstrengend habe, fällt meine Wahl sehr schnell auf die Reise „Zwischen Dünen im Federkissen“.

Dann der Termin. Namibia ist das ganze Jahr hindurch zu bereisen, die Jahreszeiten sind umgekehrt zur nördlichen Erdhalbkugel. Während der Regenzeit von ca. Dezember bis Ende Februar werden für diese Reise keine Termine angeboten. Für die übrige Zeit ist die Auswahl von der jeweiligen persönlichen Priorität abhängig. Im Winter – also ca. April bis Juli – wird es tagsüber nicht zu heiß und die Sonnenstrahlung ist moderat. Die Nächte sind sehr kalt (bis zum Gefrierpunkt !) – aber dafür gibt es so gut wie keine Moskitos. Wer also Sonnenbrand, Hitze und Mückenstiche meiden möchte, ist mit einem Wintertermin auf der sicheren Seite.

Am Ende des Tages den ersten "Sundowner"

Und nun ist es endlich soweit! Mit der Bahn reisen wir bequem in 3 ½ Stunden von München zum Fernbahnhof Frankfurt Flughafen. Der Check-in verläuft problemlos. Am frühen Morgen kommen wir – mehr oder weniger übernächtigt – in Windhoek an. Nach reibungsloser Passkontrolle werden wir von unserem Reiseleiter in Empfang genommen. Ich bin schon ein wenig aufgeregt, unsere kleine Reisegruppe von 10 Personen erstmals kennen zu lernen. Schließlich werden wir die nächsten 20 Tage miteinander verbringen. Die erste Wahrnehmung ist aber recht positiv und schon geht es los in unserem Safarifahrzeug, mit dem wir ca. 4000 km durch Namibia fahren werden. Die ersten ca. 300 Km in südliche Richtung bekommen wir kaum mit. Wir sind froh, dass wir gegen Mittag unser erstes Ziel, die Anib Lodge bei Mariental, erreichen. Nach dem ersten gemeinsamen Mittagessen in der Sonne und einer kleiner Siesta am Pool der Lodge unternehmen wir eine kleine Wanderung in der Region der Lodge. Erstmals erleben wir einen fast kitschig, glutroten, namibianischen Sonnenuntergang. Anlass zu einem „sun downer“ am Kaminfeuer – sehr beliebt ist da Gin Tonic, Amarula oder ein kühles namibianisches Bier (selbstverständlich nach deutschen Reinheitsgebot gebraut!).

Dicke Wolken über dem Köcherbaumwald

Noch im Dunkeln beginnt die Fahrt im offenen Landrover (im Winter Daunenjacke nicht vergessen !) auf eine der Dünen. Während die Sonne langsam aufgeht, zaubert unser weiblicher Guide Tina ein leckeres Buschfrühstück mit heißem Tee/Kaffee und leckerem Gebäck. Nach dieser Stärkung marschieren wir ca. 2 Stunden durch die Dünenstraßen – wir sehen Strauße, Zebras, Springböcke und erfahren viel über den Nestbau der Webervögel.  Ein erstes Eintauchen in die einzigartige Natur Namibias. Ziemlich hungrig kehren wir zu einem ausgiebigen Frühstück zur Lodge zurück. Die heutige Fahrt auf Teerstraße vergeht recht schnell, so dass wir am frühen Nachmittag die Gariganus Farm bei Keetmanshoop erreichen. Leider haben wir Pech: ausgerechnet heute ziehen dicke Wolken auf, so dass wir das typische Schattenspiel der Köcherbäume nicht erleben dürfen. Dafür sehen wir einige Klippschliefer, die in den Felsen herumtollen.

Fish River Canyon

Gegen Mittag erreichen wir den spektakulären  Fish River Canyon. Ein kurzer Spaziergang führt uns entlang der Kraterrandes zum Picknickplatz, wo wir eine kleine Mittagspause einlegen. Heutiges Ziel ist die spektakulär, in bizarren Felsformationen gelegene Canyon Village Lodge. Wir haben sogar ein wenig Zeit, am Pool auszuruhen, bevor wir am Nachmittag eine Wanderung in dieser faszinierenden Kulisse zu einer Höhle in der steinigen Berglandschaft aufbrechen. Bei Sonnenuntergang bietet sich ein einzigartiges Lichtspiel in dieser grandiosen Landschaft, die aussieht  als hätten Giganten hier mit Spielzeugsteinen jongliert.

Namib Rand

Die heutige Fahretappe flößt Respekt ein: 460 km – größtenteils auf Schotterpiste. Aber welch eine Überraschung. Der erste Fahrtabschnitt auf der Teerstraße bis zum kleinen Ort  Aus vergeht recht rasch und die dann folgende Nebenstraße entpuppt sich als ein landschaftliches Highlight, so dass wir gern die abwechslungsreiche Umgebung an uns vorbeiziehen lassen. Gegen 16 Uhr erreichen wir das Farmhaus für den Tok Tokkie Trail – leider etwas zu spät für einen Fußmarsch zum Camp, da die Sonne bereits um 5h15 untergeht. Aber alles kein Problem: wir werden im offenen Landrover in Camp Nähe gebracht. In der Gruppe herrscht eine ziemliche Anspannung – schließlich hat noch keiner zwei Nächte mitten in der Pampa unter freiem Himmel verbracht.  Und nun ist es soweit: Wir beziehen unser „open air“ Quartier.  Mit diskretem Abstand sind je zwei Schlafpritschen mit einer riesengroßen Bettrolle in einer Mulde vor phantastischer Kulisse aufgebaut. Ein wirklich spektakulärer Platz!! Kaum haben wir uns ein wenig etabliert, ruft der Barkeeper zum „sundowner“. Während die Sonne untergeht, wird das Abendessen bereitet. Neben der kleinen Holzbar lädt ein liebevoll gedeckter Tisch zum Abendessen ein. Auf den Stühlen liegen Ponchos parat, die uns später vor der nächtlichen Kälte schützen. Ein dreigängiges Abendessen lässt keine Wünsche offen. Unser Guide Domingo erklärt uns mit Hilfe eines Laserstrahls den glitzernden Sternenhimmel! Es ist kaum zu glauben, wie viele Sterne hier – fernab jeglichen Lichteinflusses – zu sehen sind. So viele Eindrücke, die frische Luft und das gute Essen machen müde. Einer nach dem anderen stolpert mit seiner Taschenlampe in seine Koje. In dieser Umgebung wird selbst ein nächtliches Aufwachen zu einem Erlebnis – man betrachtet einfach die zigtausend Sterne und schläft selig wieder ein.
Der zweite Tag in der Namib Region fängt mit einem kräftigen Frühstück an und schon marschieren wir zunächst durch Wüstenlandschaft, dann auf steinigem Untergrund zum nächsten Camp. Unterwegs weiht uns Domingo in die Geheimnisse dieser Region ein. Nach der sehr informativen Wanderung erreichen wir am späten Nachmittag das Camp, wo wir gerade noch Zeit haben, die Buschdusche anzutesten bevor die Sonne untergeht. Ein einmaliges Erlebnis!

Sossusvlei

Am Vormittag wandern wir nochmals durch die Wüstenlandschaft wieder zurück zum Farmhaus. Von dort geht es weiter zur Sossusvlei Lodge, die direkt am Eingangtor zur größten Wüstenlandschaft der Welt liegt. Den Nachmittag verbringen wir in diesem wunderschönen Luxus-Zeltcamp am Pool der Lodge.  Das Abendessen nehmen wir bei Kerzenlicht draußen ein. Es steht eine große Auswahl einheimischer Fleischspezialitäten zur Verfügung: Oryx, Kuku, Zebra, Eland, Springbok und vieles mehr.  Eine hervorragende Gelegenheit, von allem ein wenig zu probieren. Es wird frisch gegrillt und wir genießen diesen herrlichen lauen Abend.

Heute beginnt das große Dünenabenteuer! Ziel ist die größte Dünenlandschaft der Welt. Nach nur einer Stunde Fahrt erreichen wir den Ausgangspunkt für unsere Wanderung auf den  „Big Daddy“ – 260 Höhenmeter in weichem Sand liegen vor uns. Zum Glück weht ein leichter Wind, so dass der  Aufstieg nicht ganz so anstrengend erscheint. Die beste Aufstiegsmethode ist es, sich einen guten Vordermann zu suchen, der mit kurzen, gleichmäßigen Schritten den Weg ebnet. Noch nicht einmal eine Stunde dauert der Aufstieg und belohnt werden wir mit einem spektakulären Ausblick über diese endlos erscheinende Wüstenlandschaft. Eine Düne reiht sich an die nächste – einfach atemberaubend. Der Abstieg entpuppt sich als besonders lustig: wir hüpfen wie die Känguruhs im weichen  Sand hinunter zur Ebene und haben dabei riesig viel Spaß.
Für den Nachmittag ist eigentlich ein Ausflug zum Sesriem Canyon geplant. Wir haben allerdings in der Lodge die Werbung für einen Hubschrauberflug gesehen und den haben wir kurz entschlossen gebucht. Welch gute Entscheidung! Der Flug war ein wirkliches Highlight.  Beim Start um 16 Uhr wird uns drei Mädels zunächst ein wenig mulmig als wir realisieren, dass es nur vorn beim Piloten Fenster gibt – ansonsten ist alles offen. Aber dann sind wir nur noch begeistert! Wir fliegen zunächst über unsere Gruppenteilnehmer beim Sesriem Canyon hinweg und weiter über diese phantastische, endlose Dünenlandschaft bis zum „Big Daddy“. Kaum zu glauben, dass wir heute morgen dort hochgekraxelt sind. Beim Rückflug können wir noch einige Oryxe auf dem Weg zum Wasser beobachten und landen bei Sonnenuntergang. Ein einmaliges Erlebnis !

Swakopmund

Am Nachmittag erreichen wir das kleine Küstenstädtchen Swakopmund. Plötzlich weht uns ein frischer Wind um die Nase und wir sehen erstmals Wolken am Himmel. Es tut gut, einem Tag ganz ohne Programm zu verbringen. Für eine Bootsfahrt ist es uns zu kalt, aber ein langer Standspaziergang und ausgiebiges Shoppen sind mal eine nette Abwechslung.

Am frühen Morgen verlassen wir nach einem kurzen Abstecher zur Robben Kolonie die neblige Küstenregion und erreichen am frühen Nachmittag nach einer endlos erscheinenden Fahrt das Brandberg Massiv. Endlich können wir uns die Füße vertreten und unternehmen eine ca. 2-stündige Wanderung durch abwechslungsreiche, wunderschöne Berglandschaft.  Ziel ist die Felsmalerei der Weißen Dame. Es wird schon dunkel als wir endlich unser heutiges Ziel die Twyfelfontein Lodge erreichen. Ganz Mutige probieren hier erstmals Krokodilfleisch (gewöhnungsbedürftig…), und untermalt wird das Essen mit wunderschönen afrikanischen Gesängen des Küchenchors.

Twyfelfontein /Erongo

Nach dem Frühstück unternehmen wir eine kurze geführte Wanderung zu den Felsgravuren von Twyfelfontein. Es ist eindrucksvoll, wie klar und detailliert diese Malereien die Jahrhunderte überdauert haben. Aber dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen von dieser einzigartigen Region. Auf Schotterstraßen geht es in südöstliche Richtung in die Erongo Berge. Am frühen Nachmittag erreichen wir die spektakulär gelegene Luxus-Zelt Lodge. Kleine Warnung für die Wintertermine: Es wird nachts sehr kalt! Für den Gang ins Bad empfiehlt sich ein kuscheliger Schlafanzug oder Jogginghose – die offene Architektur sorgt für eine recht eisige Temperatur. Am späten Nachmittag genießen wir einen Sundowner auf dem nahe gelegenen Hügel und bewundern den phantastischen Ausblick.

Etoscha National Park

Wir haben ganz vergessen, wie sich das Fahren auf einer Teerstraße anfühlt – die Kilometer gleiten nur so dahin. Schon am Mittag sind wir im Etoscha National Park . Bereits auf unserer ersten Pirschfahrt entdecken wir ein Nashorn an einem Wasserloch, einen Löwen als Suchbild im Dickicht und zahlreiche Springböcke, Oryxe und Zebras. Die Unterkünfte im National Park sind einfach aber zweckmäßig  Die Restcamps haben je ein Wasserloch in unmittelbarer Nähe, an dem man auch nach Einbruch der Dunkelheit die Tiere bei der Tränke beobachten kann. Wir haben immens viel Glück und sehen abends an den Wasserlöchern zunächst 4 Nashörner und einige Elefanten und am zweiten Abend eine riesige Elefantenherde mit vielen Babys.

Aber auch tagsüber meint es das Schicksal gut mit uns… Irgendwie hat unser Reiseleiter erfahren, dass eine ganze Löwenfamilie unter einem Baum liegt. Nach rasanter Fahrt dorthin entdecken wir tatsächlich ca. 4 Löwinnen mit 6 Jungen zusammengekuschelt im Schatten und auf der anderen Straßenseite liegt ganz entspannt der Löwenpapa. Ein wirklich einmaliges Erlebnis.

Es wird allerdings noch besser. Am Nachmittag beobachten wir 3 Giraffen, die mit gespreizten Beinen  am Wasserloch friedlich trinken. Plötzlich aber wird die Idylle gestört: zwei Löwinnen, die kaum sichtbar im Gras geschlummert haben, starten Richtung Wasserloch und greifen eine der noch trinkenden Giraffen an. Zum Glück kann die Giraffe ihre missliche Trinkposition schnell verlassen und flüchtet. Sie entgeht allerdings nur sehr, sehr knapp den bedrohlichen Pranken der Löwen – gewinnt aber dann Abstand und bleibt in gebührender Distanz stehen. Der Durst treibt sie aber trotz der Gefahr wieder Richtung Wasserloch, was die Löwen allerdings kaum zur Kenntnis nehmen. Sie haben offenbar resigniert. Wir jedenfalls sind froh, so etwas miterlebt zu haben und sehr erleichtert, dass wir keinen „Kill“ miterleben mussten.

Nach 2 ½ Tagen mit vielen eindrucksvollen Tiererlebnissen verlassen wir den Etoscha Park und übernachten in einer sehr komfortablen Lodge gleich hinter der Ausfahrt. Am heutigen Abend ist das absolute Highlight die Übertragung des Weltmeisterschaft-Halbfinales Deutschland gegen Brasilien. Da alle afrikanischen Mannschaften  bereits nicht mehr dabei sein, drückt das namibianische Personal den Deutschen die Daumen. Jedes Tor – und es gibt immerhin 7 für Deutschland – wird bejubelt  und die Stimmung ist einzigartig.

Waterberg Plateau Park

Kaum zu glauben; unsere Reise neigt sich dem Ende zu und wir erreichen gegen Mittag unsere letzte Unterkunft die Waterberg Wilderness Lodge.  Die zwei letzten Tage verbringen wir sehr geruhsam in der Region dieser wunderschön gelegenen Lodge. Eine Wanderung führt uns auf den Plateau Rand, von wo aus sich ein grandioser Ausblick bietet.  Am Abend sitzen wir am wärmenden Kaminfeuer und lassen mit einigen Gläschen Wein die Erlebnisse unserer Reise Revue passieren lassen.

Namibia - Zwischen Dünen im Federkissen - der Name ist Programm :-)

(2014)