Reisebericht: Peru - Kultur-Trekking

Morgennebel am Colca Canyon

Es ist noch recht frisch draußen, immerhin befinden wir uns auf etwa 3.600 m über dem Meeresspiegel.

Zudem herrscht Winter auf der Südhalbkugel. Doch mit einer geeigneten Jacke und der frisch erworbenen Mütze aus Alpaka-Wolle lässt es sich gut aushalten. Das Naturschauspiel vor uns und die Freude auf das, was uns noch erwartet, helfen ebenfalls der Morgenkälte zu trotzen. Wir sind mittlerweile eine Woche in Peru. Unsere Augen ruhen auf dem zweittiefsten Canyon der Welt, auf dem Colca Canyon. Die letzten Schwaden des Morgennebels lassen sich noch erahnen. Allein die Sicht auf seine kilometerlangen Windungen im orangen Licht der aufgehenden Sonne lassen das frühe Aufstehen vergessen.

Die Andenkondore ziehen Kreise

Wir sind gekommen, um die Bewohner des Colca Canyons zu bewundern. Mit den ersten Sonnenstrahlen wachen sie auf, während wir unsere Jacken und Mützen ablegen und die Hände gezielt in die Kamerataschen gleiten. Majestätisch taucht aus der Tiefe des Colca Canyons der erste zögerliche Bewohner auf, er kommt fast greifbar nahe. Der Andenkondor ist einer der größten flugfähigen Vögel der Welt und besitzt mit 3,20 m die größte Flügelspannweite unter seinen Artgenossen. Er nutzt die Aufwinde, um auf eine Höhe von bis zu 5.500 m zu steigen. Nach einer Weile leisten auch die Morgenmuffel unter den Kondoren ihren Verwandten Gesellschaft. Einer nach dem nächsten zieht seine Kreise direkt über uns oder gleitet lautlos auf Augenhöhe vorbei. Wer Glück hat, kann einen Kondor im Landeanflug beobachten und ihn vorsichtig aus der Nähe betrachten. Ein Foto nach dem nächsten schießen wir, schnell sind die Speicher voll. Ein Problem, das uns noch häufig begegnet – an Fotogelegenheiten fehlt es beim Kultur-Trekking nicht.

Caballitos auf dem Titicaca See

Ein paar Tage später treffen wir bei einer Bootsfahrt auf dem Titicaca See, der 3.810 m hoch und fast 1.000 m höher als die Zugspitze liegt, auf die Uros. Dieses Volk hat einst die Hochebenen Perus und Boliviens besiedelt, bevor die Inka es auf den See verdrängt haben. Not macht erfinderisch – sie bauten sich Inseln aus Schilf, die sich den sanften Wellen des Sees anpassen. In ihren Booten aus geflochtenem Schilf – den Caballitos oder „Pferdchen" – fahren die Männer hinaus, um ihre Fischnetze zu kontrollieren oder sie verdienen sich den ein oder anderen Sol hinzu, indem sie Touristen wie uns eine Bootstour anbieten. Nach dem kurzen Ausflug auf dem Caballito sehnt sich keiner aus der Gruppe nach unserem Motorboot.

Zurück auf der Insel schauen wir uns noch ein bisschen um und versuchen uns mit Händen und Füßen mit den Einwohnern zu verständigen. Auch wer Spanisch spricht, kommt schnell an seine Grenzen, da man hier das Quechua pflegt. Auch wenn die Uros kein schwarzes Blut mehr haben, das der Legende nach vor der Kälte schützt, bewundern wir ihre Lebensweise und ihre Anpassung an die Umwelt.

In Sandalen über die Anden

Beim Trekking durch die Cordillera Vilcabamba begegnen wir einheimischen Bauern, die in Sandalen aus alten Autoreifen ihre Alpakaherde im Laufschritt über die Berge scheuchen. Wir schauen auf unsere in Luxusstiefel gebetteten Füße. Hier sind wir die Attraktion. In diese Gegenden kommen nicht oft Reisende. Zum Glück sind wir mittlerweile perfekt akklimatisiert und haben mit der Höhe keine Probleme mehr. Wenn es doch mal schwer fällt, morgens nach dem Aufstehen auf Trab zu kommen, bewirken die kleinen Blätter des Coca-Baumes wahre Wunder. Bei unserem Foto auf knapp 5.000 m lächeln wir stolz in die Kamera – im Hintergrund läuft ein Bauer in Autoreifensandalen durch das Bild ..

So, und jetzt ist der Kugelschreiber fast am Ende und an meinen letzten Tagen in Peru werde ich genießen ohne zu schreiben - den Rest der Reise dürfen Sie hier nachlesen:

Zur Reise: Peru - Kulturschätze der Inka

(2009)