Höheninfo

Wie bereite ich mich auf die Höhe vor?

Höhentaktik & Akklimatisation

Grundsätze der Höhentaktik

Der Höhenbereich, ab welchem eine konsequente Höhentaktik erforderlich ist, um Höhenprobleme zu vermeiden, liegt bei etwa 2500 m - 3000 m Schlafhöhe. Ab dieser Höhe muss man dem Körper Gelegenheit geben, sich an die ungewohnte Höhe gründlich anzupassen.

Von hier an erfolgt jede Akklimatisation stets in Stufen: Nach erfolgter (meist mehrtägiger) Anpassung an eine erreichte Höhe ist man nur für diesen Höhenbereich akklimatisiert, also wieder nahezu voll belastbar und weitgehend frei vom Risiko einer akuten Höhenkrankheit. Beim weiteren Höhersteigen beginnt der Akklimatisationsprozess und damit besteht das Risiko einer akuten Höhenkrankheit stets wieder von neuem. 

Eines muss uns allen klar sein: Im Rahmen eines üblichen Höhentrekkings bzw. einer  Bergbesteigung in großen und extremen Höhen befinden wir uns ständig in der (riskanten) Akklimatisationsphase und sind in der Regel nie voll akklimatisiert. 

Deshalb ist es wichtig, die taktischen Regeln des Höhenbergsteigens konsequent einzuhalten, um eine akute Höhenkrankheit (AMS) zu vermeiden.

 

Nicht zu schnell höher steigen 

Die Gestaltung der Aufstiegsetappen stellt oft einen Kompromiss zwischen höhenmedizinischen Empfehlungen, dem Zeitbudget sowie den örtlichen Verhältnissen (Gelände, Zeltplätze, Lodges) dar. Trotzdem ist ein aktiver Aufstieg zu Fuß einem raschen Aufstieg z. B. per Seilbahn, Helikopter oder Flugzeug vorzuziehen. Die täglichen Höhenunterschiede (maßgeblich ist immer die Steigerung der Schlafhöhe) liegen optimalerweise zwischen 300m und 400m. Ist diese Schlafhöhendistanz nicht möglich, sollte sie 600 m nicht überschreiten. Beträgt die Höhendifferenz zum nächsten Camp beträchtlich mehr (1000 m), sollen auf der neuen Höhe zwei Nächte verbracht werden.

Nur wer sich nach Ankunft in einem neuen Lager (oder einer neuen Lodge), wirklich fit fühlt, kann am selben Nachmittag / Abend noch gemütlich etwas höher steigen, z. B. 200 Höhenmeter über das Lager (die Lodge) hinaus. 

Langsam gehen – tief atmen 

In der kritischen Akklimatisationsphase sollte das (aus den Alpen) gewohnte Gehtempo bewusst reduziert werden und kompromisslos(!) ein sogenanntes aerobes Gehtempo gewählt werden. Was heißt das? Ein Tempo, bei dem man nicht außer Atem gerät, sich während des Gehens noch gut unterhalten kann und damit nicht in eine „Sauerstoffschuld“ durch Überanstrengung ( = anaerob) gerät. 

Beobachtung der Herzfrequenz - Pulskontrolle 

Die regelmäßige Kontrolle des Pulswertes ist ein wichtiges Parameter für den Akklimatisationszustand. Liegt der Ruhepulswert (z. B. morgens, liegend, noch im Schlafsack) um mehr als 20 Prozent über dem individuellen Talwert (zu Hause oder vor Trekkingbeginn im Tal gemessen), kann dies ein Hinweis dafür sein, dass sich der/die Betreffende gerade in der (stets kritischen) Akklimatisationsphase befindet. Kehrt der Ruhepuls später wieder zum individuellen Talwert zurück, bedeutet dies, dass der Akklimatisationsprozess in diesem Höhenbereich erfolgreich abgeschlossen ist. 

Gut schlafen 

Die nachts gedämpfte Atmung und der sich verlangsamende Kreislauf beeinträchtigen die Schlafqualität in großer Höhe. Auch sind Schlafstörungen z. B. durch periodische Schlafatmung, häufiges Urinieren oder störende Geräusche keine Seltenheit. Durch das Liegen mit leicht erhöhtem Oberkörper kann man auch nachts seine Atmung unterstützen. Der Schlafplatz  sollte sorgfältig ausgewählt und für ausreichend Belüftung (im Zelt) sollte ebenfalls gesorgt werden. Auf die Einnahme von Schlafmitteln sollte verzichtet werden.

Gesund bleiben 

Zu häufigen Komplikationen in großer Höhe bzw. in Entwicklungsländern gehören Atemwegsinfekte und Verdauungsprobleme. Diese kann man durch regelmäßiges Händewaschen sowie Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene vermeiden. Die Schleimhäute kann man durch ein Tuch vor dem Mund oder durch das Lutschen von Pastillen feucht halten. In großer Höhe / bei großer Kälte sollte aufs Duschen und vor allem aufs Haarewaschen verzichtet werden.

Genügend trinken 

In großer Höhe kommt es durch die körperliche Anstrengung in kalter, trockener Luft und durch die Akklimatisation an sich zu einem verstärkten Flüssigkeitsbedarf. Dieser Flüssigkeitsbedarf sollte durch regelmäßiges, vermehrtes Trinken gedeckt werden, um leistungsfähig zu bleiben, aber auch um Thrombosen und Erfrierungen vorzubeugen. Der Urin soll hell und klar sein. Es sollte so viel getrunken werden, dass man auch nachts raus muss.

Mitteilen - Kommunikation in der Gruppe 

Jeder Reisende soll sich täglich fragen: Wie ging es mir gestern? Wie war die Nacht? Was kann ich mir heute zumuten? Laufender Erfahrungsaustausch zur aktuellen Verfassung und zum Akklimatisationsfortschritt ist sehr wichtig. (Ehe)partner, Bergpartner, Zeltpartner beobachten sich gegenseitig und tauschen sich regelmäßig über ihren Gesundheitszustand aus. So können sie frühzeitig Probleme erkennen. Diese Punkte sollen im Bedarfsfall mit der Reiseleitung besprochen werden. 

Die Symptome der Höhenkrankheit erkennen

Kopfschmerzen in der Höhe sind allein noch keine Höhenkrankheit, aber in Kombination mit zwei oder mehreren Symptomen, wie z. B. Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Atemnot bei Belastung oder periphere Ödeme, schon. Als Leitsymptome für die schwere Höhenkrankheit gelten plötzlicher Leistungsabfall (Höhen-Lungenödem) sowie Gang- und Stehunsicherheit (Höhen-Hirnödem). 

Kein weiterer Aufstieg bei Krankheitssymptomen

Dies gilt besonders für die Symptome der Höhenkrankheit, aber auch für sämtliche anderen  Krankheitssymptome. Prinzipiell soll man immer zunächst von einer Höhenkrankheit ausgehen und das Gegenteil beweisen, denn die Symptome der Höhenkrankheit werden häufig ignoriert, falsch interpretiert oder verheimlicht. Gesundheitsprobleme werden in großer Höhe nicht besser, der Organismus wird nur doppelt belastet! Wenn sich die Symptome in gleichbleibender Höhe nicht bessern, immer absteigen.

Höhenkrankheit

Höhenkopfschmerz

Drei von vier Höhenbergsteigern leiden gelegentlich darunter. Aber nur wenn zusätzlich noch andere Befindungsstörungen auftreten - vor allem Atemnot in Ruhe, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit, Apathie, Unterhautschwellungen, Schwindelzustände, trockener Husten - besteht Höhenkrankheit.

Gleichgewichtsstörungen

Sobald zu den eben genannten Symptomen auffällige Gleichgewichtsstörungen hinzukommen, besteht akute Lebensgefahr. Sie sind ein untrüglicher Hinweis auf ein sogenanntes Höhenhirnödem. Dieses ist zwar sehr selten, führt aber ohne rasche Gegenmaßnahmen häufig zum Tod.

Plötzlicher Leistungsabfall

Wenn jemand plötzlich sehr langsam wird, ungewohnt oft rasten muss und sich bei diesen Pausen nicht mehr recht erholen kann, ist das ein dringender Hinweis auf ein bevorstehendes oder bereits beginnendes lebensbedrohendes Höhenlungenödem.

Vorsicht: Höhenbedingte Beschwerden werden sehr häufig ignoriert oder verheimlicht!
Man muss sich deshalb vom ersten Höhentag an ständig gegenseitig beobachten. Dabei soll man Folgendes beachten: Ändert sich die Stimmungslage eines Tourengefährten?
Rastet jemand plötzlich auffallend oft?
Fällt auf, dass jemand beim Rasten oder im Lager ungewohnt still und teilnahmslos wirkt?
Beobachtet man einen plötzlichen Leistungsabfall oder eine Trittunsicherheit?                                                        

Sofortmaßnahme bei Höhenkrankheit

Noch einmal: Auch aus leichten Formen der Höhenkrankheit können sich innerhalb von wenigen Stunden lebensgefährliche Situationen entwickeln. Daher müssen immer sofort und kompromisslos die richtigen Konsequenzen gezogen werden:

  • Bei leichter Höhenkrankheit
    Den Aufstieg nicht fortsetzen, sondern einen Ruhetag einlegen. Ist man am nächsten Morgen noch immer nicht beschwerdefrei, muss in Begleitung abgestiegen werden.
  • Bei schwerer Höhenkrankheit
    Sofort absteigen! Nicht auf Rettung warten - die kommt (wenn überhaupt) fast immer zu spät!
  • Der rasche Wechsel in tiefere Höhenlagen ist immer die wichtigste Sofortmaßnahme!
    Flaschensauerstoff, Medikamente (Aspirin, Ibuprofen, Nifedipin, Dexamethason, Diamox u.a.m.) oder ein Überdrucksack sind unter Umständen wertvolle zusätzliche Hilfen. Dies gilt allerdings nur, wenn man damit umgehen kann. Kompromisslos abzusteigen kann dadurch allerdings niemals ersetzt werden. Man sollte immer mindestens bis zu einer Höhe absteigen, in der ein Betroffener zuletzt beschwerdefrei übernachtet hat. Wann darf wieder aufgestiegen werden? Wenn der Betroffene wieder völlig beschwerdefrei ist, was manchmal schon nach kurzer Zeit der Fall sein kann. Beschwerdefreiheit bedeutet letztlich immer Akklimatisation.

Was wir tun

Was tut Hauser für ein gutes Gelingen?

All die vorangehenden Punkte liegen in Ihrer eigenen Verantwortung. Selbstverständlich versuchen wir, Ihnen unsere Trekking-Reisen auch bezüglich der Akklimatisation so angenehm wie möglich zu machen. Der erste Schritt beginnt bei uns in München mit einer sorgfältigen Routenwahl. So ist es stets unser Ziel, die ersten Tage in der Höhe so geruhsam als möglich zu gestalten, damit Ihr Körper Zeit hat, sich zu akklimatisieren. Auch die Zuhilfenahme einer Begleitmannschaft und der organisierte Gepäcktransport spielen bei der Akklimatisation eine wichtige Rolle. Dank dieses Konzeptes können Sie ohne Stress und mit wenig Gepäck auf die Berge der Welt steigen, wobei Sie Ihr Gehtempo meist selbst bestimmen können. Wir halten unsere Reiseleiter und die örtlichen Begleiter dazu an, dies zu fördern und zu unterstützen. Natürlich gibt es witterungs- und/oder geländebedingte Situationen, die es hin und wieder erfordern, dass die Gruppe zusammenbleibt. In diesen Fällen wird natürlich auf die langsameren Teilnehmer Rücksicht genommen. Darüber hinaus werden unsere Reiseleiter regelmäßig über den aktuellen Stand der Höhenmedizin unterrichtet und führen eine Notfall-Apotheke mit sich. Diese hält für die akute Höhenkrankheit, das Höhenlungenödem und das Höhenhirnödem entsprechende Medikamente bereit. Bei Touren, die in große Höhen führen und kein schneller Abtransport in tiefere Lagen möglich ist, wird außerdem ein Überdrucksack (Certec-Bag) mitgeführt.

Noch eine letzte Bitte:

Sollten Sie vor der Entscheidung für oder gegen eine Trekking-Reise in große Höhe stehen, fragen Sie uns. Wir kennen die Situation vor Ort, geben nützliche Tipps und helfen gerne, mit Ihnen gemeinsam die richtige Wahl zu treffen, damit Ihr Urlaub zu einem ungetrübten Erlebnis wird. Dies ist für uns das Allerwichtigste. Aber wenn Sie die beschriebenen Höheninfos beherzigen, haben Sie schon viel für Ihre Sicherheit getan. Denn trotz der ernstzunehmenden Probleme, die aus der Missachtung der Höhentaktik entstehen können, gilt Trekking in den Hochgebirgen dieser Erde bei richtiger Planung und umsichtiger Höhentaktik als eine relativ risikoarme Freizeitsportart.

Dies ist eine Zusammenfassung und gekürzte Form einer sehr umfassenden Thematik!

Zur weiteren theoretischen Auseinandersetzung empfehlen wir das Handbuch der Trekking- und Höhenmedizin (Stand 2015) von Prof. Dr. Franz Berghold, Ulf Gieseler und Dr. Wolfgang Schaffert, (pdf-Download) oder andere weiterführende Literatur.

Praktischer geht es in unserem Wochenend-Workshop zur Höhentaktik und Höhenmedizin zu. Einer Sportwissenschaftlerin, ein staatlich geprüfter Bergführer und ein Höhenmediziner begleiten Sie durch diesen Workshop.