Reisebericht: Azoren - Wandern bei den Wettergöttern

Denken Sie beim Reiseziel „Azoren”
auch immer gleich an das Azoren-Hoch?

Wenn Sie einmal dort waren, denken Sie an Kraterseen, verschwenderische Natur, Meeresschwimmbecken zwischen Lavafelsen, frischen Fisch auf dem Teller! Auf unserer Tour besuchen wir fünf der Azoren-Inseln, jede hat ihr eigenes Gesicht. Aber allen gemeinsam ist die üppige Vegetation, bedingt durch das milde Sommerklima und die hohe Luftfeuchtigkeit.

Terceira und Sao Jorge

Über Lissabon fliegen wir nach Terceira. Auf einem ausgiebigen Abendspaziergang erkunden wir die schöne Hauptstadt Angra de Heroismo. Die schmucken Häuser mit blumengesäumten Eisenbalkons sind Erbe vergangener Seefahrtsmacht und der Grund dafür, dass die Stadt in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Am nächsten Vormittag bringt uns ein kurzer Flug auf die Insel Sao Jorge, hier sind wir in einem schönen Hotel am Rand der Hauptstadt Velas untergebracht sind. Schon vor dem Frühstück können wir einen Schwumm im Hotel-Pool absolvieren und anschließend das leckere Frühstücksbuffet genießen.

Wandern auf Sao Jorge. Ein schmaler Pfad windet sich durch die steilen grünen Hänge bergab. Unser Weg wird gesäumt von Fuchsien, Girlandenblumen, indischem Blumenrohr und vielem mehr. Ein Foto-Motiv jagt das nächste. Nach einer Pause in einer kleinen Bar - deren wirtschaftliche Existenz wir durch unsere Einkehr ein Stück weit stärken - oder einem Bad im Meer, geht es schweißtreibend an anderer Stelle wieder durch den Urwald nach oben.

Eine zweite Wanderung entlang der Küste führt zwischen Natursteinmauern hindruch, die von über mannshohen blau blühenden Hortensienbüschen gesäumt sind, ein Traum! Auch wenn diese Pflanzen - wie viele andere auf den Inseln - invasiv sind (also eingeschleppt und die einheimischen Arten verdrängend), sind sie zu einem Wahrzeichen der Azoren geworden. 

Faial und Pico

Mit der Fähre setzen wir über zur grünen Insel Faial, wir checken im schönsten Hotel der Hauptstadt Horta ein. Wir gehen heute zeitig ins Bett, morgen früh wollen wir auf der Nachbarinsel Pico den gleichnamigen höchsten Berg Portugals erklimmen.

Auf Pico angekommen fahren wir bis auf ca. 1.000 Meter Höhe und steigen unter der fachkundigen Führung unseres Reiseleiters Paul Broz hinauf zum Caldeira-Rand. In der weiten Schüssel erhebt sich der eigentliche Gipfel-Dom, der Pico Pequeno, den wir über ausgesetzte Passagen durch Lavagestein unter Einsatz der Hände erklimmen. Als Belohnung muss uns ein Gipfel-Foto genügen - leider verhindert eine dichte Wolkendecke den Blick aus über 2.000 m Höhe über den Archipel. Müde und stolz fallen wir heute ins Bett.

Am nächsten Tag wandern wir auf dem Kraterrand der berühmten Caldeira von Faial entlang, immer mit Blick in den anfangs nebelverhangenen, später von Sonnenstrahlen in sattem Grün beleuchteten Krater. Wir steigen auf breiter Piste ab nach Praia Norte, wo uns der Bus aufnimmt und ans Westende der Insel bringt.

Hier breitet sich eine völlig andere Umgebung aus, ein wüstenartiges Stück Land, mit steil ins Meer abfallenden Klippen in vielen Farben. Dieser Landstrich ist durch den Ausbruch eines unterseeischen Vulkans erst in den Jahren 1956/57 entstanden. Die über mehrere Monate anhaltenden Ausbrüche mit schwerem Ascheregen haben viele Bewohner zum Auswandern gezwungen. Das Grundgebäude des Leuchtturmes wurde meterhoch verschüttet, durch einen unterirdischen Eingang kann man es heute betreten und hinaufklettern, um den wunderbaren Rundblick zu genießen.

Zurück in Horta essen wir in eigener Regie, mein Mann Wolfgang und ich haben wirklich an jedem Tag dieser Reise den frischen Fisch aus dem Atlantik genossen, von Thunfisch über Stachelmakrele bis Barracuda, ein Traum! In der Dämmerung versammeln wir uns zu einem Caipirinha vor der berühmten Bar "Peters Sport" und tauschen Erlebnisse aus.

Jetzt ist der Pico in der Ferne klar im rosa Abendlicht zu sehen.

Flores

Wir fliegen weiter nach Flores. Wir sind schon sehr gespannt auf das ehemals verlassene, heute wieder restaurierte Dorf Cuada, in dem wir in Steinhäusern mit Selbstversorgung wohnen werden. Der Inhaber dieses holt uns zusammen mit seinem Sohn ab und bringt uns über die zackigen, grün ummantelten Berge zur Westseite der Insel. Und dann sind wir sprachlos: vom erhöht liegenden Parkplatz aus gehen wir zu Fuß auf basaltgepflasterten engen Wegen durch ein wirkliches Dorf, die kleinen Häuser reihen sich links und rechts vom Hauptweg hinter Steinmauern in leichter Hanglage aneinander. Alle Häuser haben einen kleinen Garten mit Sitzgelegenheit, sind mit liebevollen Details funktional und gemütlich eingerichtet, überall sprießen Blumen aus Mauern und Töpfen. Ein Teil der Gruppe wohnt im Haupthaus, dort wird auch das gemeinsame, selbst angerichtete Frühstück eingenommen, ein Teil ist auf kleinere Häuser verteilt. Spontaner Entschluss: hier gehen wir so schnell nicht mehr weg! Und wirklich verzichten einige von uns auf die letzte Wanderung ins Hochmoor, um die Atmosphäre dieses besonderen Ortes aufzusaugen. Heute spazieren wir noch 30 min hinunter ans Meer, um zu schwimmen. Das leckere Abendessen wird im neuen Restaurant im Grünen serviert, alles wird in einer offenen Küche hinter den Büschen zubereitet.

Am nächsten Tag bringt uns der Bus an das Nordende der Insel, hier startet unsere Küstenwanderung zurück nach Faja Grande. Über blaue Hortensien geht der Blick hinüber zur kleinsten Insel Corvo. Auf und ab windet sich der Weg, bis wir an einem steilen Hang problemlos zwischen leuchtend orangfarbenen Montbretien-Büschen auf engen Schleifen absteigen. In einem schattigen Wald aus Baumheide machen wir kurz Rast, bevor wir - immer die von Sonnenstrahlen geflutete Kirche von Faja Grande im Blick - den Ort, das Meerwasserbad und die Bar erreichen.

Die angekündigte Wanderung ins Hochmoor startet gleich im Ort. Es geht 600 m auf steilen Steinstufen hinauf auf die Hochebene. Belohnung ist eine Pause mit Blick hinein in die weite Hochmoorfläche. Weiter geht es über Moose und Farne, vorbei an vier Seen, deren Wasser in völlig unterschiedlichen Färbungen schimmern. Abends verwöhnt uns die Küche mit frisch harpunierter Stachelmakrele, der Sohn des Hauses ist Apnoe-Taucher und versorgt die Küche mit Nachschub. Lecker!

Sao Miguel

Leider können wir doch nicht ewig bleiben. Die letzten beiden Reisetage verbringen wir auf Sao Miguel. Wir wandern vom Kratersee Lagoa Verde hinauf auf den Caldeira-Rand und hinunter in den Ort Sete Cidades, wo wir im Lagoa Azul baden können. Wir besichtigen die Caldeira von Furnas, in der sowohl der gleichnamige See mit blubbernden Schlammlöchern liegt wie auch der Kurort Furnas mit einem herrlichen Park und einem aktiven Thermalgebiet mit fauchenden Fumarolen. Weiter im Norden besuchen wir die einzige Tee-Plantage Europas, erfahren auf einer kurzen Führung interessante Einzelheiten über die hier angebauten Teesorten und dürfen natürlich eine Tasse probieren und das Produkt auch kaufen - ein schönes Souvenir für zuhause! Weiter im Insel-Inneren nehmen wir ein Bad im Fogo-See. In einem Kratersee zu schwimmen hat wirklich etwas fast Erhebendes!

Dann bereitet sich unsere Gruppe auf die Abreise vor. Uns beide erfüllt aber noch kein Abschiedsschmerz, wir verlängern östlich von hier fünf Nächte in einem schönen Hotel an der Lavaküste. Außerdem hat sich die Idee, einmal für eine Woche im Dorf Cuada zu wohnen, lesen, wandern, baden bei uns festgesetzt. Mal sehen, wiederkommen ist möglich!

Zur Reise: Azoren - Zu Besuch bei den Wettergöttern

(2016)