Reisebericht: Russland - Elbrus-Umrundung

10 Tage landschaftlich abwechslungsreiches, manchmal sehr forderndes Trekking, bevor es hinauf geht zum höchsten Berg Europas, einem der Seven Summits, dem Elbrus (5.642 m). Eine Trekkingtour, die bis jetzt kein Veranstalter im Angebot hat. Wir -  Christa, Markus und  ich - hatten die einmalige Gelegenheit, mit unseren russischen Freunden und Bergführern Alexey, Irina und Andrei diese unvergessliche Tour sozusagen aus erster Hand zu erkunden.

Eine Tour, die dramaturgisch nicht besser aufgebaut sein könnte

Der Kaukasus. Eine Brücke zwischen Europa und Asien, im Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen, ist diese Region immer wieder sowohl politisch als auch kulturell von Gegensätzen gekennzeichnet. So nah und doch ein unglaublicher  Kontrast zu den „über"-erschlossenen Alpen, ein Fleckchen Erde wie Nepal vor 60 Jahren. Russland ist nicht nur Putin, viel mehr ein Land von unglaublicher Faszination.

Im Kaukasus sind 13 Gipfel höher als 5.000 m

Eine wilde unberührte Landschaft, die für jeden Geschmack etwas bietet. Seit Jahrhunderten immer wieder umkämpft und im Brennpunkt vieler Interessen, ist diese Gebirgsregion bei uns eher unbekannt. Faszinierende Landschaften, mächtige Gletscher, wilde Eisriesen und sanfte Almen mit einer Flora, die einzigartig ist. In blühende Bergwiesen wachsen die Gletscher geradezu hinein.

Während wir am Morgen mit unserem Tagesrucksack von unserem Lagerplatz aufbrechen und tagsüber wunderschöne Berglandschaften genießen, hohe Pässe übersteigen, fährt unser Begleitfahrzeug mit der ganzen Ausrüstung, Zelte, Verpflegung etc. um den Berg herum ins nächste Tal, zu unserem meist sehr idyllischen, nächsten Lagerplatz. Oft sind die Zelte schon aufgestellt und der gute Geruch aus dem Küchenzelt lässt auf ein lukullisches Abendessen schließen.

Das Trekking beginnt gemütlich, wird später aber doch sehr fordernd

Es geht über hohe Pässe wie Balkbashi Pass, Koltesevoy Pass und West Kurshov Pass ins wunderschöne Ullukam-Tal. Von dort führt die Königsetappe über den hohen Hotiatau Pass und den mächtigen Azaugletscher zurück ins Baksantal. Für den letzten Trekkingtag brauchen wir bestes Wetter und Gletschererfahrung. Ein guter Test, bevor es nach einer kleinen Erholung, zur weiteren Akklimatisation auf die Botschkihütten, in das eisige Reich des Elbrus geht.

Ein typischer Trekkingtag:

Heraus aus dem warmen Schlafsack, die ersten Fotos mit wunderschönen Sonnenaufgängen. Katzenwäsche, Tagesrucksack packen, letzter Ausrüstungscheck. Für einige Etappen kommen auch Steigeisen und wärmere Kleidung in den Rucksack. Pickel, Seil, Gletscherausrüstung sind nur für die Überschreitung des Azaugletscher und den „Top of Europe" erforderlich.

Die Zelte werden abgebaut, Gepäck und nicht benötigte Ausrüstung im Begleitfahrzeug verstaut. Unsere kaukasische „Haubenköchin“ verwöhnt uns mit einem reichhaltigen Frühstück und dann kann es losgehen...

Unglaubliche Eindrücke begleiten uns, der Elbrus mit seinen eisigen Flanken und mächtigen Gletschern ist fast immer zum Greifen nah. Nach fordernden Passüberschreitungen sind es meist kurzweilige Abstiege, Bäche rauschen, die Berggipfel strahlen. Tief unter uns üppige, grüne Täler mit weidenden Schafen, Pferden und Kühen, eine Idylle wie wir sie von unseren Almen kennen. Wir genießen noch die Abendsonne, einen beeindruckenden Sonnenuntergang und lassen dabei den Tag Revue passieren.

Das geschmackvolle Abendessen in unserem großen Messezelt dauert meist sehr lange, unsere Gastgeber erzählen sehr viel über Russland und den Kaukasus. Bei dem einen oder anderen Glas Wodka, begleitet von Trinksprüchen, lassen wir den ereignisreichen Tag ausklingen. Wir werden die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft auf unsere Reise immer wieder erleben.

Unsere Tour im Zeitraffer:

Über Moskau erreichen wir nach einem kurzen Inlandsflug Mineralnye Vody. Eine kurze Fahrt nach Pitaigorsk, wo wir die erste Nacht im Hotel verbringen. Von hier geht es nach Süden, die schneebedeckten Berge des Kaukasus rücken immer näher. Im Dorf  Baksan starten wir unsere Trekkingtour. Zum Einstimmen führt der Weg langsam ansteigend in ein Hochtal und bietet eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Berge. Die Baumgrenze liegt hier recht hoch. Markante Felsformationen säumen das Tal. Wir erreichen eine kleine Almsiedlung, mit unzähligen Schafen und Pferden. Wir errichten unser erstes Lager auf ca. 2.390 m.

Am nächsten Tag wird es etwas fordernder, ein schmaler Pfad führt langsam, aber stetig zum Pass. Wir genießen die grandiose Aussicht auf die Berge um uns, schon gegen Mittag stehen wir auf dem 3.232 m hohen Kyrtykaush Pass. Langsam steigen wir ab, vorbei an riesigen Schafherden, weidenden Pferden,  wandern gemütlich talauswärts zu unserem heutigen Lagerplatz im Islamchat-Tal. Dann geht es weiter zur Nordseite des Elbrus, zum Basecamp Nord.

Der Elbrus schimmert und glänzt in all seiner Größe und Schönheit - eine unglaubliche Abendstimmung. Ein anstrengender Tag liegt vor uns, die Überschreitung des Balkbashi-Passes. Fantastische Ausblicke entschädigen für die Mühen des langen Aufstiegs. Eine heikle Bachquerung fordert unsere ganze Konzentration. Am Rande eines Moränenrückens steigen wir höher. Unter uns liegt der zerklüftete Gletscher Ulluchiran Balkbashi. Faszinierende Bergwelten begleiten unseren anstrengenden Aufstieg zum Pass. Er ist die Wasserscheide zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Weit unten liegt unser wunderschöner Lagerplatz Karachai Djilisu (ca. 2.650 m).

Am nächsten Tag erwartet uns wieder ein langer Aufstieg mit wunderbaren Landschaftseindrücken. Gegen Mittag stehen wir auf dem 3.400 m hohen Koltsevoi-Pass. Es ist eher ein Plateau als ein Pass, mit einem See, eine unglaubliche Stimmung - der Elbrus-Westgipfel ist zum Greifen nahe. Wir steigen ab ins immer grüner werdende Kiukurtliu-Tal. Staunend werfen wir einen Blick zurück zur Prachtkulisse Elbrus West. Gegenüber zeigt sich der West Kurshov-Pass, den wir am Folgetag überqueren wollen.

Es geht weiter, immer höher, immer schöner

Im Ullukam-Tal auf ca. 2.300 m, einem märchenhaft schönen Talkessel, verbringen wir unsere letzte Zeltnacht. Die Königsetappe am folgenden Tag führt über den Hotiatau-Pass und den Azau-Gletscher zurück  ins Baksan-Tal. Aufstieg 1.300 m, Abstieg 1.500 m, Gehzeit 10-11 Stunden.

Der Rucksack wird schwerer, denn wir brauchen unsere komplette Gletscherausrüstung: Seil, Hüftgurt, Steigeisen, Reepschnüre, Karabiner und Pickel. Wir kommen an Hochalmen vorbei, die in den Sommermonaten von unzähligen Yaks bevölkert sind. Die wilde Hochgebirgslandschaft ist atemberaubend schön und lädt ein zu Foto- und Verschnaufpausen.

Langsam werden die Almböden karger, die Natur arider und der Weg steiler. Von der Passhöhe (ca. 3.550 m) steigen wir ab auf den Azau-Gletscher, legen unsere Steigeisen an und seilen uns an. Wir steigen über den Gletscher ab und erreichen am Nachmittag die Liftstation Stary Krugozor, an der sich unsere Umrundung des höchsten Berges Europas schließt. Mit der Gondel fahren wir hinunter ins Baksan-Tal (ca. 2.400 m), wo wir am Abend unsere einzigartige Trekking-Tour feiern.

Auf den Botschkihütten

...verbringen die Gipfelaspiranten noch zwei Tage, die sie  für Akklimatisationstouren nutzen.

Am Gipfeltag geht es sehr zeitig los, die morgendliche Kälte lässt keine längeren Verschnaufpausen zu. Langatmig, aber nicht allzu steil, geht es über den Gletscher weiter zum Sattel auf 5.300 m. Hier kommt auch die Route von Norden dazu, nur wenige Bergsteiger besteigen den Elbrus über die einsame und imposante Nordseite.

Und dann das krönende Finale, die letzten 350 Hm hinauf zum Dach Europas, dem Elbrus, 5.642 m. Freudentränen, Emotionen und Glücksgefühle. Dankbarkeit, dieses Gipfelglück erleben zu dürfen.

Der Abstieg ist unspektakulär, man ist schon müde und gerade da heißt es vorsichtig sein, denn „gut zurück im Tal“, wie es die Russen sagen, ist das oberste Ziel.

Zum Abschluss Sightseeing in Piatigorsk. Besonders reizvoll ist der orientalisch wirkende Markt. Bei einem genussvolles Abendessen lassen wir diese unvergesslichen Tage Revue passieren. Eine wunderschöne, herausfordernde und erlebnisreiche Trekkingtour klingt langsam aus.

Ein großes Danke gilt unserer Begleitmannschaft mit den Bergführern Irina und Alexey, der Köchin Svetlana und unserem hervorragenden Fahrer! Auch wir - Christa, Markus und ich - waren ein super Team. Auf Wiedersehen Elbrus, auf Wiedersehen Kaukasus. Ihr Berge, Täler, Menschen und Kulturen seid noch viele Reisen wert.

Die ganz besondere und exklusive Elbrus-Reise

(2017)