Reisebericht: La Gomera - Dem Paradies zum Greifen nahe

Gar keine schlechte Idee...

...unser 2-tägiges Vorprogramm in der Inselhauptstadt San Sebastian. Wir wohnen im Apart-Hotel Villa Gomera nahe der Fußgängerzone mit vielen urigen Restaurants. Am 1. Tag erkunden wir die Hauptstadt – eher ein großes, beschauliches Dorf. Schmucke bunte Häuser, Grafenturm und Kirche aus dem 15. Jh., Aussichtspunkt am Hafen, 2 geschützte Badestrände und der hoch gelegene Parador – eine im altkastilischen Stil errichtete Nobelunterkunft mit botanischem Garten.

Den 2. Tag nutzen wir für eine 5-stündige Eingehtour entlang der Küste zum Strand von El Cabrito (hin und zurück 700 Höhenmeter). Abends erwarten wir am Hafen unsere Gruppe, die mit der Katamaran-Fähre eintrifft, und lernen unsere 10 Mitreisenden und den Reiseleiter Rafael Ruch kennen. Nach gut 1 Stunde Busfahrt quer über die Inselberge sind wir noch rechtzeitig in unserem erlesenen Quartier, Hotel Gran Rey, bevor das reichliche Abend-Buffet um 22 Uhr abgeräumt wird – Glück gehabt und toll geschlemmt.

Hochebene La Merica – Gran Rey

Wie jeden Aktivtag bringt uns morgens um 9 Uhr ein Kleinbus zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Heutiger Höhepunkt ist der Tiefblick vom Mirador del Santo auf die wilde Westküste. Ein Kammweg führt über die einst landwirtschaftlich genutzte Hochebene La Merica zum Aussichtspunkt am einzigen Bäumchen weit und breit. Der Blick schweift hinunter ins Valle Gran Rey und zu unserem Hotel. Nach einem langen Steilabstieg in Serpentinen erreichen wir Caleta. Unten am Strand angekommen, blicken wir zurück zum Bäumchen und können’s kaum glauben, dass es durch diese Steilwand einen Weg gibt.

Barranco de Guarimiar

Nach dem gestrigen Höhenweg folgt heute als Highlight ein Schluchtenweg. Er beginnt mit einem imposanten Steilabstieg in Serpentinen in den Barranco (Schlucht). Hier haben wir unsere Freude an der vielfältigen, subtropischen Vegetation und an den bunten Erosionsformen. Inmitten höchst abwechslungsreicher Landschaft wandern wir auf dem Pfad die 600 nicht so steilen Höhenmeter hinauf zum Dorf Imada.

Fast täglich kann uns Rafael mittags ein kleines Restaurant mit familiärer Atmosphäre bzw. eine Bar zur Einkehr vorschlagen und uns dort per Handy anmelden. Wir lassen uns kulinarische Köstlichkeiten schmecken und bereuen es nie, wenn wir Rafaels Empfehlungen folgen. Typische Hausmannskost in den Bergdörfern sind Brunnenkresse- und Kichererbsensuppe sowie Gerichte mit Ziegenfleisch und Kaninchen. Dazu verkosten wir aus kleinen Gläsern lokale Weine und trauen uns vorm Weitergehen auch mal ein hausgemachtes Verdauungsschnapserl zu.

Gipfel Garajonay – Fortaleza 

Auch wenn der „Höhepunkt” der Insel kein exponierter Gipfel ist, bietet der 1.487 m hohe Garajonay doch eine fantastische Rundsicht über La Gomera und zu den Nachbarinseln. Das lassen die Orientierungstafeln erahnen. Aber unsere Lage morgens nach einstündigem Anstieg ist „aussichtslos”. Denn feucht-kühle Passatwolken, die hier oft auftreten, haben alles verhüllt. Die Kondenströpfchen setzen sich überall ab und spenden so der Vegetation Wasser. Nennen wir es Glück, dass wir dies erleben können, während wir mitten in den Wolken wandern. Nach dem gelegten Waldbrand im Sommer 2012, dem ein Zehntel des Nationalparks zum Opfer fiel, sprießt inzwischen überall frisches Grün zwischen den verkohlten Bäumen und Büschen hervor und das Totholz wird nach und nach gerodet.

Glück haben wir erneut am Tafelberg Fortaleza, den wir spätnachmittags nach kurzem Steilanstieg über Felstreppen erklimmen. Die Passatwolken halten sich in anderen Bergregionen auf und wir holen am Gipfelkreuz die verpasste Aussicht von heute Morgen nach. 

Wal- und Delfin-Beobachtung

Am heutigen „Tag zur freien Verfügung” besucht unsere Gruppe mit Rafael den kleinen Wasserfall von El Guro. Uns beide zieht es aufs Meer. Im Hafen von Vueltas im Südosten von Gran Rey laufen morgens gegen 10 Uhr mehrere Ausflugsboote für 3-4 Stunden aus. In den küstennahen Gewässern geht es auf die Suche nach Delfinen und Walen. Wir beide sind neugierig und investieren je 35 Euro für eine solche Bootstour. Eine Garantie gibt es für Essen und Getränke an Bord, nicht aber für das Sichten von Meeressäugern.

Unsere Geduld wird schon recht lange auf die Folter gespannt, aber dann kommt die erste Gruppe von Tümmler-Delfinen in Sicht. Immer wieder tummeln sich mehrere Tiere vor dem Bug und an den Seiten unseres sanft fahrenden Bootes. Und dann nähert sich auch eine Gruppe von größeren Grintwalen und begleitet für eine Weile das Boot. Also eine erfolgreiche Pirsch zur See. Bei Abendstimmung wandern wir noch an den Nordwestzipfel von Gran Rey zur Playa del Ingles, bekannt für ihren schwarzen Lavasand zu Füßen imposanter, rot leuchtender Felsen.

Nationalpark "Rote Wand" 

An der Nordküste im schmucken Dorf Agulo beginnt ein weiterer Steilaufstieg. Rund 300 Höhenmeter ziehen wir auf Serpentinen durch die „Rote Wand” und genießen einen beeindruckenden Tiefblick. Dann geht es in eine Mulde mit kleinem Stausee und Rafael lässt uns leckere, aufgeschnittene Feigenkakteen probieren. An all den Tagen zeigt uns Rafael auch andere essbare Früchte, wie z. B. große, orangefarbene Mispeln und erklärt uns die Verwendung vieler Kräuter. Er kann alle kniffeligen Fragen zur artenreichen Flora auf La Gomera und den Kanaren beantworten, endemische Pflanzen mit inbegriffen. Schließlich hat er ja Forstwissenschaft studiert. Spannende Anekdoten zur Geschichte der Insel hat er ebenso in seinem Repertoire wie kritische Betrachtungen zur wirtschaftlichen Entwicklung, zum Klimawandel und zum Wasserverbrauch auf dieser Insel.

Hermigua – Lorbeerwald

Unsere herrliche Wanderwoche hat mit einem Abstieg von über 1.000 Höhenmetern begonnen und endet mit einem Anstieg von über 1.000 m. Vom fruchtbaren Hermigua-Tal an der Nordseite der Insel verläuft unser Weg durch Terrassenpflanzungen an einem Bach entlang, bis wir den höchsten Wasserfall der Insel vor uns haben – den Salto del Agua (etwa 100 m Fallhöhe). Es geht steil bergan und wir kommen mittags zu unserer letzten Bar bei El Cedro.

Anschließend betreten wir erneut den Garajanoy-Nationalpark mit seinem hier intakten Lorbeer-Märchenwald. So ein Wald – erklärt Rafael – besteht nicht nur aus bis zu 4 Arten von Lorbeerbäumen und aus Baumheide, sondern aus bis zu 20 typischen Baum- und Straucharten. Inzwischen ziehen Passatwolken über uns auf und schieben sich vor die Sonne. Dennoch begeistert uns der ansteigende Pfad mit Bartflechten, bemoostem Totholz, Pilzen und Farnen. Oben an der Bergstraße angekommen, wollen wir diese Paradetour mit der erneuten Besteigung des Garajonay krönen. Aber … wir sind wieder inmitten von Passatwolken.

Nach so vielen tollen Erlebnissen auf dieser paradiesischen Insel können wir das gut verschmerzen. So haben wir mehr Zeit für unser Abschiedsessen an dem – wie jeden Tag – reich gedeckten, variantenreichen Buffet. 

Kommen Sie auf La Gomera "dem Paradies zum Greifen nahe"! 

Zur Reise: La Gomera - Dem Paradies zum Greifen nahe

(2015)