Südafrika – Höhepunkte zum Kennenlernen

Sanft setzt die Maschine nach einem anstrengenden Nachtflug früh morgens in Johannesburg auf. Es ist bedeckt, aber die leicht schwülen 30° lassen die Februartemperaturen in Deutschland schnell vergessen.

Die Großstadt lassen wir ebenfalls schnell links liegen und machen uns gleich auf den Weg Richtung Hazyview. Nach Flug und der mehrstündigen Fahrt sind wir froh, endlich in der verwunschenen kleinen Gecko Lodge angekommen zu sein. Jetzt ein wenig am Flussufer und entlang von Macadamiaplantagen die Füße vertreten. Beim gemeinsamen Abendessen leistet uns ein kleiner Krebs Gesellschaft, der sich offensichtlich verlaufen hat und gezielt Richtung Küche läuft. Ob das eine gute Idee ist? Das reichliche Frühstück am nächsten Morgen lässt es zumindest vermuten.

Krüger Park & Wildlife satt

Es geht gleich ganz früh um 7 Uhr weiter in Richtung Krüger Nationalpark. Noch vor dem offiziellen Eingang sehen wir schon zwei große schwarze Wasserbüffel faul am Ufer des Sabie River in der warmen Morgensonne liegen.

Kurz nach der Einfahrt in den Park zeigt sich auch schon der nächste Dickhäuter der Big Five: Ein großes Nashorn läuft vor uns über die Straße, verschwindet aber schnell im Busch. Leider sollten die Wasserbüffel und das Nashorn die einzigen ihrer Art auf unseren Pirschfahrten durch den Krüger Park bleiben. Dafür können wir uns nicht satt sehen an Zebras, Elefanten und den unvermeidlichen Impalaherden. Ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass wir nicht durch einen Zoo fahren, sondern uns mitten im Lebensraum einer schier unendlich vielfältigen Tierwelt befinden. Gnuherden grasen am Straßenrand, ein Geier hält im Wipfel eines toten Baumes Aussicht nach Beute, eine Hyäne grinst uns im späten Lichts des Tages mit ihrem gewaltigen Gebiss an und ein Schakal gähnt herzhaft in die Abendsonne, bevor er sich trollt. Ganz besonders hat es mir persönlich eine Elefantenherde angetan, die an einem Flussufer auf alten, ausgetretenen Pfaden entlangwandert. Über 15 der grauen Riesen stapfen gemächlich hintereinander, die Jungtiere sicher im Familienbund eingebunden. Die Löwen, auf die ich mich gefreut habe, machen sich allerdings rar. Nur ganz weit weg liegen zwei unter einem Baum und dösen in der Sonne. Leoparden, suchen wir leider vergeblich. Oder wir haben ich schlichtweg nicht sehen können. Für ein Stadtkind wie mich ist es doch eine Herausforderung die Augen und Ohren an die Wildnis zu gewöhnen. Ein Gepard, der in sicherer Entfernung zur Straße im Steppengras unter einem Baum liegt, verschmilzt derart mit seiner Umgebung, dass ich lange brauche, um ihn auszumachen. Und auch das nur mit einem Teleobjektiv und viel Geduld.

Die in ihrer Kargheit herrliche Landschaft hinterlässt mit ihrer Ruhe weitab von Großstadtlärm einen tiefen Eindruck. In der Nacht funkelt ein unglaublich klarer Sternenhimmel über uns. Kein Licht trübt den Blick auf die Milchstraße. Orion, Kreuz des Südens und viele andere Sternbilder sind so klar sichtbar, wie wir es Luft- und Lichtverschmutzung sei Dank in Deutschland nur selten sehen dürfen. Trotz der zahlreichen Fahrzeuge, die im Park nach Tieren Ausschau halten ist es erstaunlich ruhig. Dauerbeschallung durch Verkehrslärm: Fehlanzeige. Und wenn wir halten, der Motor aus ist hört man nur noch den Wind, ein gelegentliches Knacken aus dem Dickicht und Tierlaute in der Ferne. Die Nacht verbgingen wir in einem Camp im Park und diesmal sind wir es, die eingezäunt sind.

Auch am nächsten Morgen geht es wieder früh aus den Federn und machen uns auf zum privaten Wildreservat Mtomeni, das an den Krüger Park anschließt. Auf der Fahrt sehen wir immer wieder Giraffen, Elefanten, die unvermeidlichen Imapalas, kämpfende Böcke und blau schimmernde Gabelracken, die sich zutraulich auf den Außenspiegel setzen. Zur Begrüßung in Mtomeni wartet ein Elefant auf uns an der Terrasse, der dort ganz gemütlich einen Busch vertilgt – und vielleicht auch mal einen Blick auf die komischen Zweibeiner werfen möchte, die ihn fasziniert und mit viel Respekt beobachten.

Auf einer 3-stündigen Fußpirsch am frühen Morgen erleben wir den Busch von einer ganz anderen Seite. Wir erfahren von Ranger Richard einiges über Tierdung und was man daraus alles daraus lesen kann. Selbst ein unscheinbares Loch im Boden, das durch das Stampfen eines Elefanten entstanden ist wird irgendwann zu einem Wasserloch. Überall stehen riesigen Termitenhügel wie Vulkane und verbunden mit ausgedehnten unterirdischen Gängen. Wir wandern bis zum Fluss, wo eine Herde Flusspferde die Kühle des Wassers genießt. Das weiche Licht des Morgens, die Landschaft und die Ruhe sind so faszinierend, dass wir gar nicht mehr weg wollen. Aber im Camp wartet das Frühstück auf uns und dann fahren wir auch schon wieder weiter zur Panorama Route.

Kurz nach Phalaborwa wartet eine unfreiwillige Pause auf uns. Eine Elefantenherde soll sicher über die Straße gebracht werden. Sehen können wir leider nichts, aber dafür warten wir natürlich gerne.

Panorama Route

Die Landschaft wird zunehmend grüner auf der Fahrt in die Blyde River Nature Reserve. Am Aussichtspunkt der Three Rondavels hat man einen traumhaften Blick über den Blyderiverspoortdam. Das Wasser leuchtet tiefblau in der grünen Canyonlandschaft. Weitere Abstecher führen uns zu den Bourke’s Luck Potholes, ausgewaschenem Canyon aus Sandgestein mit bizarren Strudellöchern, und zu God’s Window mit seinem weiten Blick über den Krüger Park bis hin nach Mosambik an klaren Tagen. Zwar flirrt die Luft ein wenig von der Tageshitze, aber wir haben Glück und der Blick ist gefühlt endlos.

Den Tag lassen wir in Hops Hollow ausklingen – wie immer auf dieser Reise bei einem guten Glas Wein und einem sehr leckeren Essen. In der urigen Kneipe dudelt leise Musik aus den 70ern, die man schon ewig nicht gehört hat. Über Vicky Leandros und Drafi Deutscher kann man sich vielleicht dann streiten, aber Spaß haben wir allemal. Damit ist auch schon der erste Teil der Reise fast vorbei. Zurück in Johannesburg fliegen wir weiter nach Port Elizabeth, von wo aus wir Richtung Kapstadt entlang der Garden Route aufbrechen.

Garden Route

Erstes Ziel entlang der Garden Route ist der Tsitsikamma Nationalpark. Der über 800 Jahre alte Big Tree scheint mit seiner Krone den Himmel zu tragen. Auf Holzstegen wandert man entlang der Küste über unzählige Stufen bis hin zur Suspension Bridge, einer recht wackligen Angelegenheit. Der Otter Trail führt entlang der rauhen und zerklüfteten Küste und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf’s Meer. Für die Walsaison sind wir leider zu früh, auch in Hermanus sehen wir leider nur ganz von weitem die Möwenschwärme, die sich um die Wale bilden.

In George verlassen wir die Garden Route. Über den Outeniqua Pass mit seinen zahlreichen Serpentinen und der wunderschönen Berglandschaft geht es in die Halbwüste der Kleinen Karoo. Die Landschaft wird wieder karger, wir fahren durch Oudtshoorn, vorbei an Straussenfarmen zu den Cango Caves in den Swartbergen. Die gewaltigen Höhlenkammern mit jahrtausendealten Tropfsteinformationen sind bizarr schön. Die Abenteuertour geht weiter durch ganz schmale, nur ca. 60 cm hohe Spalten. Nichts für mich und meine Klaustrophobie. Ich warte gerne in der letzten großen Höhlenkammer und genieße die Stille in der Höhle auf die Gruppe.

Der Küstenort Hermanus ist ein krasser Gegensatz zur Kleinen Karoo. Gepflegte Villen, schicke Läden, und Strandpromenaden prägen das Bild des Ortes. Uns zieht es aber in die Fernkloof Nature Reserve. Für den Aufstieg werden wir mit einer wunderschönen Aussicht auf die Bucht und den Ort belohnt. Wir sind fast alleine unterwegs und der geschäftige Ort ist weit weg.

Kapstadt & das Kap

Mit Südafrika bringt man neben der Tierwelt natürlich auch den sehr guten Wein in Verbindung. Ein Besuch einer der zahlreichen Weinkellereien rund um Stellenbosch ist daher ein Muss. Bis Kapstadt ist es jetzt leider nicht mehr weit. Der Rummel der Großstadt ist nach fast zwei Wochen Natur pur gewöhnungsbedürftig. Die Victoria & Albert Waterfront erschlägt mit den vielen Menschen und ihrem pulsierenden Lärm. Auf dem Tafelberg tummeln sich große Gruppen aus aller Welt und ich bin wieder einmal froh, dass wir nur eine kleine Gruppe sind. Nur ein paar Meter weg vom Hotspot nahe der Gondel wird es aber schlagartig ruhiger. Außer uns sind noch ein paar Wanderer unterwegs, die Stille wird wieder spürbar und man hört nur noch seinen eigenen Atem. Kaum vorstellbar, dass sich nur ein paar Minuten weiter die Massen tummeln und drängeln.

Wir steigen über die Skeleton Gorge ab zum Botanischen Garten Kirstenbosch. Tief unter uns liegt der Garten in Puppenhausgröße. Dank der endlosen Vielfalt der Vegetation gehört der Tafelberg Nationalpark zum Weltnaturerbe. Unzählige Stufen und eine Felsschlucht später kommen wir müde und verschwitzt in der wunderschönen grünen Oase an. Das frische Tafelbergwasser aus den öffentlichen Trinkbrunnen könnte nicht besser schmecken. Am Abend entscheiden wir uns aber für das kleine italienische Lokal gegenüber unseres Gästehauses. Auch hier ist es quirlig, aber um einiges ruhiger und wir brauchen abends nur

Wie jeden Tag geht es auch am letzten Tag vor der Abreise früh wieder früh raus. Unser letztes Ziel ist das Kap der Guten Hoffnung. In der Nacht hat es endlich geregnet – ein Segen für die Kapregion, auch wenn es in Bezug auf die Wasserknappheit nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Der Himmel ist ausnahmsweise verhangen und es ist deutlich kühler geworden. Entlang der Küste fahren wir auf die Kaphalbinsel. Trotz des frühen Starts sind wir nicht die ersten am Kap, aber es sind zum Glück nur wenige bereits unterwegs. So haben wir den Leuchtturm fast für uns. Die Sonne kämpft sich durch und langsam lichten sich die Wolken. Ein paar Klippschliefer haben sich das erste sonnige Plätzchen auf einem Felsen unterhalb des Leuchtturms gesucht. Allmählich wird es immer voller und die Busse strömen in Richtung Kap. Am Strand des Kaps grasen Strauße direkt am Meer, das in Sonne oft türkisfarben schimmert. Bei der Pinguinkolonie in Simon's Town geht es ähnlich zu wie am Kap. Die kleinen tolpatschigen Seevögel tummeln sich scharenweise am Boulders Beach, ganz unbeeindruckt von den vielen Menschen. Fluffiger Nachwuchs der Brillenpinguine reißt hungrig die Schnäbel auf während die Elterntiere wachsam den Blick auf die Möwen halten, die gerne mal das eine oder andere Ei klauen.

Den Abend des gemeinsamen letzten Tages lassen wir in einem gemütlichen afrikanischen Restaurant ausklingen. Ein bißchen Wehmut macht sich breit bei dem Gedanken, dass sich unsere Wege am nächsten Tag trennen werden. Es war eine wunderschöne, wenn auch schon mal anstrengende Reise: die beispiellose Freundlichkeit der Südafrikaner, gesellschaftliche Gegensätze, traumhafte Landschaften und nicht zuletzt die vielfältige Tierwelt haben bei uns allen bleibende Eindrücke hinterlassen. Hier auch ein ganz besonderes Dankeschön an Hannes, unseren Guide, der uns seine Heimat von dieser wunderschönen Seite gezeigt und so nah gebracht hat. Jeder von uns hat ein bißchen sein Herz an Afrika verloren und ich bin sicher, dass wir alle wiederkommen werden. Irgendwann. Bald. Bestimmt.

Zur Reise: Südafrika – Höhepunkte zum Kennenlernen

von Daniela Bücher (Februar 2018)

 

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