Reisebericht: Italien - Vom Vesuv zum Ätna

Seit fast 40 Jahren eine Bestseller-Reise! 

Zahlreiche kulturelle Highlights kombiniert mit der Besteigung des aktivsten Vulkans - dem Stromboli, sowie des höchsten Vulkans Europas - dem Ätna... Genial! Auf dieser Tour erwandern wir Vulkane und Vulkanismus in Süditalien und Sizilien.

Für die ersten vier Nächte beziehen wir Quartier im schönen Sorrent, ganz im Süden des Golfs von Neapel. Von hier aus erkunden wir mit der Bahnlinie "Circumvesuviana" diese Region. Wir "erklimmen" v.a. per Bus und ein Stück zu Fuß den Vesuv, der so scheinbar ruhig über der riesigen Stadt thront und doch so gefährlich ist. Anschließend führt uns ein offizieller Guide durch die ausgegrabenen Strassen und über die Plätze der von der Vulkanasche verschütteten Stadt Pompeij. Wir erahnen die Gewalt, die aus dem Erdinnern kam und eine ganze Stadt vernichtete. Am nächsten Tag spazieren wir durch enge Gassen in der Altstadt von Neapel: Fischmarkt, schöne Plätze, Brunnen und Kirchen, Paläste von Normannen und Bourbonen, Pause bei Cappucino und Bruschetta in der Sonne.

Den ganzen folgenden Tag

verbringen wir auf der vor Sorrent liegenden, vielbesungenen Insel Capri: Vom quirligen Hauptplatz aus wandern wir meist alleine zuerst auf blumengesäumtem Weg zu einem Naturbogen hoch über dem blauen Meer, danach auf der anderen Seite von Capri steil nach oben zu einer Kirche unter dem höchsten Punkt der Insel, dem Monte Solaro mit 589 m und genießen den wunderbaren Blick hinunter auf die "faragliones", die Klippen im Meer. Der Abstieg über die 1.000 Stufen der "Phönizischen Treppe" ist der Fitness-Test für den Stromboli, den alle bestehen.

Der letzte Tag am Golf

erlaubt eine kurze Bahnfahrt nach Sorrent, der Stadt der Limonen, bevor wir mit dem Bus nach Pozzuoli nördlich von Neapel fahren, dem Geburtsort von Sophia Loren, um das zweitgrößte Amphitheater Italiens zu besichtigen. Anschließend können wir in der "Solfatara", einem Schwefelkrater in der Nähe, durch Dampfschwaden wandern und die von leuchtend gelben Schwefelkristallen besetzten und laut fauchenden Löcher im federnden Boden bestaunen. Schon sind wir näher dran am Erdinneren. In unserem Reiseleiter Erhard Sprick haben wir einen kenntnisreichen Führer durch diese Welt. Abends checken wir gespannt auf der Fähre ein, um in einer bequemen Kabine die nächtliche Überfahrt nach Lipari zu verschlafen.
In Lipari, einer wirklich hübschen kleinen Hafenstadt, beziehen wir für drei Nächte unsere Zimmer im "Giardino sul Mare", hoch auf der Steilküste gelegen mit Blick über den Pool auf das Meer. Hier kann man es aushalten!

Eine nachmittägliche Wanderung

an die Südspitze der Insel führt uns durch blühenden Ginster, Zistrosen und Fenchelkerzen. Von hier aus haben wir einen Blick auf unser morgiges Ziel: Den Krater von Vulcano! Diese gleichnamige Insel gab allen Vulkanen dieser Erde ihren Namen.

Ausgerüstet mit Wanderstöcken

und leckeren Broten aus der Bar "Gilberto e Vera" bringt uns am nächsten Morgen Antonio mit seinem Boot hinüber zur Nachbarinsel. Wir genießen die Fahrt auf dem sonnigen Deck, während Erhard uns mit Einzelheiten zur Geologie der Insel versorgt. Wir haben bis zum späten Nachmittag Zeit, um den steilen Weg zum Krater hochzusteigen, diesen durch beißende Schwefeldämpfe zu umrunden und wieder abzusteigen. Ein wirklich einmaliges Erlebnis zu sehen, wie die Kameraden vor uns im Dampf verschwinden, um bald darauf hustend weiter vorne wieder aufzutauchen! Man darf die Füße nicht zu nahe an die wie Düsen pustenden Löcher setzen. Siedend heiß stoßen sie den Dampf mit großem Druck aus! Wieder eine Annäherung an das Thema "Vulkanismus".

Nach einer "Gipfel"-Rast

mit Blick auf den im Süden aufragenden, tief verschneiten Ätna geht es wieder hinunter in den Ort, wo wir uns im warmen Schwefel-Schlammbad in einer Bucht suhlen. Das Thema bleibt uns treu. Der Geruch auch noch einige Stunden, auch wenn wir nach der Suhle direkt ins
unterseeisch gewärmte Meer tauchen können, einmalig! Zurück in Lipari haben wir Zeit für einen Bummel durch den hübschen Ort und einen Cappuccino direkt am kleinen Hafen.
Am nächsten Tag bringt uns Antonio zur einzig grünen Insel des liparischen Archipels – Salina – um auf den höchsten Berg, den "Monte Fossa dei Felci", den Farn-Berg mit 967 m zu steigen. Von einer reich ausgestatteten Wallfahrtskirche aus geht es steil durch Eukalyptuswald nach oben, bis wir vom Gipfel aus hinüber nach Lipari und hinunter auf unser Ziel, den Ort Lingua blicken können. Hier liegt auch die Namensgeberin der Insel, die aufgelassene Saline. Auf steilem Weg, der unsere Konzentration erfordert, geht es an riesigen Opuntien-Ohren vorbei hinunter, bis wir durchgeschwitzt und müde eine kleine Bar erreichen. Hier werden wir mit selbstgemachtem Kuchen erwartet. Dazu gibt eine Runde Malvasia-Wein, der hier angebaut wird. Ist wirklich der Weg das Ziel? Oder doch das Ziel? Das weiß ich hier wieder nicht so genau … Leicht beschwingt besteigen wir das Boot, das uns zurück nach Lipari bringt.

Am nächsten Morgen

nehmen wir Abschied von Lipari, um endlich nach Stromboli zu fahren, der nördlichsten Insel des Archipels. Sehr gespannt nähern wir uns diesem "Leuchtturm im tyrrhenischen Meer", der den Seefahrern früher eine feste Wegmarke war. Können wir heute noch hinauf? Das Wetter hält, was machen die seismischen Aktivitäten? Das klärt Erhard gleich nach unserer Ankunft bei unserem lizensierten Vulkanführer Antonio. Und er gibt grünes Licht! Heute abend um 17 Uhr treffen wir uns bei ihm, um die Ausrüstung zu übernehmen und die fast 1.000 Höhenmeter auf den Kraterrand zu steigen! Im Gegensatz zu früheren Jahren ist der Gipfel nur noch mit Vulkanführern und gut ausgerüstet erlaubt. Wir spazieren durch den malerischen Ort zum schönsten Hotel der Insel, dem "La Sirenetta", wo wir für die nächsten drei Nächte untergebracht sind. Es bleibt Zeit für einen Campari Orange am schwarzsandigen Hafen oder ein Bad im eisigen Pool, bevor wir zu unserer "Expedition" aufbrechen. Durch mannshohes Schilf geht es auf sandigem Pfad nach oben, immer weiter, Gott sei Dank im Schatten des Berges, denn es ist sehr warm. Ins Schwitzen kommen wir in den nächsten zwei Stunden allemal, der Weg wird felsig und zieht sich in Serpentinen immer höher, bis wir bei starkem Wind auf einer Höhe von 900 m unsere Gamaschen und Helme anlegen, die Stirnlampen griffbereit halten, ebenso die Staubbrille. Wir warten in der Dämmerung ab, bis wir das letzte Stück nach oben steigen. Bei Dunkelheit stehen wir nun am Rand des Kraters, ca. 250 m über dem Schlund und warten. Nicht lange, dann faucht ein Schlot und spuckt eine glühende Lavafontäne aus, die knisternd in sich zusammenfällt, wow! Wir dürfen nur maximal einen Stunde bleiben, das reicht, um in tosendem Wind drei eindrucksvolle Ausbrüche unter uns zu beobachten. Das war also der Themen-Punkt "aktiver Vulkan"!

Dann mahnt Antonio

zu voller Konzentration, verteilt Staubmasken und es geht in konzentrierter Rückenlage steil durch ein tiefes Aschefeld nach unten. Das macht richtig Spaß, die Staubmasken sind absolut unabdingbar, denn wir wirbeln die feine Asche stark auf. So kommen wir schnell nach unten, die letzten 400 Höhenmeter geht es wieder durch Schilf, bis wir müde, aber sehr zufrieden gegen 22 Uhr wieder vor Antonios Büro stehen. Hier lassen wir eine kleine Schnapsflasche aus dem Hauser-Büro kreisen, bevor wir im nahen Hotel die Bar für ein Gipfel-Bier stürmen!

Der heutige Tag dient zum Ausgleich für gestern der Ruhe. Wir haben sozusagen Urlaub. Wer mag, kann unter Erhards Führung einen Rundgang durch den Ort machen. Die anderen gehen in Eigenregie oder lesen und schlafen auf einer Liege am schönen Pool. Die Gruppe trifft sich erst um 16 Uhr, um gemeinsam zur Feuerrutsche, der "Sciara del fuego" zu wandern, um an ihrem Rand in einer Pizzeria zu Abend zu essen. Leider warten wir bei Dunkelheit vergebens auf herunterkugelnde Lavabrocken oder zähfließende Ströme, die sich ins Meer ergießen. So starke Ausbrüche gibt es heute nicht. Aber die leckere Pizza schmeckt trotzdem. Mit Stirnlampe geht es zurück zum Hotel.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel

liegt der zweite Ort, Ginostra. Er wird von knapp 100 Menschen bewohnt, wir wollen heute mit dem Boot dorthin und kleine Wanderungen unternehmen. Gestern abend noch hatte der starke Wind und damit Seegang nichts Gutes verheißen. Aber der Windgott Aeolus, der dem Archipel den Namen gab, hat ein Einsehen und wir können bei nur mäßig bewegter See fahren. Ginostra ist im Guinessbuch der Rekorde mit dem kleinsten Hafen der Welt verzeichnet, nur ein Boot passt hinein. Wir legen aber an der erst vor einigen Jahren aus Katastrophenschutzgründen gebauten neuen Mole an. Bei Imma, der Besitzerin der einzigen Kneipe im Ort, bestellen wir für später einen Imbiss. Sie wagt es kaum, den Auftrag anzunehmen, weil sie heute durch den Sturm keine Brotlieferung per Schiff erhalten hat. Doch wir ahnen, dass sie uns auch ohne Brot lecker verköstigen wird! Noch schnell im einzigen Gemischwarenladen ein Lemon Soda und einige Ansichtskarten mit historischen Inselmotiven gekauft und etwas Umsatz gebracht, dann wandern wir durch blühende Landschaft über dem Meer nach Süden. Der Blick schweift über alle Liparischen Inseln, herrlich! Der Rundweg dauert, es sind lauter Fotografen in der Gruppe. Es gibt so viele Blumen und Ausblicke festzuhalten. Endlich sind wir wieder im Ort, durchqueren ihn und wandern auf seiner Nordseite - vorbei am neuen Solarpark der Gemeinde - bis zur Feuerrutsche; heute stehen wir also an der anderen Seite. Auch heute ist nicht viel zu sehen. Aber wir sind froh, dass der Berg so ruhig ist, sonst wären wir vor zwei Tagen nicht oben gestanden! Der Magen zieht uns zurück zu Imma, die uns auf ihrer überdachten Terrasse mit Salat und Antipasti bewirtet. Dazu ein Glas kühler Weißwein, was will man mehr … träumen …

Abends schauen wir uns in der Lounge des Hotels

den von Erhard mitgebrachten Film "Stromboli" mit Ingrid Bergman an. Ein dramatisches Filmdokument an diesem Ort. Der Senior-Chef des Hotels erzählt uns, dass er als Statist bei den Filmaufnahmen dabei war!

Am Morgen heißt es bei dunklen Wolken und starker Brandung Abschied nehmen von den Liparischen Inseln mit ihrer schönen Architektur. Die Fähre legt pünktlich an, d.h. sie schafft es durch den Seegang erst im zweiten Anlauf! Hektische Anweisungen des Personals zeigen, dass das Manöver kaum mehr möglich ist. So fahren wir mit halber Kraft bei ziemlichem Seegang und Regen die knapp 3 Stunden bis Milazzo an der Nordküste Siziliens, wo uns schon der Bus erwartet. Welch unfreundlicher, diesiger Empfang nach den vielen Sonnentagen auf den Inseln! Wir halten uns tapfer mit Regenschirm beim Stadtrundgang durch das hübsches Städtchen Taormina. Es gießt noch immer - und morgen wollen wir auf den Ätna …

Auch beim Frühstück regnet es noch in Strömen. Erhards Optimismus rettet uns: "Das kann am Berg ganz anders sein, ich hab das schon oft erlebt!" Na dann packen wir's an. Nach gut zwei Stunden Fahrt zum Nationalparkseingang bei Zafferana erreichen wir die ersten ausgedehnten Lavafelder, durch die sich die Straße immer weiter nach oben windet. Und dann: Ein weißer Berg begrüßt uns, Neuschnee! Der Himmel reißt auf, als wir am Rifugio di Sapienza auf 1.910 m Höhe in die Seilbahn umsteigen, um weiter auf eine Höhe von 2.500 m zu gondeln. Bei Sonnenschein steigen wir um in die schneekettenbewehrten so genannten Jeeps, die uns durch eine meterhohe Schneeschneise bis auf 2.900 m bringen. Hier legen wir die Gamaschen an - heute nicht gegen Asche, sondern gegen den Neuschnee - und marschieren mit unserem lokalen Guide los. Er hat ein besonderes Schmankerl für uns: den Südwest-Krater, der vor sechs Tagen erst - wir sahen den Ausbruch zufällig von Vulcano aus - eine starke Eruption hatte. Und bald stehen wir mit ihm auf heißer Lava, gerade dass die Schuhsohlen nicht schmelzen, und genießen eine fachkundige Vorlesung in Vulkanologie, sehr anschaulich aufbereitet. In einer Karawane geht es wieder ein Stück zurück und über erst zu schlagende Eisstufen hinauf auf einen kleinen Krater, in dessen warmer Innenwand wir ein kurzes Picknick machen.

Welch ein Erlebnis!

Ein Sitzplatz muss sorgfältig ausgewählt werden, man könnte Raclette zubereiten! Von hier aus steigen wir leider nicht in schnell abwärts führenden Aschefeldern ab, sie sind frisch verschneit. Und so benötigen wir für die mehr als 1.000 Höhenmeter hinunter zum Parkplatz doch einige Zeit, zumal Nebel aufzieht, es schneit sogar kurz. Der Ätna zieht alle Register, um uns nachhaltig zu beeindrucken! Themenpunkt "heißer Vulkan". Da schmeckt dann im Rifugio ein Glas Averna, dem sizilianischen Magenbitter! Wir verabschieden unseren witzigen drahtigen Führer und lassen uns müde vom Busfahrer zum Hotel zurückbringen. Nun kommt der heikle Punkt jeder Hauser-Reise: das Abschiedsessen, mit Dankesrede der Gruppe, die mein Mann halten darf und Dankesrede von Erhard, voll des Lobes für uns alle. Besonders unsere Pünktlichkeit hat ihn sehr beeindruckt! Einige von uns wollen ihn auf einer seiner anderen Touren wiedersehen, sein wirklich phänomenales Wissen in Kunst, Kultur und Vulkanologie sowie seine herzliche Art haben uns berührt!

Als am nächsten Morgen der Ätna seine Wolkenmütze für uns abnimmt, nehmen wir dies als Abschiedsgruß Siziliens an uns, bevor uns der Bus nach Catania zum Flughafen bringt. Ciao, Bella Italia!

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Zur Reise: Italien - Vom Vesuv zum Ätna

(2011)