Reisebericht: Alaska - da steppt der Bär

Nordamerika-Expertin Daniela Eberle
hat sich vom Ruf der Wildnis locken lassen.

Keine Schlüssel – oder das Urvertrauen in Alaska

Von außen sieht die McCarthy Lodge im Wrangell St. Elias National Park im gleichnamigen Ort aus wie eine Pappfassade im Western. Ganz schmal. Ich hatte das Gefühl, gleich kippt die Front nach hinten weg. Was hat die Besitzerin zur Begrüßung gesagt? „Das sind wahrscheinlich die kleinsten Zimmer, die ihr je hattet, aber die charmantesten.“ Metallbettgestelle und Rüschenkissen – tatsächlich sehr charmant. Niemanden hätte es gewundert, wenn ein Trapper mit Waschbär-Mütze auf dem Kopf durch die Tür gekommen wäre. Alte Bohnendosen, Werkzeuge, Bilder. Alles da, bis auf …? Schlüssel. „Wir haben keine Schlüssel.“ OK, alles klar, dann eben keine Schlüssel. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es in Alaska völlig normal ist, die Zimmer nicht abzusperren. Laptops, Pässe, Kameras einfach auf dem Zimmer lassen? Am ersten Tag hat sich das für uns alle ziemlich seltsam angefühlt. Aber schon am nächsten Tag ist das Urvertrauen der Alaskaner auf uns übergeschwappt.

Partytime in der Geisterstadt

Entstanden ist das Dorf wegen des Kupfervorkommens in der Gegend. Natürlich sind wir zur aufgelassenen Bonanza Mine oberhalb des Dorfes hinaufgewandert. 1.250 Höhenmeter. Ganz schön heftig. Eigentlich eine Geisterstadt ist McCarthy inzwischen ein Aussteiger-Dörfchen. Der Ort besteht im Prinzip aus der Lodge, dem Saloon gegenüber, in dem wir auch gefrühstückt haben, einem Shop und ein paar Häusern. Mit dem Auto kommt man nicht hin. Es gibt einen Shuttle Bus oder man läuft. Im Prinzip ist dort überhaupt nichts los, abgesehen davon dass es der perfekte Ausgangspunkt für Wanderungen und andere Outdoor-Aktivitäten ist. Aber an unserem zweiten Abend waren plötzlich Hunderte von Leuten da! Die Frauen in ihren besten Blümchenkleidern, an den Füßen Gummi- oder Winterstiefel. Partytime! Im Saloon trat eine der bekanntesten Bands des Umkreises auf. Die Musik war super und wir haben getanzt bis tief in die Nacht, als beschlossen wurde, mit Trommeln und Posaunen um die Häuser zu ziehen, um das Dorf aufzuwecken. An dem Abend gab es keine Trennung zwischen Alaskanern und Touristen. Am nächsten Morgen wurde der Saloon für das Frühstück vorbereitet und dieselben Leute, mit denen wir gefeiert hatten, haben uns wieder bedient. Jetzt war das Eis gebrochen.

Frei und unabhängig

Dass die Alaskaner und Alaskanerinnen irgendwie Sonderlinge sind, habe ich bald gemerkt. Zuerst dachte ich, der Service lässt zu wünschen übrig. Aber wer nach Alaska ausgewandert ist – es sind fast alles Aussteiger, oft sehr jung – fühlt sich frei, unabhängig und definiert sich nicht gerne als Bedienung. Abenteuerliche Sonderwünsche werden jedoch erfüllt. Mein Kumpel Matthias, er ist begeisterter Angler, war auf der Reise dabei. Also haben wir in der MacLaren River Lodge gefragt, ob wir für zwei Stunden ein Kanu und Angelausrüstung mieten können. Ich habe auch geangelt, das erste Mal in meinem Leben, und Arctic Greyling, also Esche, gefangen. Als wir so um 20 Uhr zurückgekommen sind, hat man uns die Küche zur Verfügung gestellt. Wir durften alles benutzen. Also haben wir die Fische gewürzt und gebraten, alle aus der Hauser-Gruppe durften probieren. Die Mitreisenden hatten natürlich schon zu Abend gegessen.

Immer bei der Gruppe bleiben

Eine Garantie dafür, dass man auf Bären trifft, gibt es nicht. Wir haben aber jede Menge gesehen. Im Denali National Park bestimmt 10 Grizzlys. Und im Wrangell St. Elias National Park war mir ein Schwarzbär näher als mir lieb war. Natürlich hatte Ernst, unser Reiseleiter, gleich zu Beginn der Reise eine Broschüre verteilt, in der genau steht, wie man sich verhalten soll beim Kontakt mit Bären. Wir sind laut aufgetreten und Ernst hatte zudem sicherheitshalber ein Bärenspray dabei. Einmal war direkt neben uns im Gebüsch ein Atmen zu hören. Wir sind dann auf Anweisung von Ernst langsam drei Schritte zurück gegangen. Der Bär auf Beerensuche kam heraus, ist an uns vorbeigetrottet und auf der anderen Seite des Weges im Gebüsch verschwunden. Als wir dann auf dem Rückweg waren, bin ich ziemlich schnell vorausgewandert. Es war kein gutes Wetter und sah aus, als wollte es anfangen zu regnen. Also im Stechschritt um die Kurve. Abrupter Stopp. Vor mir ein Bär. Langsam bin ich zurückgewichen. Der Schwarzbär ebenfalls. Zum Glück in die andere Richtung.

Drei Tage Mount McKinley

Wir haben gut gefeiert und sind durch die schönsten Berg- und Gletscherlandschaften gewandert. Den Mount McKinley haben wir an drei Tagen gesehen, einmal war er sogar den ganzen Tag frei, was eine echte Seltenheit ist. Viele reisen wegen des Berges nach Alaska und sehen ihn überhaupt nicht. Unvergesslich ist natürlich der Blick vom Helikopter aus auf die riesigen Schneemassen im Bergmassiv.

Alaska intensiv entdecken:

Alaska - Bären, Gletscher und Natur pur