Ruanda-Uganda - Schimpansen und Gorilla Trekking

Mein allererster Eindruck

Als ich das Flughafengebäude in Kigali verlasse, fällt mir sofort etwas auf: es ist so sauber! Hier liegt kein Müll und Dreck auf der Straße, keine Plastiktüten hängen in den Büschen. In Ruanda sind eben diese verboten, hier geht jeder mit einem Korb oder eine Tasche zum Einkaufen. Es gibt mittlerweile sogar einen - vom Präsidenten - initiiertenTag, den Umuganda Day, an dem sich die Bevölkerung für die Entwicklung des Landes engagiert. Das hat nicht nur eine Bedeutung für die Ordnung und die Sauberkeit, sondern an diesem Tag kommen die unterschiedlichen Volksgruppen zusammen und lernen einander besser kennen. Ein Vorfall wie der Genozid aus dem Jahre 1994 soll sich nicht wiederholen.

Menschen und Natur 

Die Menschen sind freundlich und uns Touristen gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Verständigung ist manchmal eine Herausforderung, die ältere Generation spricht etwas Französisch, andere etwas Englisch, die Landessprache Kinyarwanda sprechen wir nicht. Aber mit Händen und Füßen und mit der Hilfe des Reiseleiters ist eine Kommunikation möglich. Die Natur ist atemberaubend! Die hügelige Landschaft ist üppig-grün und fruchtbar, überall sind kleine oder größere Felder, es wird viel Tee angebaut, ebenso Kaffee, Mais, sogar Reis. Das Straßennetz ist sehr gut ausgebaut, die Hauptstraßen sind asphaltiert, lediglich die Strecke entlang des Kivu-Sees ist noch eine abenteuerliche Piste. Im Nyungwe Nationalpark gibt es viele unterschiedliche Wanderungen, beginnend mit 1-2 Stunden bis hin zu einem 3-tägigen Trail durch den Regenwald. Das Schimpansen-Tracking ist eine spannende Unternehmung! Da wir aber in freier Natur unterwegs sind, gehört auch ein Quentchen Glück dazu, diese beeindruckenden Tiere wirklich zu sehen. Nach einem längeren Marsch durch den Regenwald bekomme ich sie endlich schemenhaft zu Gesicht, aber noch bevor ich die Kamera zücken kann, prasselt tropischer Regen los und die Affen sind verschwunden. Schon ein bißchen schade!

Die Fahrt entlang des Lake Kivu ist abwechslungsreich.

Ruanda ist dicht besiedelt, überall stehen Häuser, werden Äcker bewirtschaftet. Kaum steige ich mal aus dem Auto aus, kommen Kinder angerannt und schauen mich neugierig an. Die Piste schlängelt sich am See entlang, es geht steil bergauf und bergab. So ähnlich stelle ich mir Fjorde vor, denn wir kommen an vielen tiefen Taleinschnitten vorbei und immer wieder öffnet sich der Blick auf den See.

Im Volcanoes Nationalpark 

stehen auch für mich die Gorillas auf dem Programm – die Erfüllung eines Lebenstraumes. Ich bin so aufgeregt, dass ich schon in der Nacht zuvor kein Auge zugemacht habe. Die Besucher-Gruppen werden eingeteilt, maximal 8 Personen gehen zu den unterschiedlichen Gorillagruppen. Manche müssen oder wollen weit laufen, ca. 4 Stunden durch den Regen- und Bambuswald. Ich entscheide mich für eine mittlere Entfernung und dann ist endlich der Moment da: ich habe Gänsehaut, als sie so plötzlich vor mir erscheinen. So nah, so friedlich, die Jungtiere spielen, die Großen knabbern an Blättern herum und liegen in der Sonne, der Silberrücken hat alle im Blick – seine Familie und uns. Noch nie ist eine Stunde so schnell vergangen, wie dort! Und als ob auch die Tiere dies spüren, ziehen sie sich immer weiter zurück in den dichten Wald.  

Eine Besteigung der Vulkane 

bleibt mir leider vorenthalten, denn da ich in der Regenzeit unterwegs bin, schüttet es oft sehr ergiebig. in den höheren Regionen geht der Regen teilweise in Graupel über und die Wege sind komplett aufgeweicht.           

Ein paar Worte zur Vergangenheit

Der Genozid gehört einfach zum Land und seiner Geschichte und ich denke, man sollte sich demgegenüber nicht verschließen. Ich besuche während meiner Reise mehrere Gedenkstätten. Dort sehe ich Dinge, die ich nicht mit Worten gar nicht beschreiben kann; mir kommen die Tränen und ich bin entsetzt, welche Grausamkeiten Menschen einander antun können. Ein langes Gespräch mit dem Guide der Gedenkstätte in Ntarama hinterlässt bei mir einen tiefen Eindruck: er und einer seiner Brüder sind die einzigen Überlebenden einer 10-köpfigen Familie. Er führt Touristen durch die Gedenkstätte und erklärt sehr ausführlich, was damals passiert ist. Seine persönliche Maßnahme, um mit den Verlusten fertig zu werden, ist ein offener Umgang mit der Vergangenheit. Er baut darauf, dass Aufklärung, Verzeihen und Verarbeiten der beste Weg ist, dass so etwas nicht noch einmal passiert.

Zur Reise: Ruanda, Uganda - Auf der Fährte der sanften Riesen

(2011)